Fifa-Skandal : Kuhhandel auf der Insel

Der nächste Skandal wird publik: Nachdem Irland wegen eines Handspiels des Franzosen Thierry Henry die WM 2010 verpasste, zahlte die Fifa dem irischen Verband Schweigegeld.

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Skandalspiel. Frankreich qualifizierte sich nur wegen einer groben Fehlentscheidung für die WM 2010.
Skandalspiel. Frankreich qualifizierte sich nur wegen einer groben Fehlentscheidung für die WM 2010.Foto: Reuters

Der Fifa-Skandal war bisher eher karibisch angehaucht. Enthüllungen von und über korrupte Funktionäre wie Jack Warner aus Trinidad und Tobago rissen den Fußball-Weltverband in die größte Krise seiner Geschichte. Nun weitet sich der Skandal auf eine europäische Insel aus: Irland.

Ein kurzer Rückblick in den November 2009: Die Iren spielten in den Play-offs gegen Frankreich um die Teilnahme an der WM 2010. Im Rückspiel stoppte der Franzose Thierry Henry den Ball mit der Hand und bereite den Ausgleichstreffer vor, mit dem sich Frankreich dann für das Turnier in Südafrika qualifizierte.

Der Aufschrei weltweit war riesig, Irland fühlte sich um die WM-Teilnahme betrogen, drohte mit einer Klage vor Gericht – und protestierte dann plötzlich nicht mehr. Heute weiß die Welt warum.

Der irische Verband FAI hat damals offenbar fünf Millionen Euro von der Fifa erhalten, um stillzuhalten. Der Imageschaden ist dafür im Jahre 2015 umso größer.

Die Fifa fürchtete, Irland könnte sich als 33. Mannschaft zur WM klagen

John Delaney hatte die Zahlung am Donnerstag in einem irischen Radiointerview erstmals öffentlich gemacht. Der Weltverband bestätigte am Abend eine Zahlung über fünf Millionen US-Dollar, „um den Ansprüchen Irlands gegen die Fifa ein Ende zu setzen“. Die sei aber nur ein Darlehen gewesen für einen Stadionbau, erst Ende 2014 habe man entschieden, das Geld einfach abzuschreiben.

Dem widersprach der irische Verband umgehend. Das Geld sei in Euro geflossen und ein Vergleich und kein Darlehen gewesen. Mit Vertraulichkeit als einziger Bedingung. An der kritischen Haltung zur Fifa habe das natürlich nichts geändert. Außer, dass Irland nicht mehr forderte, als 33. Team zur WM zu dürfen. Dabei habe Fifa-Präsident Joseph Blatter die Iren zunächst noch ausgelacht und beleidigt.

Niersbach betont erneut, bei der WM-Vergabe an Deutschland sei alles sauber abgelaufen

Der Vorfall wirft ein schlechtes Licht auf beide Seiten und zeigt in seltener Offenheit die fragwürdigen Kuhhandel im Weltfußball, an Gerichten und Institutionen vorbei. Der frühere Fifa-Vizepräsident James Boyce forderte Aufklärung, ob Blatter die Zahlung am Exekutivkomitee vorbei genehmigt habe. Wolfgang Niersbach sagte, er könne sich keinen Reim darauf machen. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes traf sich am Freitag inoffiziell mit europäischen Amtskollegen in Berlin. Niersbach betonte dabei erneut, die WM-Vergabe an Deutschland 2006 sei korruptionsfrei erfolgt. „Wir hatten die beste Bewerbung.“

Beim Turnier in Katar 2022 sieht das anders aus. Wie nun bekannt wurde, haben Schweizer Ermittler vergangene Woche auch das Büro eines Sportrechtehändlers in St. Gallen durchsucht. Die Bundesanwälte untersuchen die WM-Vergaben 2018 und 2022 auf Korruption. Der Fifa-Skandal könnte noch viele Regionen der Welt erreichen.

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