FC Bayern : Kummer in der Spaß-Abteilung

Der FC Bayern muss gegen St. Petersburg neben Luca Toni womöglich auch auf Miroslav Klose verzichten.

Michael Neudecker[München]
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Allein im Strafraum. Im Hinspiel des Uefa-Cup-Halbfinales gegen St. Petersburg ruhen die Hoffnungen des FC Bayern auf Lukas...Foto: dpa

Lukas Podolski war mal wieder ganz Lukas Podolski. „Ob da Millionäre einsteigen bei den Klubs in Russland oder ob die Öl pumpen – is’ mir doch egal“, sagte Podolski. Überhaupt, Spieler von Zenit St. Petersburg, nee, „kenn ich keinen“, und wie die Fußball spielen, „weiß ich nicht, das wird uns in der Vorbesprechung schon gesagt“. So funktioniert der Fußballer Lukas Podolski: Er zieht sein Spiel durch, was der Gegner macht, ist unwichtig – „unbekümmert“ heißt das auf Fußballdeutsch. Also war auch die Antwort auf die Frage, wer denn beim FC Bayern die Tore schießt, wenn Luca Toni nicht spielt, kaum überraschend: „Na dann müssen eben die anderen beiden treffen, die vorne spielen.“ Zum Beispiel: er selbst, Lukas Podolski.

Wenn der FC Bayern diesen Donnerstagabend (20.45 Uhr, live bei Sat 1 und Premiere) in der Münchner Arena Zenit St. Petersburg zum Hinspiel im Uefa-Cup-Halbfinale empfängt, dann trifft genau dieser Fall ein: Luca Toni, der Italiener, der zurzeit trifft, wie er will (acht Tore in den letzten vier Spielen), wird den Münchnern am Donnerstag fehlen. Er ist wegen seiner fünften gelben Karte aus dem Viertelfinale gesperrt. Außerdem ist Miroslav Klose angeschlagen: Klose hatte im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund einen Schlag auf den Fuß bekommen, nun ist der Fuß entzündet, weshalb Klose am Dienstag nicht trainieren konnte. Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hat also plötzlich genau in diesem Mannschaftsteil Sorgen, der ihm zuletzt am meisten Spaß bereitete: im Sturm.

Sollte Klose tatsächlich ausfallen, blieben auf der Kaderliste unter „Angriff“ lediglich zwei Namen übrig: Lukas Podolski und Jan Schlaudraff. Letzterer allerdings war die gesamte Saison über nie eine echte Alternative für Hitzfeld, weswegen Schlaudraff die Bayern ja auch am Saisonende verlässt, er wechselt für rund 2,5 Millionen Euro Ablöse zu Hannover 96. Es könnte also an Podolski sein, das Toreschießen zu übernehmen – wenngleich im Moment noch offen ist, wie Hitzfeld seine Mannschaft auflaufen lässt. Es sei „eine Frage von Stunden“, ob Klose spielen könne, sagte Hitzfeld am Mittwoch.

Denkbar sind mehrere Varianten. Sollte Klose doch fit werden, wäre er gesetzt, dazu könnte a) Podolski auflaufen oder aber b) es stürmt nur Klose, dazu treten zwei offensive Flügelspieler an. Fällt Klose aus, hat wiederum Podolski seinen Sturmplatz sicher, und dann wäre Variante b) am wahrscheinlichsten, nur eben mit Podolski als einzige Spitze. Denkbar wäre auch, dass Franck Ribéry als eine Art Stürmer spielt, weil der Franzose ja ohnehin nicht nach der Taktiktafel läuft und sich immerzu vom Tor angezogen fühlt wie von einem Magneten. Im Mittelfeld hätte dann Jose Ernesto Sosa die besten Chancen als Ribéry-Ersatz.

Bei all den Spekulationen ist zumindest eines klar: Mark van Bommel schert sich nicht um seinen Nasenbeinbruch und die von den Ärzten empfohlene Operation, er spielt, und zwar ohne Gesichtsmaske. „Man muss es ja nicht übertreiben“, sagt van Bommel. Und im Gegensatz zu Podolski weiß er schon vor der Vorbesprechung, was die Bayern erwartet: Schließlich ist mit Dick Advocaat ein Landsmann Trainer in St. Petersburg, zudem spielt in Fernando Ricksen ein Jugendfreund van Bommels dort. „Die spielen ein 4-3-3 mit flachen Bällen“, sagt van Bommel, „und sie haben gute Leute, wie Timoschtschuk“. Anatoli Timoschtschuk ist Kapitän von Zenit, er wechselte vergangenes Jahr für die russische Rekordablösesumme von 15 Millionen Euro von Donezk nach St. Petersburg.

Schade, sagt van Bommel, sei nur, dass die Bayern das erste Spiel zuhause spielen müssen. Obwohl andererseits: „Wir können auch auswärts Tore schießen.“ Auswärts ist eine Woche später, in St. Petersburg – und da ist ja auch Luca Toni wieder dabei.

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