Formel 1 : Eierkuchen war gestern

Die Teamkollegen Jenson Button und Rubens Barrichello kämpfen vier Rennen vor Saisonschluss um den Formel-1-Titel – und ihre Zukunft bei Brawn.

Karin Sturm[Singapur]
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Ich will auch! Jenson Button (oben links) greift in Monza nach Rubens Barrichellos Siegersekt. Unten: Im Training von Singapur...epa

Nach dem ersten Saisondrittel sah er schon wie der sichere Weltmeister aus. Sechs Siege in den ersten sieben Rennen – wer sollte Jenson Button den Titel da noch streitig machen? Doch jetzt, vor dem Grand Prix von Singapur am Sonntag und vier Rennen vor Saisonende, muss der Brite zittern, und zwar ausgerechnet vor seinem Brawn-Mercedes-Teamkollegen, der seit seinen Ferrari-Zeiten neben Michael Schumacher als ewiger Zweiter und geborener Verlierer abgestempelt wurde: Rubens Barrichello.

Durch zwei Siege aus den drei vergangenen Rennen ist ihm der Brasilianer ganz schön nahe gekommen und hat nur noch 14 Punkte Rückstand. Und der 37-Jährige hat Button zuletzt auch regelmäßig in den Schatten gestellt. Der WM-Führende versucht, dieses Thema erst einmal zu verdrängen und schaut zunächst lieber auf das für ihn Positive. Und das ist für ihn der Abstand auf die externe Konkurrenz von Red Bull: „Sebastian Vettel ist 26 Punkte zurück. Das ist schon eine ganze Menge“, meint er selbstbewusst. Aber er gibt auch zu: „Lewis Hamilton hatte 2007 zwei Rennen vor Saisonende 17 Punkte Vorsprung und hat es nicht gepackt. Ich muss positiv denken und jedes einzelne Rennen nehmen, wie es gerade kommt.“

So versucht Button, die Erfolge seines Teamkollegen auch für sich positiv zu deuten: „Das heißt doch nur, dass unser Auto auf Strecken für wenig Abtrieb und auch auf Strecken für viel Abtrieb wieder gut zu funktionieren scheint. Nun haben wir wieder ein Update, das uns noch schneller machen sollte.“ Er erwarte zwar nicht, dass Brawn so souverän wie zum Saisonstart vorweg fahren könnten, aber immerhin halte das Team die aktuelle Position im Spitzenfeld. „Ich muss mich eigentlich immer nur im Bereich von Rubens halten, wenn ich den Titel holen will.“

Offiziell ändert der interne Kampf um den Titel auch nichts am Verhältnis der beiden Kontrahenten, die sich persönlich bis jetzt immer gut verstanden. Gerade die schwere Zeit nach dem Ausstieg von Honda hat die beiden für Formel-1-Verhältnisse ungewöhnlich eng zusammengeschweißt. „Aber natürlich haben wir beide das gleiche Ziel“, sagt Button. „Wie jeder andere Fahrer auch, wollen wir nur eines: gewinnen.“ Inoffiziell ist daher nicht mehr alles so Friede, Freude, Eierkuchen. So knallte es rund um das vergangene Rennen in Monza zum Beispiel, als der Datenaustausch zur Abstimmung der Autos nicht ganz so in beide Richtungen funktionierte. Barrichello und sein Renningenieur Jock Clear sollen da zeitweise nicht alles „auf die andere Seite der Box“ weitergegeben haben, von Button und seiner Crew aber das komplette vorhandene Datenmaterial erhalten haben. So musste Teamchef Ross Brawn einschreiten.

Der versucht, seine Neutralität zu betonen, musste aber auch feststellen, dass die Schwächephase des Teams im Sommer Button mehr geschadet zu haben scheint. „Rubens fand schneller Lösungen als Jenson, und jetzt hatte Rubens dadurch zuletzt leicht die Oberhand“, meinte Brawn. Auch in Singapur lag der Brasilianer zumindest im ersten Freien Training am Freitag vor Button.

Dass ein Fahrer den Vorzug im Titelkampf bekommen könnte, weil der andere im nächsten Jahr möglicherweise nicht mehr beim Team ist, wies Brawn auch zurück. Bis jetzt ist jedenfalls noch kein Pilot bei Brawn für nächstes Jahr bestätigt. Aus gutem Grund: Wenn Nico Rosberg nicht bei McLaren-Mercedes unterkommt, dann werden die Stuttgarter ihn angesichts der Pläne, die Mehrheit bei Brawn zu übernehmen, dort unterbringen wollen – und dann muss einer der beiden aktuellen Fahrer gehen. Es sei in der Fahrerfrage noch nichts entschieden und die WM solle offen ausgefahren werden, sagte Brawn: „Wenn wir einen Weltmeister haben, der aus irgendeinem Grund das Team verlässt, dann ist das schade, aber ich habe lieber einen offenen Wettkampf als sonst was.“ Am leichtesten wäre es, wenn tatsächlich Barrichello Weltmeister würde. Ein Titelgewinn wäre für ihn der optimale Moment zum Rücktritt.

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