Finale im Afrika-Cup : Afrika spielt offensiv

Beim Afrika-Cup in Gabun und Äquatorialguinea trifft die favorisierte Elfenbeinküste um Kapitän Didier Drogba im Finale auf das Überraschungsteam aus Sambia. Das Endspiel wurde vom Fußballverband Caf kurzerhand eine halbe Stunde nach hinten verlegt.

Olaf Jansen
Didier Drogba, Kapitän der Elfenbeinküste, möchte endlich mal einen Titel mit der Nationalmannschaft gewinnen. Im Finale gegen Sambia hat er nun die große Chance dazu.
Didier Drogba, Kapitän der Elfenbeinküste, möchte endlich mal einen Titel mit der Nationalmannschaft gewinnen. Im Finale gegen...Foto: rtr

Für Überraschungen ist der afrikanische Fußballverband Caf immer mal wieder gut. Gerade gaben die Funktionäre in einer Notiz bekannt, das Endspiel des Afrika-Cups zwischen der Elfenbeinküste und Sambia findet am Sonntag eine halbe Stunde später als geplant statt. Halb neun statt acht. „Aus technischen Gründen“, Näheres wurde nicht bekannt. Vermutlich wissen die Caf-Leute nicht, welche Verzweiflung sie mit solchen Nachrichten in diversen Fernsehanstalten, deren Programm seit Wochen minutiös steht, verursachen. Vielleicht ist es der Caf aber einfach auch egal.

Der Afrika-Cup 2012 hat den neutralen Betrachtern in weiten Teilen viel Freude bereitet. Trotz aller organisatorischen Probleme – Verkehrschaos, Stromausfälle, fehlende Sicherheitsvorkehrungen – überwog der Spaß am Offensivfußball, den die meisten Teams wiederentdeckt haben. Anders als bei den zwei letzten Ausgaben des Kontinentalturniers in Ghana (2008) und Angola (2010) wurden die starren Defensivsysteme aufgebrochen, und es wurde wieder mutiger nach vorn gespielt. Den sogenannten „Kleinen“ sei Dank, denn die haben sich mit frechem Offensivfußball schon in der Qualifikationsphase gegen ehemals „Große“ wie Kamerun, Nigeria, Ägypten und Südafrika durchgesetzt und den neuen Trend populär gemacht. „Das Niveau ist erheblich gestiegen“, fand auch Gernot Rohr, der deutsche Coach, der Co-Gastgeber Gabun mit eben solchem Angriffsfußball immerhin bis ins Viertelfinale gebracht hatte.

Im Endspiel aber stehen am Sonntag (20.30 Uhr) in Libreville Außenseiter Sambia und die Elfenbeinküste. Didier Drogba mit seinen „Elefanten“, die endlich einmal etwas gewinnen wollen. Seit zehn Jahren spielen die Stars der Ivorer um Drogba, Didier Zokora und Kolo Touré nun schon zusammen für das Nationalteam und begeisterten die Fußballwelt mit ihren Kombinationen und technischen Fähigkeiten. Nur gewonnen haben sie nie etwas Großes. Waren bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 in der Vorrunde ausgeschieden, haben bei den Afrikameisterschaften 2006 bis 2010 versagt, wenn es drauf ankam. „Diesmal sind wir dran“, hat Drogba vor dem Finale ausgegeben. Weitere Worte verlor der Star der Ivorer nicht. Geredet wurde bei der und über die Elfenbeinküste in den vergangenen Jahren genug. Jetzt sollen Taten folgen.

Während die Ivorer grimmig entschlossen sind, ihren bisher fünf Siegen in fünf Turnierspielen auch den entscheidenden sechsten hinzuzufügen, können die Sambier ihr Glück der Finalteilnahme noch immer kaum fassen. „Es ist wie im Traum“, sagt Kapitän Chris Katongo, der nach eher erfolglosen Jahren in Europa bei diesem Turnier überraschend stark aufspielt. Die Geschichte mit dem Flugzeugabsturz der Nationalmannschaft 1993 vor Libreville kennen nun alle, die Mission der aktuellen Mannschaft dementsprechend auch: „Wir wollen für die Helden von damals spielen“, kündigt Coach Hervé Renard an.

Während die Aktiven auf dem Rasen wieder ein spielerisch starkes, offensiv geprägtes Finale versprechen, wird von den Funktionären eigentlich nichts mehr erwartet. Die Caf-Funktionäre um ihren Präsidenten Issa Hayatou waren während des Turniers kaum sicht- oder ansprechbar, verschanzten sich in ihren Suiten oder Restaurants der edlen Hotels. Die CAF hat ja ihre Schäfchen vermeintlich seit September vergangenen Jahres im Trockenen, seit der neue Fernsehvertrag mit einer der Sportfive-Töchter im Kasten ist.

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