Sport : Flucht zum Geld

In Spanien stehen viele Vereine vor dem Bankrott.

Madrid - Nun ist auch noch Roberto Soldado geflohen. Nach langem Streit um eine Gehaltserhöhung mit Amadeo Salvo, Präsident des FC Valencia, stieg der spanische Nationalstürmer am Donnerstagabend schimpfend in eine Maschine nach London. „Der Präsident hat mich angelogen“, wetterte der neue Mann von Tottenham Hotspur vor Journalisten – die versprochene Gehaltserhöhung konnte Valencia nicht bezahlen. Vor Soldado waren in diesem Sommer bereits 26 zum Teil erstklassige Profis der Primera Division vor Misswirtschaft und Konjunkturflaute ins Ausland geflüchtet. Dem Land des Weltmeisters laufen die Spieler davon. Das Sportblatt „Mundo Deportivo“ befürchtet bereits den „Tod des spanischen Fußballs“.

Allein die finanzstarke Premier League verstärkte sich im Sommer für 107 Millionen Euro mit 15 spanischen Spielern. Insgesamt sind bei den englischen Teams bereits 32 Spanier unter Vertrag, darunter neben Soldado viele weitere Nationalspieler wie Fernando Torres, Juan Mata oder David Silva. Aber nicht nur Spanier suchen das Weite. Auch der in der Torjägerliste drittplatzierte Kolumbianer Radamel Falcao packte die Koffer und wechselte von Atlético Madrid zu Monaco.

Elf der 23 Spieler des Confed-Cup-Kaders der spanischen Nationalmannschaft sind nicht mehr in der eigenen Liga aktiv. „Mundo Deportivo“ glaubt daher, dass sich die Flucht negativ auf die Nationalmannschaft auswirken könnte. „Die Liga werde zudem langweiliger und im europäischen Vergleich schwächer.“

Abgesehen vom FC Barcelona und Real Madrid, die ihre immensen Verbindlichkeiten noch durch ebenso große Einnahmen und Vermögenswerte decken können, stehen die restlichen Klubs der ersten und zweiten Liga am Rande des Bankrotts. Der Gesamtschuldenberg beträgt 4,1 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten verteilen sich auf Banken, Finanzämter und Sozialversicherungen – und auch auf die eigenen Spieler. Deportivo La Coruña bekam diese Woche nach dem Abstieg in die zweite Liga nur deshalb die Profilizenz, weil die Spieler ihre Anzeige wegen ausstehender Gehälter am Donnerstag in letzter Sekunde zurückzogen.

Die spanischen Klubs hatten sich lange dank versteckter öffentlicher Hilfen, Interventionen von mächtigen Politikern und vielen Krediten über Wasser gehalten. Die Regierung in Madrid hatte zudem ihre schützende Hand über die Vereine gehalten. Die Verschwendung öffentlicher Gelder ist inzwischen jedoch bei einer Rekordarbeitslosigkeit von 27 Prozent politisch nicht mehr tragbar. dpa

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