Finanzierung von Spitzensport : Athleten gegen Funktionäre

Streit im deutschen Sport verschärft sich.

Große Sprünge für kleines Geld. Harting, hier nach seinem Olympiasieg, will mehr finanzielle Sicherheit für Athleten. Foto: dapd Foto: dapd
Große Sprünge für kleines Geld. Harting, hier nach seinem Olympiasieg, will mehr finanzielle Sicherheit für Athleten. Foto: dapdFoto: dapd

Die Debatte um die Spitzensportförderung in Deutschland eskaliert. Nach einer Verbalattacke der Olympiasieger Robert Harting, Julius Brink und Kristof Wilke gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und einer ebenso heftigen Replik von DOSB-Athletensprecher Christian Breuer sind die Fronten verhärteter denn je. Die Fehde erschwert den sachlichen Austausch zwischen Top-Athleten und Funktionären, wie der ins Mittelmaß abgedriftete deutsche Sport für die Zukunft fitgemacht werden kann.

In einem Interview des Nachrichtenmagazins „Focus“ prangerte Diskus-Olympiasieger Harting mit für ihn typisch markigen Worten an, dass der DOSB die Sportler bei der geplanten Gestaltung eines dringend benötigten neuen Förderkonzepts außen vor lasse. Statt mit den Athleten zu diskutieren, setze der Sportbund auf den ’Beirat der Aktiven’, sagte Harting. „Das sind ehemalige Sportler, die früher mal bei einem Wettkampf dabei sein durften und heute schöne Spesen abkassieren. Da züchtet der Verband doch nur seinen eigenen kranken Funktionärsbaum hoch“, polterte der Diskus-Olympiasieger.

Die provokante Äußerung blieb nicht lange unkommentiert. „Das ist eine Frechheit gegenüber denen, die nicht nur die Kamera suchen, sondern sich konstruktiv und aktiv einbringen“, sagte der ehemalige Eisschnellläufer und heutige Athletensprecher Breuer in einer vom DOSB verbreiteten Mitteilung. Er verwies auf die Vollversammlung der Athletenvertreter der 62 Spitzenverbände, die sich an diesem Wochenende in Bonn über die Zukunft des Leistungssports austauschten. „Wir haben dazu die ganze Olympiamannschaft und alle von der Sporthilfe geförderten Athleten eingeladen, auch Robert. Doch der Herr ist sich zu fein, sich hier an der Diskussion der Athleten zu beteiligen. Stattdessen gibt er Interviews, um sich selbst zu vermarkten“, sagte Breuer.

Doch Harting steht mit seiner Kritik am DOSB und dessen Präsidenten Thomas Bach nicht allein. Brink, der in London mit seinem Partner Jonas Reckermann erstmals Gold im Beachvolleyball gewann, zeigte sich enttäuscht von einer angeblichen Forderung Bachs nach mehr Leistungsbereitschaft der Athleten, mit der er vom „Focus“ konfrontiert wurde. „Wie Herr Bach mit der deutschen Sportfamilie – allen voran den Athleten von London – umgeht, die vier Jahre des Verzichts hinter sich haben, kann ich nicht nachvollziehen.“ Bachs Aussagen seien „völlig inakzeptabel und nicht gerechtfertigt“. Zu der vergifteten Atmosphäre trug auch ein Zitat des DOSB-Chefs bei, der den deutschen Sportlern mit Blick auf deren finanzielle Absicherung in einem Interview vor den Sommerspielen den Gang zur Lotto-Annahmestelle empfohlen hatte. „Das ist einfach unverschämt“, meinte Harting. Die DOSB-Spitze wollte die Aussagen zunächst nicht kommentieren.

Ruder-Olympiasieger Kristof Wilke nannte die Zielvereinbarungen der Sportverbände mit dem DOSB für das Olympia-Abschneiden „albern“. Je mehr ein Verband des DOSB verspreche, desto mehr Geld bekomme er. „Unter dem Strich ist es doch nur ein Kräftemessen der Verbände“, monierte Wilke.

Brink kritisierte, der DVV habe die Medaille im Beachvolleyball „über unsere Köpfe hinweg versprochen“. Er fordert deshalb mehr Transparenz. Auch Harting hält nichts von den in London weit verfehlten Medaillenprognosen: „So etwas können sich nur Bürokraten ausgedacht haben.“ Einig ist sich das Trio in der Frage der Finanzierung. Diese sei schlicht unzureichend. „Unsere Gewinne werden sozialisiert, das Risiko aber auf uns individualisiert“, kritisierte Harting. Wilke forderte höhere Prämien für die Sportler, Brink mehr Geld für das gesamte Fördersystem nach dem Vorbild der Briten. „Die sind uns Deutschen um Jahre voraus.“ dpa

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