FC Bayern : Maulkorb bis auf Widerruf

Matthias Sammers Autorität ist bei den Bayern angekratzt. Wie in der letzten Saison wurde der Sportvorstand des FC Bayern München nach seiner Kritik an die Mannschaft zurechtgewiesen.

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Der einzige Verlierer. Trotz des souveränen Siegs seiner Mannschaft gibt es für Matthias Sammer keinen Grund zu lächeln.
Der einzige Verlierer. Trotz des souveränen Siegs seiner Mannschaft gibt es für Matthias Sammer keinen Grund zu lächeln.Foto: dpa

Das Rollköfferchen ratterte über den Boden und veranstalte dabei ganz schön viel Lärm – im Gegensatz zu demjenigen, der es hinter sich herzog und mit strammen Schritten Richtung Aufzug strebte. Matthias Sammer schwieg an diesem Abend, der für den FC Bayern München mit einem 3:0-Sieg gegen den ZSKA Moskau endete. Aber selbst wenn der Sportvorstand am gelungenen Champions-League-Auftakt etwas auszusetzen gehabt hätte, er wäre dieses Mal wohl wortlos verschwunden, denn er persönlich musste sich wie der große Verlierer fühlen. Sammer hatte von seinen Kollegen aus der Führungsetage eine ordentliche Rüge für seine jüngste Kritik an den Spielern erhalten. Und so wieder einmal erfahren müssen, dass die alt eingesessenen Alphatiere des FC Bayern, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die Linie vorgeben. Und nicht er, der Novize, der gerade einmal ein gutes Jahr im Verein Verantwortung trägt.

Es war Sammer nicht anzumerken, ob ihn die Zurechtweisungen trafen, aber vermutlich wird er sich künftig gut überlegen, wann er poltert. Vielleicht sollte er zuvor einfach bei Hoeneß nachfragen, ob Anlass passend und Zeitpunkt genehm sind. Der Präsident verließ mit einem breiten Grinsen die Arena am Dienstagabend. Sagen wollte er allerdings nicht mehr viel. „Es ist doch alles wunderbar.“

Nun ja, vielleicht nicht alles. Die Autorität des Sportvorstands wurde auf jeden Fall in Mitleidenschaft gezogen. Die Wirkung seiner Kritik könnte künftig verpuffen, weil die Spieler spätestens jetzt wissen, dass Sammer nicht allzu viel zu sagen hat. Schon nach dem Sieg gegen Moskau teilte Arjen Robben lakonisch mit: „Man muss auch nicht übertreiben.“

Dabei war der 45-jährige Sammer im Sommer 2012 doch als legitimer Hoeneß-Nachfolger an der Spitze der Abteilung Attacke geholt worden, um den Finger auch mal öffentlichkeitswirksam in die Wunde zu legen. Allerdings versäumte man es damals wohl, ihm mitzuteilen, dass weiter alleine Hoeneß und Rummenigge bestimmen, was eine Wunde ist. Immer wenn Sammer bisher anmahnte, was ihm nicht gefiel, wurde er zurechtgewiesen. Vor zwölf Monaten vom damaligen Trainer Jupp Heynckes, dieses Mal von den Altvorderen.

Die erste Aufregung der Saison beim Triple-Sieger hat sich vorerst auch deshalb gelegt, weil die Mannschaft am Dienstagabend nicht Dienst nach Vorschrift bot, sondern von Anfang an eine engagierte Leistung zeigte. Begünstigt auch durch einen frühen Führungstreffer von David Alaba, war der Erfolg der Münchner gegen einen mutlosen Russischen Meister nie in Gefahr und hätte nach den weiteren Toren von Mario Mandzukic und Arjen Robben sogar noch höher ausfallen können. Mehr Aussagekraft dürfte allerdings die Bundesligapartie am Samstag gegen das erstarkte Schalke 04 haben.

Nun ist die Frage, ob der Sportvorstand mit seiner Manöverkritik eventuell einen kleinen Anteil an der Leistungssteigerung hat. Der Vorstandsvorsitzende dementierte dies jedenfalls heftig. Der Sieg habe nichts mit Matthias Sammer oder der „kontraproduktiven Phantomdiskussion“ zu tun, sagte Rummenigge. „Die Mannschaft hat große Qualität. Am Ende des Tages wissen wir, dass sie solche Spiele abliefern kann“, sagte er. Die Spieler wirkten bereits leicht genervt von der Diskussion. Allein Alaba sah einen Sammer-Effekt.

„Das hat man gesehen, dass es uns vielleicht auch gut getan hat.“ Der Rest wollte nicht von einer Reaktion sprechen, höchstens von einer „darauf, dass es das Auftaktspiel der Champions League war“, wie Thomas Müller erklärte. Kapitän Philipp Lahm hob die Eigenverantwortlichkeit der Mannschaft hervor. „Wir können und müssen uns einschätzen. Wenn man 60 Spiele in der Saison hat, ist es leider nicht immer so, dass man zu 100 Prozent auf dem Feld steht.“ Gegen Moskau schöpfte er im Gegensatz zum vergangenen Samstag jedenfalls die volle Prozentzahl aus. Es scheint wieder alles in Ordnung zu sein bei den Bayern. Außer vielleicht für Matthias Sammer.

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