Fans singen im Stadion : 1. FC Union: Macht hoch das Tor

10.000 Union-Fans singen am Mittwoch Weihnachtslieder im Stadion An der Alten Försterei. Inzwischen ein Ereignis mit Tradition.

Matthias Koch
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Die Tradition singt mit. Schon zum siebten Mal findet am Mittwoch das Weihnachtssingen des 1. FC Union statt. Foto: KochMatthias Koch

Berlin - Im Stadion An der Alten Försterei gingen zu Wochenbeginn merkwürdige Dinge vor sich. Fans des Fußball- Zweitligisten 1. FC Union wickelten auf den Stehplatztribünen Hunderte von Wellenbrechern mit Folie ein. Die Vorsichtsmaßnahmen waren allerdings keine Vorboten für weitere Bauarbeiten am sanierten Stadion. Vielmehr leiteten sie die heiße Phase für das heutige Weihnachtssingen ein, für das die Alte Försterei ab 17.30 Uhr öffnet. „Viele Besucher werden Kerzen in den Händen halten. Das Wachs soll auf keinen Fall auf die Geländer tropfen“, sagt Torsten Eisenbeiser. Die Sorge des 46 Jahre alten Erfinders des Weihnachtssingens in Berlin-Köpenick ist nicht unbegründet. Der Verein ist auf einen Ansturm gefasst – 10 000 Besucher werden erwartet.

Seit 2003 gibt es jedes Jahr einen Tag vor Heiligabend das Weihnachtssingen beim 1. FC Union. „Zu diesem Zeitpunkt haben wir fast immer verloren. Die Fans sind gefrustet nach Hause gegangen, ohne sich vom Nebenmann zu verabschieden“, erinnert sich Eisenbeiser, der Mitglied im Fanklub Alt-Unioner ist. „Ich wollte, dass sich die Fans mit ihren Familienangehörigen kurz vor dem Fest noch einmal im Stadion auf besinnliche Weise treffen.“

Das erste Weihnachtssingen 2003 war eine illegale Veranstaltung. Nur 89 Teilnehmer schlichen sich heimlich durch die Dunkelheit auf die Gegengerade. „Wir wussten, wo eine Tür offen steht. Wir haben die Alte Försterei geentert“, sagt Eisenbeiser, unter dessen Anleitung dann Weihnachtslieder gesungen wurden. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick, bis zur Übernahme durch den Verein Verpächter des Stadiongeländes, war ab 2004 involviert. Und das war auch nötig. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Weihnachtssingen zu einer Großveranstaltung. Die Besucherzahlen verdoppelten sich beinahe jährlich. 500 Fans (2004), 1000 (2005), 2000 (2006) und 4000 (2007) füllten die Alte Försterei immer mehr mit Lichterglanz.

Im vergangenen Jahr trafen sich mehr als 4000 Fans am Köpenicker Rathaus, weil das Stadion modernisiert wurde. Zum zweiten Mal war auch der Chor des Köpenicker Emmi-Noether-Gymnasiums dabei. „Das ist nötig, um die Stimmlage zu halten. Sonst ist das Durcheinander zu groß“, sagt Torsten Eisenbeiser.

Eisenbeiser ist kein Freund der Kommerzialisierung im Fußball. Doch selbst für das Weihnachtssingen wird inzwischen ein fünfstelliger Etat benötigt, den Union aber nicht allein stemmen muss. Die Berliner Stadtreinigung ist zum dritten Mal Sponsor. „So können bei freiem Eintritt Liedhefte, Kerzen und kleine Geschenke für die Kinder umsonst verteilt werden“, sagt Eisenbeiser, der auch mit den Glühwein- und Bratwurstständen leben kann.

Gesungen wird ab 19 Uhr und – wie es sich für Fußballer gehört – 90 Minuten lang. Vorher sorgen Bläser für weihnachtliche Stimmung. Zum Chor der mehreren tausend Besucher werden viele Präsidiumsmitglieder, Sponsoren und Spieler gehören. Diesmal stehen sie jedoch weniger im Rampenlicht. Sie mischen sich einfach unters singende Volk.

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