FERNANDO ALONSO : Ein Einsiedler kämpft gegen alle

Karin Sturm

Das Böse hat einen Namen: Fernando Alonso. Der zweimalige Weltmeister hat mit seinem unnachgiebigen Streben nach dem dritten Titel in Folge ganze Nationen und sogar sein eigenes Team zum Feind gemacht. Doch so wenig, wie sein Teamkollege Lewis Hamilton im McLaren-internen Stallduell nur der liebe Junge ist, ist der Spanier der Bösewicht, als den ihn vor allem eine Allianz aus britischen und einigen deutschen Medien gerne darstellen möchte.

Vor allem seit seiner Blockadeaktion in Ungarn, als er Hamilton ausbremste, der sich zuvor nicht an die Stallregie hielt, wird er für jeden Unsinn verantwortlich gemacht, den die spanische Gegenreaktion auf den britischen Hamilton-Hype hervorbringt: Etwa die Forderung nach einem speziellen Aufpasser in der McLaren-Box, der beim Finale die Gleichbehandlung der beiden Titelkandidaten sicherstellen soll. Dass die Idee mitnichten von Alonso stammt, sondern von einem Funktionär des spanischen Automobilklubs, wird dabei der Einfachheit halber verschwiegen.

Dennoch ist auch Alonso ist keine unkomplizierte Persönlichkeit. Weil er sich nicht angemessen behandelt sah, wechselte der sensible Asturier vor der Saison von Renault zu McLaren. Der 26-Jährige führte den Rennstall mit seiner Erfahrung sofort an die Spitze, fühlte sich in der unterkühlten Atmosphäre aber von Beginn an nicht wohl. Gleichzeitig ist er nicht bereit, sich zu verbiegen und hat sich damit im Team des ebenfalls sehr eigenwilligen McLaren-Chef Ron Dennis mehr und mehr ins Abseits manövriert. Als einen „bemerkenswerten Einsiedler“ bezeichnete Dennis seinen schwierigen Star, der ihn in der Spionageaffäre um McLaren gar damit erpresste, brisante E-Mails publik zu machen, wenn er nicht eine seiner Leistung angemessen Würdigung erfahre – sprich: den Nummer-Eins-Status im Team vor dem Neuling Hamilton. Wie irreparabel das Verhältnis zur Teamspitze mittlerweile ist, zeigte Dennis’ Zitat nach dem Rennen in Schanghai, wo er zugab, dass ihm Hamilton als Weltmeister deutlich lieber wäre: „Wir sind vor allem gegen Alonso gefahren.“

Wie aus einer anderen Zeit scheint die Anekdote davon, wie die McLaren-Ingenieure nach dem ersten Test des Spaniers im Winter von Alonso schwärmten. Sie hätten von Alonso an einem Tag mehr über das Auto erfahren als zuvor vom früheren McLaren-Piloten Kimi Räikkönen im ganzen Jahr. Im kommenden Winter wird sich ähnliches wohl nicht zutragen – dann wird Alonso kaum noch bei McLaren-Mercedes sein. „Man muss sich auch trennen können“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vor dem Finale in Brasilien. Karin Sturm

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