Sport : Formel 1: Coulthard, ein Autoschieber

Karin Sturm

Die größte sportliche Leistung beim ersten Freien Training zum Formel-1-Grand Prix von Malaysia vollbrachte ohne Zweifel David Coulthard: Nachdem der Schotte mit leicht brennendem Auto auf der Strecke stehen geblieben war, schob er den McLaren-Mercedes während der ersten Trainingsstunde bei weit über 30 Grad Hitze fast einen Kilometer weit an die Boxen zurück, damit die Mechaniker sofort mit den nötigen Reparaturen beginnen konnten. "Danach war ich schon gewaltig platt", stöhnte Coulthard nach seinem Kraftakt, bei dem ihm nach dem Reglement keine Mechaniker helfen durften. "Das war fast schlimmer als ein Rennen." Ob in Zukunft "Auto schieben" in sein Fitnessprogramm aufgenommen wird? "Das wohl eher nicht!"

Die Hitze und wie man mit ihr am besten fertig wird, das ist in Sepang ein Dauerthema. Und zwar nicht nur, wenn es ums Schieben geht, sondern auch ums normale Fahren. Die Akklimatisierung sei das Wichtigste, sagt Weltmeister Michael Schumacher. "Körperlich sind wir eigentlich alle gut vorbereitet. Wichtig ist eben nur, dass man nicht in letzter Minute aus Europa von zehn Grad in dann weit über 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit kommt."

Er selbst verbrachte die vergangene Woche an einem der vielen Traumstrände auf der Insel Lankawi im Norden von Malaysia: "Ich habe dort wie schon im vergangenen Jahr soviel wie möglich trainiert, und ich hoffe, es reicht. Aber wir werden alle unter der Hitze leiden. Mehr als körperlich fit zu sein, kann man aber nicht tun."

Höchstens, für ein bisschen mehr kühle Luft als sonst zu sorgen. Diese Luft benötigen nicht nur die Fahrer, sondern auch die Motoren. Nur: Wie erreicht man das? Von den früher von McLaren-Piloten verwendeten Kühlhauben ist man eher wieder abgekommen. Auch, weil sie noch nicht wirklich ausgereift genug sind, um während des gesamten Rennens zu funktionieren. Jetzt hat man bei McLaren-Mercedes wie bei vielen anderen Teams auch Ventilatoren in der Box stehen - wenigstens im Training können sich die Fahrer so zwischendurch ein bisschen erfrischen. Der Finne Kimi Räikkönen, am Freitag Schnellster, machte schon eifrig Gebrauch davon. Bei anderen Teams, wie etwa bei Sauber, richtet man die Ventilatoren auch bei jedem Stopp auf die Technik - vor allem auf die Bremsen, die aufs Äußerste beansprucht werden.

Für die Fahrer gibt es dann noch die Trinkflaschen im Cockpit, um den Wasser- und Mineralstoffverlust beim Rennen auszugleichen. Ein Problem, das Schumacher etwas weniger trifft als manche anderen, weil er von Natur aus nicht so stark schwitzt wie andere Fahrer, für die 3 bis 3,5 Liter Wasserverlust in dieser Hitzeschlacht die Regel sind. Deshalb macht er sich auch keine allzu großen Sorgen: "Man ist halt hier nach dem Rennen etwas erschöpfter als normal, aber diese Erschöpfung hängt natürlich auch davon ab, wie hart man die ganze Zeit am Limit fahren und attackieren muss."

Und vielleicht hat einer seiner Gegner schon vorab ein paar seiner Chancen eingebüßt. Ausgerechnet BMW-Williams-Pilot Ralf Schumacher hat sich nicht an die Akklimatisierungs-Ratschläge seines großen Bruders gehalten, sondern ist nach dem Rennen in Australien ins kalte Europa zurückgeflogen - vielleicht aus Sehnsucht nach Söhnchen David. Ralf Schumacher glaubt nicht, dass ihm der Flug nach Europa geschadet habe: "Ich bin ja am Montag wieder hergekommen. Das sind ja doch noch drei oder vier Tage, bis es dann wirklich losgeht. Das reicht." Außerdem habe er sich schließlich auch zu Hause auf das Klima in Malaysia vorbereiten können: "Ich kann in meinem privaten Gym die Wärme und die Luftfeuchtigkeit regeln, da kann man die Hitze von Sepang schon simulieren."

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