FC Bayern : Ein Überflieger soll nicht abheben

Bayern feiert den 17-jährigen Toni Kroos als Weltklassespieler – und versucht ihn nicht zu sehr zu loben

Michael Neudecker[München]
Toni Kroos Foto: ddp
Gratulation. Miroslav Klose herzt Toni Kroos. -Foto: ddp

Es ist jetzt ziemlich genau 15 Jahre her, dass Mark van Bommel sein erstes Spiel als Profifußballer absolvierte. Er war damals 16 Jahre alt und stand bei Fortuna Sittard in den Niederlanden unter Vertrag, es lief die Saison 1992/93. Toni Kroos war damals gerade mal zwei Jahre alt. Und jetzt, 2007, spielen van Bommel und Kroos in derselben Mannschaft. „Er ist ein guter Spieler und ein guter Typ“, sagt van Bommel über Kroos. Am Mittwochabend musste nahezu jeder beim FC Bayern irgendetwas über Kroos sagen: Weil der 17-Jährige beim 5:0 gegen Energie Cottbus sein Bundesliga-Debüt für die Münchner gab.

Wenn 17-Jährige debütieren, ist das nicht immer aufregend, bei Toni Kroos aber war es das durchaus – allein deshalb, weil man ja gespannt war, wie der oft gerühmte Junge nun in der Bundesliga auftreten würde. Er wurde in der 72. Minute für Zé Roberto eingewechselt, und kurz darauf schlug er einen kurzen Haken und dann eine Flanke, die präziser nicht hätte sein können, und weil er das gleich zweimal tat und der Ball jedes Mal zu Miroslav Klose flog, entstanden daraus zwei Tore.

„Der ist schon ein Weltklassespieler“, sagte Klose, und fügte sogleich hinzu: „Aber man darf ihn nicht zu sehr loben, nicht dass er abhebt.“ So reden alle bei den Bayern über Toni Kroos: Ja, was für ein Spieler, aber Vorsicht, er ist noch jung, bitte nicht loben. Uli Hoeneß, der Manager, hat das auch getan, als er vor rund einer Woche mit Toni Kroos zur Pressekonferenz an der Säbener Straße erschien: Einerseits hat er darum gebeten, den Jungen nicht „hochzujazzen“, andererseits Sätze gesagt wie: „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler.“ Die Bayern tun sich schwer damit, dass sie einen derart auffälligen 17-Jährigen in ihrem Kader haben.

Natürlich dauert es noch, ehe man mit letzter Sicherheit sagen kann, dass Kroos, der 2006 von Hansa Rostock zum FC Bayern wechselte, tatsächlich ein Weltklassespieler ist. Zumindest die bereits vorhandenen Fähigkeiten von Kroos allerdings sind mehrfach belegt: Er wurde zum besten Spieler der U-17-Weltmeisterschaft gewählt, und bei der Bayern-Reserve in der Regionalliga fällt er stets derart auf, dass der ansonsten oft übellaunige Trainer Hermann Gerland sagt: „Er ist ein unglaublicher Spieler.“ Die treffendste Umschreibung von Kroos’ Fähigkeiten stammt auch von Gerland: „Der Ball ist bei ihm sicher.“ Das hat er nach dem Regionalligaspiel gegen Pfullendorf gesagt.

Der Ball ist bei ihm sicher. Genau das ist es: Toni Kroos behandelt den Ball wie ein Haustier, er streichelt ihn, schickt ihn manchmal weg und passt dennoch stets gut auf ihn auf, und dabei spielt er so unaufgeregt, als sei er schon zwanzig Jahre im Geschäft. Er schlägt mal spektakuläre Pässe und mal gewöhnliche, er dribbelt nur, wenn es die Situation erfordert – wenn er aber dribbelt, dann verändert er das Spiel. Deshalb sagt Jugendleiter Werner Kern: „Der ist viel zu gut für die Reserve.“

Trotz allem wird Toni Kroos aber weiterhin überwiegend in der Reserve spielen – damit er nicht abhebt. Und wenn er doch einmal einen Anflug von Starallüren bekommen sollte, dann, sagt Mark van Bommel, „setz ich ihn in der Kabine neben Olli“. Mit Kahn zu drohen ist bei dem stets ruhig und freundlich wirkenden Toni Kroos aber eigentlich gar nicht nötig.

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