Fifa-Korruptionsskandal : Blatter wiegelt ab und verbreitet Verschwörungstheorien

Der alte und neue Fifa-Präsident Joseph Blatter tut die Korruptionsaffäre als Tat einzelner Funktionäre ab und wittert Verschwörung. Die Fifa kürzt dem europäischen Fußball keine Startplätze bei Weltmeisterschaften. Die Ereignisse zum Nachlesen im Ticker.

von und Anna Bordel, Kai Portmann
Der wiedergewählte Fifa-Präsident Joseph Blatter während der Exekutivkomiteesitzung in Zürich
Der wiedergewählte Fifa-Präsident Joseph Blatter während der Exekutivkomiteesitzung in ZürichFoto: REUTERS

Fifa-Präsident Joseph Blatter kündigte kurz nach seiner umstrittenen Wiederwahl Überraschungen bei der Verteilung der WM-Startplätze an. Die Funktionäre aus dem europäischen Fußballverband (Uefa) zählten vor der Wahl zu seinen schärfsten Kritikern. "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", sagte Joseph Blatter in einem Interview. Dieses Zitat entschärfte er auf einer Pressekonferenz in Zürich. Er vergesse es den Personen nicht, das ändere aber nichts an den Fakten, sagte er. Unterdessen ermittelt auch die US-Justiz weiter gegen Fifa-Funktionäre. Laut einem Medienbericht soll es weitere Anklagen gegen Fifa-Funktionäre geben. Was bisher am Samstag geschehen ist:

15:00 Uhr: In einem Fernsehinterview attackierte Blatter die US-Justizbehörden sowie die Uefa. Es gebe „einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der Uefa kommt, aber von der Uefa als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident
geworden bin“, wetterte Blatter in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS. Vor 17 Jahren hatte sich er gegen den UEFA-Widersacher Lennart Johansson durchgesetzt.

Uefa-Chef Platini hatte seinen früheren Freund vor der Wahl gegen den einzigen Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein zum Rücktritt aufgefordert. Der Vorstoß Platinis und die Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären in Zürich zwei Tage vor der Wahl auf Antrag von US-Behörden seien „kein Zufall“, vermutete Blatter.

Zudem argwöhnte er, warum amerikanische Journalisten die Verhaftungen am Zürichsee verfolgt hatten. „Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren.“ Zudem wollte er einen Zusammenhang zwischen dem Jordanier al-Hussein und den USA erkennen. „Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut“, sagte Blatter.

13:12 Uhr: Trotz seiner umstrittenen Wiederwahl als Fifa-Chef erwartet Joseph Blatter keinen endgültigen Bruch mit der Europäischen Fußball-Union. „Die Uefa gehört zur Fifa, sie braucht die Fifa und die Fifa braucht die Uefa“, sagte der Präsident des Weltverbands am Samstag in Zürich. Auf der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees habe einer der europäischen Vertreter zuvor erklärt, die beiden Dachverbände müssten sich „zusammenraufen“.

Die Uefa hatte sich vor dem Fifa-Kongress klar gegen Blatter positioniert und dessen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein unterstützt. Uefa-Präsident Michel Platini hatte Blatter nach dem jüngsten Korruptionsskandal zum Rücktritt aufgefordert und sogar mit einem WM-Boykott gedroht. „Wir müssen die WM immer schützen“, sagte Blatter dazu. Die Weltmeisterschaften seien eine Haupteinnahmequelle.

13:01 Uhr: Franz Beckenbauer hat Fifa-Präsident Joseph Blatter trotz des erschütternden Korruptionsskandals im Fußball-Weltverband in Schutz genommen. „Es ist das System, nicht der Einzelne“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München am Samstag bei einem Sponsorentermin im Vorfeld des DFB-Pokalfinales in Berlin. Der Weltverband sei eine „Ansammlung von Funktionären“, die auch ein Fifa-Chef unmöglich alle kennen könne. „Er wird nicht unbedingt wissen, wer die Leute sind, die in den Verbänden gewählt wurden - aus Samoa oder Virgin Islands oder sonst was, sagte das frühere Fifa-Exekutivkomitee-Mitglied.

Letztlich hält Beckenbauer den Faktor Mensch dafür verantwortlich, ob alles sauber ablaufe. Zu „Unebenheiten“ werde es weiter kommen, „solange es Menschen gibt mit dieser Einstellung und diesem Charakter“, erklärte er mit Blick auf die am Mittwoch in der Schweiz verhafteten Funktionäre.

12:43 Uhr: Fifa-Präsident Joseph Blatter sieht sich im Zuge der Ermittlungen gegen Fußball-Spitzenfunktionäre nicht selbst in Gefahr. „Wenn jemand Untersuchungen anstellt, dann hat er gutes Recht, dies anzustellen. Wenn es nach Völkerrecht getan wird, habe ich keine Sorgen, insbesondere nicht zu meiner Person“, sagte der Schweizer am Samstag in Zürich nach seiner Wiederwahl als Chef des Fußball-Weltverbands.

Vor dem Fifa-Kongress waren mehrere Top-Funktionäre wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Blatter betonte erneut, es handle sich um Einzeltäter. „Ich war nicht beteiligt“, sagte der 79-Jährige.

12:25 Uhr: Auf der Pressekonferenz in Zürich spezifizierte Blatter das Zitat "Ich vergebe, aber ich vergesse nicht". Er vergesse nicht, was Personen gesagt haben, aber das wirke sich nicht auf die Fakten aus, sagte er.

11:46 Uhr: Europa kann bei der Fußball-WM 2018 wie bislang geplant mit 13 Mannschaften plus Gastgeber Russland an den Start gehen. Dies berichtete DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nach der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees am Samstag in Zürich. Demnach werden die Kontingente der sechs Fifa-Konföderationen für das Turnier in Russland und auch vier Jahre später in Katar nicht verändert.

2022 ist Europa also mit 13 Teams vertreten. Für die WM 2026, dessen Gastgeber in zwei Jahren ernannt wird, könnte es zu einer Erhöhung von 32 auf 40 Teilnehmer kommen. „Das wurde hier so diskutiert“, sagte Niersbach nach dem Meeting des wichtigen FIFA-Gremiums.

11:30 Uhr: Kremlchef Wladimir Putin hat Joseph Blatter zu dessen Wiederwahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes FIFA gratuliert. Er sei zuversichtlich, dass „die Erfahrungen, der Professionalismus und das hohe Ansehen Blatter helfen werden, zur weiteren Verbreitung und weiteren Beliebtheit des Spiels in der ganzen Welt beizutragen“, teilte der Kreml am Samstag in Moskau mit.

Putin bekräftigte, dass WM-Gastgeber Russland zur Zusammenarbeit mit der FIFA bereit sei. Putin hatte die Korruptionsermittlungen gegen FIFA-Funktionäre am Donnerstag mit Nachdruck als Versuch der USA verurteilt, Russland die Weltmeisterschaft 2018 zu entziehen.

11:11 Uhr: Der Engländer David Gill, früherer Club-Direktor von Manchester United, hat seinen sofortigen Rückzug aus dem FIFA-Exekutivkomitee nach der Wiederwahl von Präsident Joseph Blatter erklärt. „Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber die fürchterlich beschädigenden Ereignisse der letzten drei Tage haben mich überzeugt, dass es nicht angemessen ist, unter der aktuellen Führung ein Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees zu sein“, sagte Gill am Samstag in Zürich.

Er hatte den Platz als FIFA-Vizepräsident übernehmen sollen, der laut Statuten für die vier britischen Verbände reserviert ist. Wer sein Nachfolger werden soll, steht noch nicht fest. Gill galt gemeinsam mit Wolfgang Niersbach als europäische Speerspitze in dem FIFA-Gremium gegen Blatter. Niersbach hat noch nicht endgültig entschieden, ob er sein Mandat ausüben wird. Erste Anzeichen deuten jedoch daraufhin, dass der 64-Jährige nicht aus dem FIFA-Gremium austreten wird. Endgültig soll über die europäische Strategie bei einem UEFA-Treffen in der kommenden Woche in Berlin beraten werden.

10:48 Uhr: In einem offiziellen Video von Fifa-TV kündigte Blatter an, dass es in der Sitzung des Exekutivkommittees Neuigkeiten zur Verteilung der WM-Startplätze geben werde und diese werden manche überraschen:

9:57 Uhr: Joseph Blatter hat nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident die amerikanischen Justizbehörden und die Europäische Fußball-Union um Michel Platini mit scharfen Worten angegriffen. Es gebe „einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der Uefa kommt, aber von der Uefa als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin“, sagte der 79 Jahre alte Schweizer in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS.

Vor 17 Jahren hatte sich Blatter gegen den Uefa-Widersacher Lennart Johansson durchgesetzt. Uefa-Chef Platini hatte Blatter vor dem fünften Wahlsieg am Freitag beim Fifa-Kongress in Zürich gegen den einzigen Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein zum Rücktritt aufgefordert. „Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht“, sagte Blatter dazu.

9:48: Uhr: Voller Freude über seine wiedererstarkte Macht bereitete Joseph Blatter schon die nächste Konfrontation mit den gerade geschlagenen Gegnern aus Europa vor. Noch bevor der 79 Jahre alte Schweizer am Freitagabend in Zürich die vierte Wiederwahl als Fifa-Präsident mit seiner Familie feierte, nutzte er die Gelegenheit auf der Kongress-Bühne für Nadelstiche in Richtung Uefa.

Die angekündigte Ausdehnung des Exekutivkomitees für wohlgesonnene Konföderationen soll den europäischen Einfluss in der Weltregierung des Fußballs beschneiden. Und für die Exekutivkomiee-Sitzung am Samstag im noblen Fifa-Sitz mit Verhandlungen über die Plätze für die umstrittenen Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar annoncierte Blatter: „Wir haben ein Meeting, sie werden mir zuhören, sie werden einige Informationen und Botschaften erhalten - einige von ihnen werden überrascht sein.“

Fifa-Präsident Joseph Blatter wärend des 65. Fifa-Kongresses im Hallenstation in Zürich
Fifa-Präsident Joseph Blatter wärend des 65. Fifa-Kongresses im Hallenstation in ZürichFoto: dpa

9:36 Uhr: Der Chef der US-Steuerfahndung geht von weiteren Anklagen im Fifa-Korruptionsskandal aus. Nach einem Bericht der „New York Times“ vom Freitag sagte Richard Weber: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir eine weitere Runde von Anklagen haben werden.“ Weber wollte nach Angaben der Zeitung die übrigen Ziele der US-Ermittlungen nicht nennen. Er wollte auch nicht sagen, ob darunter auch der soeben wiedergewählte Fifa-Präsident Sepp Blatter sei. Die US-Behörden gingen aber davon aus, dass weitere Personen in kriminelle Handlungen verwickelt seien. (mit Agenturen)

Am Freitag fand die Präsidentenwahl statt. Einziger Gegenkandidat Blatters war der jordanische Prinz Ali bin Al-Hussein.

Die wichtigsten Ereignisse vom Freitag in Kürze:

- Sepp Blatter bleibt Fifa-Präsident und geht in seine fünfte Amtszeit.

- Zwar verfehlte er im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit, doch gab Prinz Ali vor dem zweiten Wahlgang auf.

- Blatter bekam im ersten Durchgang 133 von 206 gültigen Stimmen; sein Kontrahent erreichte respektable 73 Stimmen.

Die Ereignisse des gestrigen Freitag können Sie hier nachlesen. Den Blog zum ersten Tag nach den Festnahmen finden Sie hier. Antworten auf die wichtigsten Fragen nach den Festnahmen am Mittwoch haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengetragen, Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den Geschehnissen am Donnerstag finden Sie hier.

Autor

40 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben