Fifa-Sperre für Jack Warner : Was ist mit Sepp Blatter und Michel Platini?

Die Fifa sperrt Jack Warner und richtet damit schneller als jede staatliche Justiz. Doch bis zu einer Verurteilung von Sepp Blatter oder Michel Platini könnte es noch lange dauern. Ein Kommentar.

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Gefangen. Jack Warner ist von der Fifa lebenslänglich für alle Fußballaktivitäten gesperrt worden. Foto: dpa
Gefangen. Jack Warner ist von der Fifa lebenslänglich für alle Fußballaktivitäten gesperrt worden.Foto: dpa

Was, nur er? Und erst jetzt? Das werden viele denken, die hören, dass die Ethikkommission der Fifa nun Jack Warner lebenslänglich für alle Fußballaktivitäten gesperrt hat. Der Funktionär gilt schon länger als eines der prominentesten Gesichter der Korruption im Weltverband. US-Gerichte haben Warner wegen Betruges und Geldwäsche angeklagt. Der 72-Jährige gehörte nur deshalb nicht zu den Funktionären, die Ende Mai in einem Zürcher Hotel verhaftet wurden, weil er in seiner Heimat Trinidad und Tobago weilte. Seitdem widersetzt er sich seiner Auslieferung. Vor Dezember fällen die Gerichte da keine Entscheidung.

Nun hat die Fifa-Justiz Warner schneller gerichtet als die staatliche. Der frühere Fifa-Vizepräsident und Ex-Chef des Karibikverbandes sei „ein Drahtzieher von Systemen verdeckter und illegaler Zahlungen“, lautet das Urteil für „fortwährende und wiederholte Vergehen“.

Welche Vergehen genau? Das kann man sich aussuchen aus einer langen Liste. Der letzte Vorwurf lautet: Warner habe bis zu 20 Millionen US-Dollar verdient mit Fernsehrechten, die Joseph Blatter zum Freundschaftspreis von 600 000 Dollar verkauft hatte. Nun läuft deswegen ein staatliches Strafverfahren gegen den Fifa-Präsidenten. Seit letztem Freitag wartet die Welt atemlos darauf, dass Blatter und Michel Platini, der ebenfalls dubiose Zahlungen erhielt, verhaftet, gesperrt oder zumindest suspendiert werden. Stattdessen erwischt es „nur“ Warner und dann auch noch arg spät, so scheint es.

Auch Blatter und Platini haben das Recht auf einen fairen Prozess

Das Beispiel Warner zeigt aber, wie lang solche Prozesse eben dauern. Seit Januar ermittelt die Ethikkommission gegen ihn, erst vor gut zwei Wochen sprachen die Richter ein Urteil, das erst jetzt zugestellt wurde. Bis dahin hatte sich Warner gewehrt, das ist sein gutes Recht, genau wie ein fairer Prozess.

Den haben auch Blatter und Platini verdient, egal wie schuldig sie auf den ersten Blick wirken mögen. Ein Urteil, falls es je eines gibt, könnte Wochen oder Monate auf sich warten lassen. Allein schon, damit eine Strafe auch Bestand haben kann. Warner wird das Urteil nicht anfechten, ist zu hören, eine gute Nachricht. Die schlechte: Warner hat die Maximalstrafe erhalten. Warum sollte er jetzt noch mit den Fifa-Ermittlern kooperieren und gegen Blatter aussagen?

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