Sport : Formel 1: Der Champagner bleibt zu

Karin Sturm

Vor dem Start zum Grand Prix von Italien in der Formel 1 in Monza war viel Unsicherheit zu spüren. Als dann der drittletzte WM-Lauf in dieser Saison unfallfrei geblieben war, kam nur etwas Erleichterung auf. Keine Freude, auch beim Kolumbianer Juan Pablo Montoya nicht, der in Italien im BMW-Williams seinen ersten Grand Prix gewann. "Hier darf auf keinen Fall etwas passieren", hatte vorher Teamchef Peter Sauber gewarnt. Deshalb zeigte der Schweizer auch Verständnis für den Versuch einiger Fahrer, zumindest die Startphase durch ein selbst auferlegtes Überholverbot zu entschärfen. Das scheiterte letztlich am Widerstand einiger Teamchefs, allen voran Tom Walkinshaw (Arrows) und Flavio Briatore (Benetton).

"Nach dem Geschehen in den USA, dem Zanardi-Unfall in Deutschland und dem Tod des Streckenpostens in Monza im vergangenen Jahr ist die Frage, ob wir überhaupt fahren sollten." sagte Michael Schumacher am Sonntag. Der Ferrari-Fahrer, der schon als Weltmeister feststeht, wirkte in seinem ersten Fernsehinterview des Wochenendes deprimiert. "Zumindest haben wir erreicht, dass in der ersten Runde in den ersten Schikanen Überholverbot herrscht. Alle Fahrer waren dafür, bis auf einen." Er meinte den Kanadier Jacques Villeneuve.

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Schumachers Weg zur WM
Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Diese Episode spiegelte die extrem angespannte und auch teilweise deprimierte Stimmung wider, die derzeit in der Formel-1-Szene herrscht. Zu den Diskussionen um eine angemessen Reaktion auf das USA-Terrordrama kam noch die Nachricht über den Unfall von Alexander Zanardi beim ChampCar-Rennen auf dem EuroSpeedway hinzu (siehe nebenstehenden Text). Montoya, der vor Rubens Barrichello und Ralf Schumacher gewann, widmete Zanardi seinen Erfolg. Wie vereinbart spritzte das Trio bei der Siegerehrung auch nicht mit Champagner. Auf die Frage, was Montoya davon halte, in zwei Wochen in Indianapolis zu fahren, antwortete er: "Wenn das Rennen stattfindet, dann fahren wir eben."

Der Gedanke an das nächste Rennen sorgte bei anderen dagegen für Unruhe. In zwei Wochen in Indianapolis will niemand wirklich fahren - außer den Bossen. Nachdem Ralf Schumacher mehrmals deutlich seine Meinung sagte, dass es an Wahnsinn grenze, in Indianapolis zu fahren, tauchte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bei ihm auf, um ihn aufzufordern, den Mund zu halten. Die Aussagen von Fia-Präsident Max Mosley, in schriftlicher Form in Monza verteilt, sorgten für zusätzliches Kopfschütteln. Niemand im Motorsport habe jemals vorgeschlagen, eines der kommenden Rennen abzusagen, auch nicht Indianapolis, behauptet er darin. Dabei ging selbst im Teamchef-Meeting am Donnerstag die Abstimmung mit 6:5 für einen Start in den USA schon sehr knapp aus. Mindestens ebenso kühn war die Feststellung Mosleys, "die amerikanischen Behörden haben zweifellos alle nötigen Maßnahmen ergriffen, um das Publikum bei allen großen Veranstaltungen zu schützen."

"Als wenn die keine anderen Probleme hätten", kommentierten viele Mitglieder der Rennteams. Aber den Mut zum eigenen Nein, den haben auch die Fahrer nicht. Einige, wie Heinz-Harald Frentzen oder Jarno Trulli, sind zwar in der Lage, Gegenargumente zu formulieren, fürchten aber offensichtlich, dass sie im Fahrerlager keinen Einfluss haben.

Michael Schumacher, der in der Position wäre, alle hinter sich zu scharen, war auch nicht dazu in der Lage. Schon allein deshalb nicht, weil er seit seinem ersten Erscheinen in Monza am Donnerstag völlig neben sich zu stehen schien. So, dass sich viele fragten, ob nicht mehr dahinter stecken würde. Ob er etwas persönlich betroffen sei, vielleicht Freunde verloren habe? Es ist schon ungewöhnlich, dass ein Vollprofi wie Schumacher zugibt, beim Fahren Konzentrationsprobleme zu haben. Ebenso seltsam mutete seine unauffällige Fahrt im Rennen auf Platz vier an.

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