Fifa-Präsident : Sepp wird 79

Er will noch einmal antreten, möglichst wieder ohne Gegenkandidat und ohne Gegenstimme. Robert Ide über Joseph Blatters Amtszeit auf Lebenszeit.

Robert Ide

Beim letzten Mal lief es so ab: Er stand in der Mitte einer großen Bühne, hinter sich eine Leinwand, die ihn zeigte und noch größer machte, er stand ganz oben und applaudierte sich selbst. Unter ihm erhoben sich die Delegierten des Fußball-Weltverbandes Fifa und applaudierten dem sich selbst applaudierenden Mann, ihrem alten und gerade wieder neuen Fifa-Präsidenten.

Joseph S. Blatter, inzwischen 73 Jahre alt, will diesen Moment noch einmal erleben. Am Dienstag teilte er dem Rest der Welt mit, dass er in zwei Jahren erneut antreten möchte für die höchste Weihe seines Sports und seines Lebens, möglichst wieder ohne Gegenkandidat und ohne Gegenstimme. Zu dreizehn dann vollendeten Amtsjahren Blatters würden vier weitere hinzukommen. Anno 2015, wenn das alles vorbei wäre und vielleicht mal etwas Neues kommt (was könnte das nur sein?), wäre er 79 Jahre alt.

Fifa-Sepp wird 79 – ihn selbst stört das nicht. Viel zu sehr genießt Blatter, der sich seinen Spitznamen selbst gegeben hat, den Aufstieg vom ehemaligen Mittelstürmer aus dem Wallis zum multilingualen Sportpolitiker, der wie ein Staatspräsident um die Welt jettet. „Meine Mission im Fußball ist noch nicht erfüllt“, sagt er nun – und die Betonung dieses Satzes dürfte auf dem ersten Wort liegen.

Für den Fußball kann Blatter nicht mehr viel tun, für die Fifa auch nicht. Er hat seinen Sport global gemacht und führt ihn nun zu einer WM nach Südafrika, er hat seinen Verband zur dauerdruckenden Geldmaschine geformt (Korruption, war da mal was?) und ihm einen Zentralpalast in Zürich errichtet. Nur er selbst ist dabei seltsamerweise noch kein Heiliger geworden, bei der WM 2006 in Deutschland wurde er ausgepfiffen. Diesen Teil seiner Mission sieht Joseph S. Blatter noch nicht als erfüllt an – jedenfalls solange ein Typ wie Barack Obama den Friedensnobelpreis bekommt und nicht er, Joseph, der Große.

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