Sport : Feiertag für die Favoriten

Armstrong fährt seinen sechsten Tour-Sieg gemütlich nach Paris – Boonen gewinnt die letzte Etappe

Sebastian Moll

Paris - Schon nach 22 gefahrenen Kilometern bekam Lance Armstrong von einem Begleitfahrzeug ein Glas Champagner in die Hand gedrückt. Wenig später prostete dann auch sein deutscher Kollege Jan Ullrich in die Fernsehkameras. Die besten Fahrer der Tour de France ließen es gestern auf der letzten Etappe traditionell gemächlich angehen. Große Verschiebungen im Gesamtklassement gab es auf der Fahrt nach Paris nicht. Der Belgier Tom Boonen gewann schließlich die letze Etappe im Sprint. Angriffe auf das Gelbe Trikot sind nun mal am letzten Tag der Tour verpönt – es war schon am Start in Montereau klar, dass der US-Amerikaner Lance Armstrong am Abend auf den Champs-Elysees für seinen sechsten Sieg bei der Tour in Folge geehrt werden würde.

Ebenso sicher war, dass Jan Ullrich am Ende Vierter werden würde und sein Kollege vom Team T-Mobile, Andreas Klöden, als Zweiter des Gesamtklassements bei der Siegerehrung auf dem Podium neben Armstrong stehen würde. Drei Wochen Quälerei hatten ihr Ende: Armstrong genoss die Triumphfahrt.

Für einige Radprofis allerdings war der gestrige Nachmittag dann doch wesentlich ungemütlicher als für Armstrong, Klöden und Ullrich: Denn die Entscheidung über das Grüne Trikot des besten Sprinters war noch nicht gefallen. Robbie McEwen lag in dieser Wertung vorn. Der Australier, der vor zwei Jahren die Serie von Erik Zabel stoppte, führte die Wertung mit 238 Punkten an. Doch nur elf Zähler trennten ihn von Thor Hushovd. Auch Erik Zabel (221 Punkte) rechnete sich auf der 163 Kilometer langen Fahrt nach Paris noch etwas aus. Doch schon beim ersten Sprint nach 86 Kilometern sah es für Zabel ganz schlecht aus: McEwen gewann den Sprint vor Hushovd, Zabel wurde nur Dritter. Als die Fahrer dann in Paris ankamen, wurde das Rennen auf den acht Schleifen über die Champs-Elysees richtig munter. Vor über 100 000 begeisterten Zuschauern an der Strecke gab es einige Ausreißversuche und natürlich auch eine weitere Sprintwertung: Die gewann der Norweger Hushovd vor McEwen.

40 Kilometer vor dem Ziel gab es dann die ersten ernsthaften Ausreißversuche: Unter den Fahrern, die dem Hauptfeld enteilten, war auch der Franzose Thomas Voeckler, der für zehn Etappen bei dieser Tour das Gelbe Trikot tragen durfte. Wenige Kilometer vor dem Ziel wurden die Ausreißer aber vom heranbrausenden Feld eingeholt. Es kam zum Massenspurt, und den gewann schließlich Tom Boonen. McEwen wurde Vierter vor Zabel: Der Australier hatte sein Grünes Trikot über die letzte Etappe gerettet. Das Bergtrikot gewann der Franzose Richard Virenque – zum siebten Mal seit 1994, ein Rekord.

Nicht alle Profis tranken gestern übrigens Champagner. Jens Voigt zählte zu den Abstinenzlern. Der Berliner, der auch in den kommenden zwei Jahren weiter für das Team CSC von Bjarne Riis fahren wird, hatte - augenzwinkernd – erklärt, warum er keinen Schaumwein goutieren wollte. „Ich bin noch nie ein Sekt-Fan gewesen“, sagte Voigt. „Ich bin eher ein Bier-Mensch.“

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