Formel 1 : Hamilton gewinnt Heimspiel in Silverstone

Mit einem erfreulichen Ergebnis aus deutscher Sicht ist der Große Preis von England zu Ende gegangen. Nick Heidfeld belegt hinter dem Briten Lewis Hamilton Platz zwei. Felipe Massa, bislang führend in der Fahrerwertung, nimmt einen schweren Rückschlag hin.

Formel 1
Ein strahlender Lewis Hamilton neben einem gut gelaunten Nick Heidfeld -Foto: AFP

SilverstoneHeim-Triumph für Lewis Hamilton, Reifen-Desaster für Kimi Räikkönen und Felipe Massa, Comeback für Nick Heidfeld: Im Regen-Chaos von Silverstone hat sich Lokalmatador Hamilton mit dem Sieg beim Großen Preis von Großbritannien einen Traum erfüllt und den Ferrari-Vormarsch im Formel-1-Titelrennen eindrucksvoll gestoppt. Der McLaren-Mercedes-Mann deklassierte beim ereignisreichen neunten Saisonrennen dank der besseren Reifenstrategie die WM-Konkurrenz. Dagegen verzockte die Scuderia den möglichen Sieg. Champion Räikkönen wurde immerhin noch Vierter, der als WM-Spitzenreiter angetretene Massa blieb als 13. und Letzter punktlos.

Hamilton und das Ferrari-Duo führen nun gemeinsam mit jeweils 48 Punkten zur Saison-Halbzeit die WM-Wertung an. Der zuletzt glücklose BMW-Sauber-Pilot Heidfeld bestätigte indes als Zweiter eindrucksvoll seinen Aufwärtstrend und seinen Ruf als Regen-Experte.

Regen gibt McLaren-Mercedes Recht

Die Vorentscheidung für Hamilton fiel beim ersten Boxenstopp. Der in Führung liegende Silberpfeil-Pilot ging mit frischen Reifen zurück auf die Strecke, der gleichzeitig als Zweiter zum Tanken gekommene Räikkönen setzte auf die bis dahin gut funktionierenden alten Pneus. Doch damit lag Ferrari daneben. Der Regen wurde stärker und spülte alle Hoffnungen der Roten auf einen Erfolg im "Home of British Motor Racing" fort.

Zwar musste Hamilton auf dem rutschigen, 5,141 Kilometer langen Kurs lange bangen und leistete sich zwei Ausflüge neben die Strecke. Doch letztlich behielt der Vize-Weltmeister kühlen Kopf und fuhr vor 90.000 begeisterten Zuschauern in 1:39:09,440 Stunden nach 60 Runden den erhofften Heimsieg ein. Heidfeld rettete nach einer Klasse-Vorstellung Platz zwei ins Ziel, Dritter wurde völlig überraschend Honda-Pilot Rubens Barrichello (Brasilien). Der erstmals von Pole Position gestartete Heikki Kovalainen steuerte den zweiten Silberpfeil auf Rang fünf ins Ziel. In der Teamwertung liegt damit Ferrari mit 92 Punkten weiter vor BMW-Sauber (82) und McLaren-Mercedes (72).

Webber enttäuscht nach gutem Qualifying

Schon beim Start hatte Hamilton die einheimischen Fans jubeln lassen, als er eine Lücke fand und von Platz vier auf zwei vorfuhr. Teamkollege Kovalainen konnte aber zunächst knapp Rang eins behaupten. Dagegen musste der als Dritter gestartete Räikkönen den Lokalhelden ziehen lassen. Größter Startverlierer war indes der Australier Mark Webber. Der überraschend als Zweiter qualifizierte Red-Bull-Pilot wurde zunächst durchgereicht, drehte sich dann in der ersten Kurve und fiel weit zurück.

Ähnlich erging es WM-Spitzenreiter Massa, der mit der nassen Strecke nicht zurechtkam und sich schon in den ersten drei Runden zweimal drehte. An der Spitze machte Hamilton sofort Druck auf Silberpfeil-Kollege Kovalainen und schob sich schließlich in der fünften Runde vorbei. Wenig später musste Kovalainen nach einem Dreher auch seinen finnischen Landsmann Räikkönen ziehen lassen.

Fatale Fehlentscheidung

Der Weltmeister konnte danach auch Hamilton Paroli bieten und kam dem Briten immer näher. Doch dann folgte die fatale Boxen-Fehlentscheidung der Scuderia. Mit alten Reifen war der Ferrari des Champions nicht mehr konkurrenzfähig, die Hoffnung auf ein rasches Ende des Regens erfüllte sich nicht. Der Rückstand auf Hamilton wuchs kräftig, von hinten drängten Kovalainen und der nun entfesselt fahrende Heidfeld. In Runde 27 zogen beide an Räikkönen vorbei, Heidfeld ließ gleich beide Finnen stehen. Zuvor hatte der Gladbacher bei einem ähnliche Manöver bereits den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso (Renault) und Toyota-Mann Timo Glock düpiert.

Vorzeitig beendet war das Rennen wieder einmal für Toro-Rosso-Mann Sebastian Vettel, der in der ersten Runde von Red-Bull-Routinier David Coulthard von der Strecke geschoben wurde. "Wenn man hier erstmal im Kies ist, gibt es kein Rauskommen mehr", erklärte Vettel. Force-India-Mann Adrian Sutil rutschte in der elften Runde vom Kurs. "Es war Aquaplaning. Ich hatte keine Chance", sagte der Deutsche. Der aus der Boxengasse gestartete Williams-Mann Nico Rosberg verpasste als Neunter knapp einen Punkt. Timo Glock wurde Zwölfter. (jvo/dpa)

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