Sport : Formel 1: Das Kribbeln im rechten Fuß

Christian Hönicke

Und plötzlich sind alle wieder glücklich in der Formel 1. Heinz-Harald Frentzen zum Beispiel. Noch vor zwei Wochen schien der Mönchengladbacher vor dem Ende seiner Rennsportkarriere zu stehen. Sein Teamchef Eddie Jordan hatte ihn kurz vor dem Deutschland-Grand-Prix entlassen und durch den Brasilianer Zonta ersetzt. Der erschien jedoch selbst Außenstehenden als nicht gerade erste Wahl für die Besetzung des von Frentzen zurückgelassenen Cockpits. Auch Jordan sah das so. Eine zärtliche Annäherung an den beim Prost-Team fahrenden Jean Alesi gipfelte schließlich in dessen Aussage, er wolle schon in Ungarn nicht mehr für seinen bisherigen Rennstall antreten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss Frentzen schon ein Kribbeln im rechten Fuß verspürt haben. Gilt das vom viermaligen Weltmeister Alain Prost geführte Team doch nicht gerade als eines, das mit hochkarätigen Ersatzfahrern aufwarten kann.

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Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Gestern nun ging alles so schnell, wie oft im August, jener "Silly Season" genannten Zeit der Fahrertransfers, in der niemand mehr den zahllosen Dementis Glauben schenkt. Schon in Ungarn in eineinhalb Wochen wird Frentzen für Prost an den Start gehen, während Alesi für das von der Post gesponserte Jordan-Team fahren wird. "Ich freue mich darüber, dass Alain mir für den Rest der Saison sein Auto zur Verfügung stellt", ließ Frentzen verlautbaren. Man muss den 34-Jährigen nicht vor sich stehen haben, um das fast kindliche Grinsen in seinem Gesicht zu erahnen. "Eine solche Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen", setzte er hinzu. Verständlich, immerhin war bis vor kurzem ein weiteres Engagement in der Formel 1 nahezu ausgeschlossen. Selbst beim nächstes Jahr erstmals antretenden Toyota-Team, dem keinerlei Siegchancen eingeräumt werden, stand Frentzen vor verschlossenen Türen. In der amerikanischen Cart-Serie oder der Tourenwagenmeisterschaft DTM hätte man für einen Star seines Kalibers den Roten Teppich ausgerollt. Für ihn persönlich hätte das jedoch einen großen Rückschritt bedeutet.

Die Entscheidung, Alesi zu Jordan ziehen zu lassen und im Gegenzug Frentzen zu verpflichten, ist nach Prosts Angaben ein wichtiger Schritt, "um die Zukunft von Prost im Grand Prix der nächsten Jahren zu sichern". Der kleine Franzose kennt sich aus im Transfergerangel der Formel 1, schließlich wurde er zu seinen aktiven Zeiten nicht nur wegen seines taktierenden Fahrstils "Professor" genannt. Durch geschickte Schachzüge und Intrigen konnte Prost sich immer wieder die besten Cockpits sichern. Und dass ein unmotivierter Jean Alesi seinem Team nicht hilft, weiß er aus eigener Erfahrung. 1991 war Prost mit seinem Fahrzeug so unzufrieden, dass er durch abfällige Bemerkungen ("Mein Auto fährt sich wie ein Lkw") seinen Rauswurf bei Ferrari provozierte.

Alesi darf also gehen und sich dem Jordan-Team anschließen. "Eddie hat mich in die Formel 1 gebracht. Nach all den Jahren zu ihm zurückzukehren, ist etwas Besonderes." Der 37-jährige Alesi gab sich wie immer sehr emotional. Auch Eddie Jordan scheint nun wunschlos glücklich: "Jeans Erfahrung, aber auch seine Energie und sein Enthusiasmus werden für uns sehr wertvoll sein." Ist Emotionslosigkeit etwa der wahre Grund für den überraschenden Rauswurf Frentzens? Fehlendes Temperament wird den Mönchengladbacher bei seiner Arbeit mit dem kühlen Analytiker Prost jedenfalls kaum behindern. Im Gegenteil, sein neuer Teamchef freut sich schon auf ihn: "Frentzen gehört zu den besten Fahrern. Ich wollte ihn schon vor zwei Jahren verpflichten, jetzt hat es endlich geklappt." Und wenn Alesi seinem Ruf als Heißsporn auch bei Jordan gerecht wird, sind endgültig alle zufrieden in der Formel 1.

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