Fansprecher Ralf Busch : ''Die Situation ist ziemlich verfahren''

Fansprecher Busch über Hertha und die Ultras

Herr Busch, mit Herthas Spiel gegen Duisburg endet für einen Teil der Ultras ein halbjähriges Stadionverbot. Wie wird am Freitag die Stimmung im Olympiastadion sein?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ultras trotzdem weiter schweigen. Die werden schon zeigen, dass sie wieder da sind.

Die Stadionverbote waren der Grund, dass die gesamte Gruppe geschwiegen hat?

Nach langen Diskussionen gab es eine Solidarisierung. Die Ultras fühlen sich ungerecht behandelt. Sie sagen: Es ist doch gar nichts passiert, es gab keine körperlichen Auseinandersetzungen. Wir waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Stimmt das?

Die Polizei hat die Ultras zur Gefahrenabwehr in Gewahrsam genommen. Alle Personen sind am selben Abend wieder frei gekommen, strafrechtlich gab es keine Konsequenzen. Aber Hertha sagt: Wenn die Polizei damals…

…nach dem ersten Heimspiel gegen Stuttgart vor dem Stadion…

…nicht eingegriffen hätte, wäre etwas passiert. Aus Herthas Sicht dürfen sich Gästefans nicht bedroht fühlen. Der Verweis sollte wohl ein Warnschuss sein. Ein halbes Jahr ist ja auch eine relativ milde Sanktion. Aber das war nicht vermittelbar.

Gibt es noch eine Kommunikation zwischen Hertha und den Ultras?

Ja, aber die Situation ist inzwischen ziemlich verfahren. Da wurde etwas eingerissen, was vorher aufgebaut worden ist. Auch kleinere Dinge, die man bei einem normalen Verhältnis leicht hätte klären können, werden jetzt zu Problemen.

Und mit dem Stimmungsboykott haben die Ultras ihre Macht demonstriert.

Sie haben zumindest geglaubt, dass ein solcher Boykott den Verein am ehesten trifft. Die Stimmung im Stadion leidet ja auch sehr, wenn die Kurve schweigt.

Und am Freitag wird alles wieder gut?

Ein konfliktfreies Verhältnis wird es wohl nie geben, aber wir hoffen, dass die Ultras das Spiel als kleinen Neubeginn sehen. Interessant wird auch, wie der Rest der Fankurve auf ihre Rückkehr reagiert.

Die Fragen stellte Stefan Hermanns.

Ralf Busch, 45, leitet seit mehr als einem Jahrzehnt das vereinsunabhängige Fanprojekt Berlin.  Er ist außerdem Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte.

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