Formel 1: Debatte um Funkverbot : "Die Regeln sind Mist!"

Der Fall Rosberg zeigt: Die Regeln für den Boxenfunk in der Formel 1 sind lächerlich, gefährlich und müssen dringend überarbeitet werden.

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Das sind die Lehren aus dem Formel-1-Rennen von Silverstone:

Hamilton ist auf dem Vormarsch

Gegen einen Lewis Hamilton in Hochform und ohne technische Probleme tut sich sein Mercedes-Rivale Nico Rosberg sehr schwer. Eindrucksvoll, wie der Brite sein Heimspiel vom ersten Training an dominierte. Vor allem unter schwierigen Bedingungen war Hamilton eine Klasse für sich. In der Startrunde auf nasser Strecke nahm er Rosberg drei Sekunden ab, in der nächsten wieder zwei und kontrollierte dann das Rennen. Sein Rückstand in der WM ist nun auf einen Punkt geschrumpft, allerdings hat er im Titelkampf ein großes Handicap. Durch seine vielen technischen Probleme zu Saisonbeginn muss der Weltmeister damit rechnen, mindestens einen, eher zwei Motoren zusätzlich zu brauchen und jedes Mal eine Rückversetzung in der Startaufstellung um zehn Plätze zu kassieren.

What the Funk?!

Die Regeln für den Boxenfunk müssen dringend überarbeitet, präzisiert, oder, wenn das nicht geht, im Notfall zumindest für Probleme am Auto ganz gestrichen werden. Das momentane Hin und Her ist lächerlich. Es ist nicht klar, was einem Fahrer wann gesagt werden darf und was nicht. Das verärgert alle, vor allem die Zuschauer – und ist nebenbei auch noch gefährlich. In Baku bekam Pascal Wehrlein die Warnung, seine Bremsen seien absolut am Limit, erst ein paar Sekunden, bevor sie endgültig versagten und er abflog – zum Glück an einer Stelle mit genügend großem Notausgang. In Österreich durfte Force India seinen Piloten Sergio Perez bei einem ähnlichen Problem überhaupt nicht warnen. Prompt flog der Mexikaner in der letzten Runde heftig in die Leitplanken.

Auch die Zehn-Sekunden-Strafe für Nico Rosberg ist umstritten – Mercedes überlegt, in die Berufung zu gehen. Der Hintergrund: In den Regeln steht, dass bestimmte Hinweise erlaubt sind, wenn es darum geht, einen Totalausfall des Autos zu vermeiden. Die Sportkommissare akzeptierten so zwar die Information an Rosberg, in einen bestimmten Fahrmodus zu wechseln, als Rosbergs Getriebeprobleme auftauchten. Nicht aber die Aufforderung, es zu vermeiden, in den siebten Gang zu schalten. Das verstoße gegen den Paragraphen, wonach die Fahrer ihr Auto selbstständig und ohne Hilfe bewegen müssen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff argumentiert: „Wenn Nico den siebten Gang weiter benutzt hätte, wäre der stecken geblieben, und das hätte den Ausfall bedeutet.“ Die Regeln müssten jetzt exakt geklärt werden, „ansonsten können wir den Funk gleich aus dem Auto werfen“.

Red Bull hielt die Strafe für gerechtfertigt. Wenig überraschend, schließlich rückte so Max Verstappen auf Platz zwei vor. „Regeln sind Regeln“, sagte Teamchef Christian Horner, der aber befand: „Die Funkregeln sind Mist. Die Autos sind so komplex. Klar, dass Mercedes einen Ausfall verhindern will.“

Ferrari hat ein Problem

Und zwar ein größeres, das ist nach dem erneut enttäuschenden Rennen klar. Nur welches, das ist die Frage. „Wenn wir das wüssten, würden wir etwas dagegen tun“, sagte Sebastian Vettel nach seinem neunten Platz. In zwei Wochen geht das Rätselraten in Ungarn weiter.

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