FC Bayern München : Sebastian Rode: Bayerns neuer Beißer

Sebastian Rode hat die Aggressivität, ohne die auch Münchens Fußballballett nicht auskommt.

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Immer Vollgas. Sebastian Rode erzwang gegen Leverkusen den Eckball, der zum Siegtor für die Bayern führte.
Immer Vollgas. Sebastian Rode erzwang gegen Leverkusen den Eckball, der zum Siegtor für die Bayern führte.Foto: dpa

Pep Guardiola gehört zu den Trainern, die so gut wie nie ein schlechtes Wort über die eigenen Spieler in der Öffentlichkeit verlieren. Er muss es im Moment ja auch nicht, weil die Profis des FC Bayern München ihm kaum Anlass dazu geben, rein spielerisch wenigstens. Für den Spanier sind alle super, super oder wahlweise top, top. Es sind eher die feinen Nuancen, die erkennen lassen, ob die Wahrung des innerbetrieblichen Friedens die Intention für die lobenden Worte ist oder ob Guardiola tatsächlich meint, was er sagt. Wenn der Münchner Trainer über Sebastian Rode redet, leuchten seine Augen, man sieht es ihm an, dass das Kompliment ernst gemeint ist. Am Samstag nach dem 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen wartete er nicht, bis er nach Sebastian Rode gefragt wurde, um ihn zum Matchwinner zu küren. „Er hat uns in der zweiten Halbzeit mehr Vollgas gegeben“, sagte Pep Guardiola.

Der Bayern-Trainer hebt weniger die spielerischen Fähigkeiten hervor, denn Sebastian Rode gehört nicht zu den Profis, die der Rekordmeister wegen seiner Kreativität geholt hat. Den 24-Jährigen zeichnen andere Tugenden aus, ohne die aber selbst eine Mannschaft, die der Bundesliga entwachsen zu sein scheint, nicht auskommt – und die auch ein Ästhet wie Guardiola schätzt. „Egal, ob Sebastian eine Minute spielt oder eine Halbzeit, er gibt immer 100 Prozent“, sagt er. Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer hatte Sebastian Rode an dessen erstem Arbeitstag im Sommer die Bezeichnung „Giftzwerg“ verpasst – und diesem Image wurde Rode auch am Samstag wieder gerecht.

Der ehemalige Frankfurter gab dem intensiven Spiel die Spur Aggressivität, die die Münchner bis zur Pause hatten vermissen lassen, weil er sich in die Partie biss und den Ball ständig erobern wollte. Sebastian Rode holte auf sehenswert engagierte Art und Weise den Eckball heraus, der zum Tor des Tages durch Franck Ribéry führte, und er gab dem Münchner Spiel im Zentrum mehr Stabilität. Pep Guardiola korrigierte mit der Einwechslung von Rode wie schon eine Woche zuvor in Berlin die sehr offensive Ausrichtung mit fünf nach vorne orientierten Spielern. Rode steht exemplarisch für die Wende in dieser Partie, denn die Bayern haben den achten Sieg im achten Heimspiel der Saison nicht herausgespielt, sie haben ihn erzwungen.

Sebastian Rode: Der ideale Joker für Pep Guardiola

Rode ist nicht nur deshalb in der Rangliste von Pep Guardiola der Lieblingsspieler weit oben, sondern er gibt überhaupt für einen Trainer den idealen Joker. „Er will sich ständig verbessern, will immer lernen, klagt nicht und hilft der Mannschaft“, sagt Guardiola, und das kann durchaus als kleine Spitze gegen andere Ergänzungsspieler verstanden werden. Xherdan Shaqiri zum Beispiel fordert seit Sommer, beflügelt von seiner glänzenden Leistung bei der Weltmeisterschaft in der Schweizer Nationalmannschaft, in seinem dritten Bayern-Jahr immer wieder einmal mehr Einsätze ein. Auch Pierre-Emile Höjbjerg hat vor ein paar Wochen seine Sorge kundgetan, dass er in München wegen fehlender Spielanteile stagnieren könnte. Die beiden haben damit keine Pluspunkte gesammelt bei Pep Guardiola, Shaqiri allerdings noch weniger, auch weil er die Chancen, die er seit Sommer bekam, nicht zu nutzen wusste. Er scheint deshalb in des Trainers Überlegungen keine Rolle mehr zu spielen und wurde zuletzt auch nicht mehr eingewechselt.

Der gebürtige Hesse Rode weiß, dass es ihm nicht zusteht, Forderungen zu stellen: „Ich bin ja erst ein halbes Jahr hier.“ Er sieht sich noch in der Adaptionsphase und freut sich über ein kleines Lob ebenso wie über die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Es mag sein, dass das nicht immer so sein wird. Aber ein Spielertyp wie Sebastian Rode ist rar beim FC Bayern München, und das könnte ihn tatsächlich – im Gegensatz zu Shaqiri – auch im zweiten oder dritten Jahr noch unentbehrlich machen.

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