Sport : Formel 1: Drei Monate auf Rente

Karin Sturm

Michael Schumacher weiß genau, was er im Winter tun wird: "Ab Anfang November gehe ich für drei Monate in den Ruhestand." Zunächst steht noch eine Operation an, bei der er sich einen Nagel aus dem Bein entfernen lässt - Erinnerung an den Unfall 1999 in Silverstone. Außerdem kann er sich diesen Urlaub ja auch leisten, "nach meinem bisher härtesten, aber auch schönsten Jahr in der Formel 1".

Den Urlaub hatte er schon vor zwei Wochen begonnen, nach dem WM-Triumph beim Großen Preis von Japan in Suzuka. Der letzte Grand Prix der Saison 2000 am Sonntag in Malaysia ist nur eine kurze Unterbrechung - kleine, aber heftige Abwechslung im Urlaubstrott. Denn in Sepang nahe der malayischen Hauptstadt Kuala Lumpur erwartet den neuen Weltmeister jede Menge Arbeit. Das begann schon gleich nach der Ankunft, nicht erst mit dem offiziellen Trainingsbeginn am Freitag. Am Donnerstag stand um 10.30 Uhr eine Pressekonferenz für Ferrari auf dem Programm. Es folgte um 13 Uhr ein Auftritt für Sponsor Shell auf einer Kartbahn ganz in der Nähe der Strecke, daran schloss sich ein Showrennen mit malayischen Journalisten und den Siegern einer nationalen Kart-Trophy an. Weitere zwei Stunden 15 Uhr begann die offizielle Pressekonferenz des Weltverbandes Fia - natürlich mit dem frischgebackenen Weltmeister als Hauptattraktion.

Große Erfolge haben eben ihren Preis. Das weiß auch Michael Schumacher, und er bezahlt ihn gern: "Mein Gott, hier ist doch alles halb so schlimm, wirklich, ich bin ja ganz entspannt nach Malaysia gekommen. Denn so groß, wie der Druck vor zwei Wochen in Suzuka war, so groß kann er überhaupt nie mehr werden."

Schumacher ist nicht der einzige, der für das letzte Saisonrennen aus den Ferien zurückkommen musste. Sein Teamkollege Rubens Barrichello hatte einen Abstecher nach Surfers Paradise in Australien zum Cart-Rennen gemacht, für die meisten anderen waren Bali und Thailand die Hauptanziehungspunkte. Ob Nick Heidfeld, Jacques Villeneuve, Alexander Wurz, Gianni Fisichella, Ricardo Zonta, Jenson Button - sie alle zogen die große Pause schon mal vor. Im November herrscht ja für alle Testverbot, so richtig geht es erst im Dezember wieder los.

Auch der in der Weltmeisterschaft vorzeitig geschlagene Mika Häkkinen wirkte nach einer Woche Urlaub in Singapur an der Strecke von Sepang eher noch in Ferienstimmung. Das allerdings solle nicht heißen, dass er Schumacher jetzt in Malaysia den Sieg schenken wolle, sagte Häkkinen: "Der große Druck ist zwar weg, aber das bedeutet nicht, dass mein Wille zum Siegen geringer ist. Ich gehe in jedes Rennwochenende mit dem Ziel, zu gewinnen. Hier vielleicht sogar ganz besonders - denn ich würde mich schon gerne mit einem Sieg in die Winterpause verabschieden. Und die Konstrukteurs-WM ist ja auch noch da. Möglich ist alles." Auch in den Ferien.

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