Sport : Falscher Pass: Ein Star wird ausgewiesen

Werner Raith

Neue Gewitterwolken türmen sich über dem sowieso schon gebeutelten Traditionsverein Internazionale Mailand auf. Nachdem Starkicker Ronaldo bereits seit der vorigen Saison wegen Verletzung ausfällt und sein Ersatz Christian Vieri nach einer Verletzungspause erst langsam in Gang kommt, muss der Verein nun auf den dritten Weltklassespieler verzichten - diesmal nicht aus Gesundheitsgründen, sondern wegen Straffälligkeit: Staatsanwalt Alessio Verni hat Uruguays Nationalspieler Alvaro Recoba soeben die Ausweisungsverfügung zugestellt. Seine für die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis vorgelegten Dokumente, darunter sein Reisepass, haben sich als Fälschungen erwiesen.

Recoba, der den Schwindel einräumt, muss nun innerhalb von zwei Wochen das Land verlassen. Sonst droht ihm die Festnahme und eine Abschiebung zwangsweise. Zudem ist ihm aufgrund des Betrugs für fünf Jahre die Einreise in sämtliche Staaten der Europäischen Union untersagt. Es ist die erste derart drastische Maßnahme der Behörden gegenüber einem Fußballer dieser Qualität. Aus diesem Grund haben Inter-Manager bereits vorgefühlt, ob man nicht eine Ausnahme machen könne, wenn der Mann sofort verschwinde, seine bürokratischen Dinge in Montevideo regle und über die Botschaft Italiens einen neuen korrekten Einreiseantrag stelle. Das italienische Außenministerium in Rom hat sich noch nicht dazu geäußert.

Der Skandal drohte, sich auch im Management von Inter auszuweiten, da die Staatsanwaltschaft den Verdacht hegte, Führungsmitglieder des Vereins könnten an der Fälschung beteiligt gewesen sein. Doch Recoba konnte diese Unterstellung zerstreuen - und Inter am Ende doch noch nachweisen, dass dem Verein der falsche Pass von einem Vorstandsmitglied des AS Rom, wo Recoba vorher war, ausgehändigt worden war (weshalb nun auch der derzeitige Spitzenreiter der Serie A das große Zittern bekommt).

Inter-Präsident Masimo Moratti kann sich trotz des Persilscheins für sich und seine Manager nicht so recht freuen. Für ihn ist der Verlust just des Spielers, der in den vergangenen Wochen wieder für einen Aufschwung des in der unteren Tabellenhälfte strampelnden Vereins gesorgt hatte, nur die x-te Affäre, die er in großer Hast regeln muss. So war er bis zur Wochenmitte mit einem anderen Fall vollauf beschäftigt: mit den seit Monaten stattfindenden Bordellbesuchen und rauschenden Orgien seiner Kicker. Um derlei in Zukunft zu verhindern, hat er der Mannschaft eine finanzielle Kollektivstrafe auferlegt, deren Höhe noch genauer zu bestimmen ist. Ob dies bei dem "Sauhaufen, der Inter derzeit ist", wie ein böser Kritiker im Fernsehen meinte, überhaupt noch wirkt, ist wohl mehr als fraglich.

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