Sport : Falscher Wetterbericht

Die Deutschen verpassen im Biathlon-Sprint eine Medaille – Sieg für Außenseiterin Baverel-Robert

Hartmut Scherzer

San Sicario - Es ist höchst ungewöhnlich, dass sich die Mienen der Menschen in den Bergen verdunkeln, wenn die Sonne durchkommt. Am Schießstand der deutschen Biathleten aber machten die Trainer um 12.30Uhr plötzlich finstere Gesichter. Die letzte Schneeflocke war gefallen, der erste Sonnenstrahl fiel auf die Loipe. „Das Schlimmste, was uns passieren konnte“, stöhnte Bundestrainer Uwe Müßiggang. Die Sonne machte die Spuren im Schnee schneller – für die Konkurrenz, die Deutschen waren längst im Ziel. „Das war kein guter Tag für uns. Wir haben uns etwas verpokert“, sagte Müßiggang. Beim Überraschungssieg der Französin Florence Baverel-Robert belegte Weltcup-Spitzenreiterin Kati Wilhelm als beste Deutsche Platz sieben. Martina Glagow, die wegen des Dopingfalls Pylewa (siehe nebenstehenden Bericht) nachträglich Silber im 15-Kilometer-Rennen bekommen wird, wurde nur 17. Katrin Apel lief auf Rang 22, Uschi Disl auf Rang 34.

Sie alle hatten der offiziellen Wetterprognose vertraut, die ein Ende des Schneefalls vor dem Start um 12 Uhr vorhergesagt hatte, und sich in die erste Startgruppe losen lassen. Die Russinnen und Französinnen hingegen setzten auf die bei allen Weltcups verfügbaren Daten der Schweizer Wachsfirma Toko. Diese sagten das Ende des Schneefalls eine halbe Stunde nach dem Beginn des Rennen voraus und lagen damit richtig.

Dennoch hätte Kati Wilhelm ihren Olympiasieg von 2002 wiederholen können, hätte sie nicht mit ihrem letzten Schuss das Ziel verfehlt und eine Strafrunde von 150 Metern laufen müssen. 28 Sekunden brauchte die laufstarke Wilhelm dafür – zu Bronze fehlten ihr 11,8 Sekunden, zu Gold 18,4 Sekunden. Baverel-Robert (Frankreich), die noch nie ein Weltcuprennen gewonnen hatte, profitierte ebenso von ihrer hohen Startnummer (46) wie die Silber- und Bronzemdaille-Gewinnerinnen, die Schwedin Anna Carin Olofsson (38) und die Ukrainerin Lilia Efremowa (62).

„Unter normalen Bedingungen hätte es zu einer Medaille gereicht. Deswegen ärgere ich mich jetzt nicht darüber. Ich habe ja nicht versagt“, sagte Kati Wilhelm zunächst locker. „Mit null Fehlern hätte ich auch nicht gewonnen.“ Trainer Müßiggang hingegen stellte verärgert fest: „Ihr letzter Schuss lag knapp einen Zentimeter daneben. Ohne den wäre sie Olympiasiegerin geworden. Es wäre also trotz des Wetterpechs noch mehr drin gewesen.“ Als Kati Wilhelm darauf aufmerksam gemacht wurde, war es mit ihrer Lockerheit vorbei. „Dann muss ich mich doch ärgern“, sagte sie.

Die falsche Wettereinschätzung hat auch Folgen für das Verfolgungsrennen am Samstag. Mit dem Zeitrückstand des Sprints gehen Wilhelm, Glagow, Apel und Disl in den Wettbewerb. Und sind bis auf Kati Wilhelm ziemlich chancenlos.

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