Sport : FC Bayern: Erfolg ohne Geheimnis

Detlef Dresslein

Für die Fans ist es gar keine Frage. Auf seiner Homepage lässt sie der FC Bayern München derzeit abstimmen, ob denn die aktuelle Mannschaft stärker sei als die des Vorjahres, die immerhin die Meisterschaft und den Pokal gewann. Über sechzig Prozent sagen "ja", der Rest will noch das erste Saisonspiel abwarten (um sich dann aber wahrscheinlich so zu entscheiden wie fast alle anderen). Der FC Bayern, das zeigten die ernsthaften Tests dieser Saison beim Ligapokal, ist sehr stark. Vorsichtig ausgedrückt. Und die Konkurrenz hat Angst. Erst am Sonntag ein 4:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern, den Fünften der angelaufenen Saison. Dessen Trainer Otto Rehhagel wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte, dass es bei relativ wenigen Gegentoren geblieben war: "Unser Torwart Georg Koch hat mehrmals toll gehalten". Dann das 5:1 gegen Hertha BSC. Und beide Male ohne die eigentlichen Stars, Giovane Elber, Stefan Effenberg, Bixente Lizarazu oder Paulo Sergio. Sie fehlten, ohne dass es auffiel.

Das Geheimnis der Bayern ist gar keines. Der Münchner Manager Uli Hoeneß erzählt es jedem, der es wissen will: "Wir haben nur zwei Neue geholt, um damit die Abgänge von Markus Babbel und Lothar Matthäus auszugleichen. Ansonsten sind wir eingespielt." Und damit die Mannschaft zusammengehalten wird, verzichtet der FC Bayern auf viel Geld. "Wir hätten zwei unserer Spieler verkaufen können, und das für deutlich mehr als jene 36 Millionen Mark, die Leverkusen für Emerson erzielt hat", verrät Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge. Dass sie auch auf internationaler Ebene höchsten Ansprüchen genügen, wollen die Bayern heute und morgen beim Jubiläumsturnier zum 100. Geburtstag des Vereins zeigen. Die Gegnerschaft könnte prominenter nicht sein: Es kommen Real Madrid und Manchester United, die Champions-League-Sieger der vergangenen beiden Jahre.

Der FC Bayern hat mittlerweile zwei komplette Teams von internationalem Niveau hat und sich somit jeder einzelne ohne merklichen Wertverlust der Mannschaft ersetzen lässt. Beispiele dafür, wie gut das funktioniert, gab es beim Ligapokal: Michael Wiesinger vertrat den Brasilianer Paulo Sergio und avancierte zum besten Spieler des Halbfinales gegen Kaiserslauterern. Der ebenfalls in der Stürmerrangliste hintanstehende Alexander Zickler erzielte gegen Hertha drei Tore. Es gibt ein System, das Hitzfeld spielen lässt, aber die Spieler sind austauschbar, weil alle von hoher Qualität und obendrein vielseitig verwendbar. Lediglich Oliver Kahn und Stefan Effenberg dürfen sich als Stars fühlen, jeder andere scheint ersetzbar und kommt darob gar nicht auf die Idee, weniger zu tun oder lasch zu trainieren. Hitzfeld kann sich sein Team nach dem aktuellen Formstand zusammenstellen.

Bei allem systematisch geplanten Erfolg gehört auch ein wenig Glück dazu. Die Bayern nehmen es in ihrer neuen Abwehrverbundes in Anspruch. Dass es mit der Viererkette so gut funktionieren würde, hatte keiner erwartet. Garant dafür ist das das internationale erfahrene Personal mit den Zugängen Willy Sagnol (Monaco) und Ciriaco Sforza (Kaiserslautern). Auch hier gibt es zwei komplette Reihen: Gegen Kaiserslautern spielten Tarnat-Kuffour-Sforza-Sagnol, gegen Hertha dagegen Tarnat-Linke-Andersson-Salihamidzic. Tarnat war nur deshalb beide Male dabei, weil Bixente Lizarazu noch Trainingsrückstand hat.

Die Bayern sind also wieder eine Idee besser geworden, als sie es ohnehin schon waren. So scheint das Votum der eigenen Fans im Internet eher zaghaft. Allein Ottmar Hitzfeld versucht, der eingeschüchterten Konkurrenz Mut zu machen: "Jede Mannschaft kann uns schlagen." Das mag sein. Aber oft wird es wohl nicht passieren.

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