FC Energie Cottbus : Vor dem Spiel blitzt es schon mal

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 5: Der FC Energie Cottbus hat keine Stars und keine Schulden - und nur den Klassenerhalt im Sinn.

Karsten Doneck
Prasnikar
Ausbruch der Freude. Mit Bojan Prasnikar ging´s in Cottbus voran. -Foto: ddp

Was hat sich verbessert?

Der FC Energie hätte sich auch als Wanderverein registrieren lassen können. Kaum hatten sich nämlich Profis in Cottbus einen Namen gemacht, wanderten sie auch schon wieder ab, zum Teil sogar talwärts – in die Zweite Liga. Wie Gregg Berhalter zu 1860 München oder, vor einem Jahr, Kevin McKenna zum 1. FC Köln. Dieser Trend ist gestoppt. Zum Beispiel widerstand diesmal Spielmacher Timo Rost dem intensiven Werben des Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Rost brauchte dafür freilich Entscheidungshilfe. Von Cottbuser Seite wurde er mehrfach daran erinnert, dass er bei Energie mal einen Vertrag bis 2010 unterschrieben hatte. Dass er künftig nicht mit Nürnberg in Ahlen und Ingolstadt spielen darf, mag für Rost schmerzlich sein. Einziger Trost für ihn: Alle anderen Leistungsträger der vorigen Saison blieben auch in Cottbus. Derlei Kontinuität ist ein echter Fortschritt.

Wer sind die Stars?
Stars? Bei Energie? Klar, die sind auch in der nächsten Saison wieder reichlich in Cottbus zu bewundern – beim Gegner! Der FC Energie hat keine Stars, er macht sie sich selber. Unvergessen: Vasile Miriuta und seine Freistöße. Faszinierend: Sergiu Radu und Vlad Munteanu mit ihrem Torinstinkt. Unterhaltsam: Tomislav Piplica, dieser kauzige Torwart zwischen Kamikaze und Kapriole. Spieler, die sich in Cottbus Heldenstatus erarbeiteten. Trotzdem: Der FC Energie funktioniert nur als Team.

Welche Taktik ist zu erwarten? Früher war die Taktik beim FC Energie ganz unkompliziert: hinten reinstellen, rennen, kämpfen, grätschen, ab und zu mal kontern und dann musste irgendwer irgendwann mal vorne ein Tor rausstochern oder – wie früher oft Vasile Miriuta – einen Freistoß verwerten. Unter Trainer Bojan Prasnikar ist die einstige Plumpheit einer gewissen Raffinesse gewichen. Cottbus eignet sich mehr und mehr eine solide Spielkultur an, in den Spielzügen ist Linie zu erkennen. Tore für Energie fallen nicht mehr nur zufällig, sondern werden schon mal sauber herauskombiniert.

Wer hat das Sagen im Verein? Argwohn bis hin zur Ablehnung begleiteten Ulrich Lepsch, als er vor zwei Jahren Präsident beim FC Energie wurde. Ohne großes Gepolter, vielmehr mit stiller, zäher Kleinarbeit hat sich Lepsch Respekt verschafft, auch den seiner einstigen Kritiker. Sein finanzieller Konsolidierungskurs schlug an. Der Ertrag vor Steuern lag für das Geschäftsjahr 2006/07 bei knapp neun Millionen Euro, der Verein ist schuldenfrei. Lepsch ist nicht zuletzt deshalb unangefochten die Nummer eins im Verein, er weiß allerdings auch einen treuen Aufsichtsrat hinter sich, der seinen unaufgeregten Arbeitsstil teilt.

Wie ist die Stimmung im Stadion?
Dass die Polizei an der wichtigsten Zufahrtsstraße zum Stadion der Freundschaft vor Heimspielen gerne mal Tempo-30-Schilder aufstellt und dann eifrig Energie-Kunden blitzt, trübt die Stimmung beim Spiel nicht. Dafür kommt der Naturfreund nicht mehr auf seine Kosten. Sich beim Zuschauen auf den Stehrängen im Stadion mal eben lässig an einen dicken Baumstamm zu lehnen, das geht nicht mehr. Das Stadion ist renoviert. Erst wurde hinter dem einen Tor mit viel Stahlrohr die Nordtribüne gebaut, jetzt in gleicher Bauweise hinter dem anderen Tor die Südtribüne. Das Stadion ist damit rundum dicht. Gut für die Atmosphäre, auch wenn nur 22 528 Leute reinpassen.

Welche Platzierung ist zu erwarten? Auch, wenn’s langweilig klingt: Cottbus will im insgesamt sechsten Jahr der Bundesligazugehörigkeit nicht mehr erreichen als in den fünf Jahren zuvor, nämlich den Klassenerhalt. Das schaffen sie, weil sie es gelernt haben, auch renommierte Klubs zu ärgern. Es muss ja nicht immer nur, wie in der vorigen Saison, der FC Bayern sein (2:0-Heimsieg!). Um den Cottbuser Fan mit stolzgeschwellter Brust heimgehen zu sehen, reicht schon der Hamburger SV. Der HSV, Bundesligist der ersten Stunde, hat in fünf Anläufen in Cottbus bisher gerade mal zwei Punkte geholt.

Morgen: Borussia Dortmund. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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