FC Bayern nach 0:1 bei Atletico : Ein Signal zur rechten Zeit

Beim ersten echten Gradmesser läuft es für die Bayern nicht nach Plan. Vor allem der Spielaufbau funktioniert beim 0:1 gegen Atletico nicht nach Wunsch.

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Auch Thomas Müller konnte die Niederlage nicht verhindern.
Auch Thomas Müller konnte die Niederlage nicht verhindern.Foto: dpa

Gutes Essen, heißt es, hilft gegen schlechte Laune. Das Büfett, das der FC Bayern bei seinem traditionellen Mitternachtsbankett nach den Champions-League-Spielen regelmäßig anrichten lässt, ist vom Feinsten. Aber am Mittwoch stocherten manche Spieler lustlos im Essen herum, und nicht einmal Genussmensch Carlo Ancelotti schien richtig Appetit zu entwickeln. Er knabberte gedankenverloren an einem Brötchen, wie im Filmchen des FC Bayern vom Bankett im Sponsorenkreis zu sehen ist. Das Spiel gegen Atletico Madrid lag offenbar allen noch schwer im Magen. „Es war nicht geplant, dass wir verlieren“, sagte der Münchner Trainer. Dieser Satz wirkt ein wenig komisch, weil ja manche Niederlage zwar vorhersehbar ist, aber gewiss höchst selten beabsichtigt.

Das 0:1 im zweiten Gruppenspiel der Champions League hatte sich nicht zwingend angedeutet nach acht Siegen in den ersten acht Pflichtbegegnungen der Saison. Aber womöglich hatte dieser nach Resultaten glänzende Saisonstart den Sinn für die Realität ein wenig getrübt. Denn die Münchner bezwangen vorwiegend Mannschaften, die ihnen spielerisch nicht das Wasser reichen können, und diejenigen, die es mit Kampf und Biss versuchten wie Schalke, Ingolstadt oder zuletzt der Hamburger SV hatten am Ende nicht mehr genug Kraft, um dem oft erst in der zweiten Halbzeit gieriger auftretenden Meister zumindest ein Pünktchen abzuringen. Souverän waren jene drei Siege des FC Bayern jedenfalls nicht.

Mit Mannschaften, die aggressiv pressen, haben die Münchner schon länger Probleme

Dass es beim ersten Gradmesser gleich schief ging, hat zunächst keine großen Folgen, denn die Niederlage im Estadio Vicente Calderon bedeutet noch keine Vorentscheidung im Kampf um den Gruppensieg – der fällt womöglich erst im Rückspiel gegen die Spanier zum Abschluss der Vorrunde. Deshalb, findet der Vorstandsvorsitzende Karl Heinz Rummenigge, mache es keinen Sinn, „ein Drama daraus zu machen. Niederlagen sind gut, um daraus zu lernen.“ Für Stürmer Thomas Müller war die Wiederholung des Ergebnisses aus dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Atletico von vor fünf Monaten „ein Signal, dass wir vielleicht noch das eine oder andere verändern müssen“.

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Rummenigge fordert Reaktion auf 'verdiente Niederlage' in Madrid
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Mit Mannschaften, die aggressiv und früh pressen, hatten die Münchner schon länger Probleme, unter Pep Guardiola ebenso wie jetzt unter Carlo Ancelotti. Der Italiener hat den FC Bayern in diesem Punkt noch keinen Schritt weitergebracht. Im Gegenteil, der deutsche Rekordmeister kontrollierte zwar das Spiel über weite Strecken, aber fand im Vergleich zum Duell im April sogar noch weniger Antworten auf Atleticos Taktik. „Wir hatten nicht den Killerinstinkt, den Atletico hat“, gab Torwart Manuel Neuer zu. Und Thomas Müller hatte am Mittwoch das Gefühl, „dass wir ein bisschen wenig Spieler im Zentrum hatten“. Der Spielaufbau ließ tatsächlich zu wünschen übrig, die Bälle auf Robert Lewandowski waren viel zu unpräzise, als dass der polnische Torjäger etwas damit anfangen hätte können.

Vielleicht war es aber einfach nur so, dass das Mittelfeld vor allem damit beschäftigt war, die Madrider nach Balleroberung zu bremsen. Thiago, eigentlich für die Spielgestaltung zuständig, befand sich am Rande eines Platzverweises und musste nach einer guten Stunde ausgewechselt werden. Für Artur Vidal, den sie daheim in Chile Krieger nennen, ist ein Gegner der vom Mittwoch zwar wie gemalt, aber die Spanier waren manchmal einfach zu flink unterwegs. Auch Vidal hatte nach einem verschuldeten Strafstoß, den der Franzose Antoine Griezmann allerdings vergab, und mehreren Fouls Glück, den Schlusspfiff auf dem Platz zu erleben.

Atletico trat nicht weniger aggressiv auf, aber war oft einen Schritt schneller, vor allem auch gegen Xabi Alonso, der vor der Abwehr das größte Sicherheitsrisiko an diesem Abend war. „Uns hat etwas Tempo gefehlt", kritisierte Ancelotti. „Im Großen und Ganzen hatten wir nicht viele Chancen.“ Und die blieben ungenutzt.

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