Sport : Formel 1: "Ich habe vieles aus Angst nicht gemacht"

Nach dem Training hat es den Anschein[als sollten]

Nach dem Training hat es den Anschein, als sollten Sie auf dem Nürburgring - im Gegensatz zu Ihren früheren Aussagen - doch eine Siegchance haben.

Wir stehen besser da, als wir es erwartet haben, aber das Ganze geht nur über zwei über drei Runden so gut. Wenn das Wetter am Sonntag nicht so heiß wird, wie es unsere Michelin-Reifen brauchen, dann werden wir im Rennen Schwierigkeiten bekommen.

Alles schaut auf Sie, nachdem Sie zuletzt das Niveau Ihres Bruders Michael erreicht haben. Ist der Heim-Grand-Prix deswegen für Sie besonders wichtig?

Was außen los ist, bekomme ich überhaupt nicht richtig mit.

Auch nicht die Schlagzeilen, die derzeit über Sie geschrieben werden? Man hat fast den Eindruck, dass Sie den deutschen Grand Prix dominieren, nicht Ihr Bruder.

Das mag so wirken, aber nach dem Rennen wird alles wieder normal sein. Ganz klar, auf dem Nürburgring ist Michael der Favorit.

Aber Wirbel gibt es ja auch ohne weitere Siege um Sie schon genug. Warum haben Sie sich zum deutschen Steuersystem öffentlich derart kritisch geäußert?

Warum ich das gesagt habe? Ganz einfach, weil es so ist. Das merkt doch schon der kleine Mann. Ich habe eine Steuererklärung eines Freundes gesehen, der ja auch schon bald einen Steuerberater benötigt, um das ausfüllen zu können.

Und Sie?

Mein Umzug nach Österreich bringt zwar einen finanziellen Vorteil, aber der entscheidende Punkt ist die Undurchsichtigkeit des gesamten Systems. Man weiß doch nie, was einen später erwartet.

Waren Sie von der Reaktion in den Medien auf ihre Äußerungen überrascht?

Na ja, daran kann man sehen, dass ich Recht habe. Das Problem betrifft nicht nur mich.

Können Sie verstehen, das es dennoch bei einfachen Menschen etwas falsch angekommen sein kann? Könnten diese Leute nicht zuerst annehmen, dass Sie Ihre Steuern nicht zahlen möchten?

Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere sauer reagiert. Aber ich denke, die Leute, die sauer reagieren, würden es genauso machen. Ich kann nur um Verständnis bitten. Das ist nun mal meine Meinung, und davon gehe ich nicht ab.

Selbst wenn ihre Anhänger, wie es vom Steuerzahlerbund gefordert wurde, Ihre Fanartikel nicht mehr kaufen würden?

Diese Aussage war für mich ein Armutszeugnis. Dadurch wurde meine Meinung nur bestätigt.

Das Leben in Österreich hat nicht nur Vorteile. Dort gibt es zum Beispiel eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Ja, ja, jetzt kommt die Geschichte, als man mich mit überhöhter Geschwindigkeit in Österreich auf der Autobahn geblitzt hat.

Richtig. Was hat Sie eher gestört, die Geldstrafe oder die Tatsache, dass es überhaupt dazu gekommen ist?

Dass es so gekommen ist, daran bin ich selbst schuld. Es gibt Regeln, an die man sich halten muss, ich habe das nicht gemacht, also war es okay so, wie es gekommen ist.

Haben Sie das sofort so gesehen?

Nein, überhaupt nicht. Aber die Polizisten, wie sie nun mal sind, um Eindruck bei einem armen Verkehrsteilnehmer zu machen, sind dann am Anfang schon mal etwas forsch. Da kamen dann so Sachen wie: Wollen Sie gleich mit auf die Wache oder sollen wir Ihren Führerschein zerreißen? Da habe ich sauer reagiert.

Wussten die Beamten sofort, wer Sie sind?

Nein, absolut nicht. Irgendwann haben sie das mitbekommen. Ich habe zwar um Stillschweigen gebeten, weil ich die Reaktion erahnen konnte, aber es gibt eine Abmachung, dass die Presse von einer extremen Geschwindigkeitsübertretung zu erfahren hat. Ein 25-Jähriger, gemeldet in Monaco, Deutscher - es war schnell klar, dass ich mich dahinter verberge.

In Österreich fühlen Sie sich offenbar wohl. Wie auch bei BMW-Williams. Sie haben Ihren Vertrag um zwei Jahre bis 2004 verlängert. Was hat den Ausschlag gegeben?

Das gesamte Paket bei BMW-Williams stimmt einfach.

Das Geld auch. Was sagen Sie zu Spekulationen, die Ihr neues Gehalt mit 30 Millionen Mark beziffern?

Normalerweise hätte ich kein Problem damit, obwohl solche Spekulationen von uns nicht bestätigt werden. Es stört mich nur deswegen, weil dadurch auch die Sicherheit meiner eigenen Familie gefährdet sein könnte, wenn ich an meine Freundin Cora und unser zu erwartendes Kind denke. Besser wäre es deswegen, solche Meldungen sein zu lassen.

Wovor haben Sie Angst?

Unser Glück ist es, dass wir als Sportler sehr wenig Feinde haben. Dennoch, je öfter jemand, der vielleicht in finanziellen Probleme ist, liest, was ich bekommen soll, desto mehr kann man ihn vielleicht auf die Idee zu einer kriminellen Tat bringen. Viele Medien finde ich deswegen verantwortungslos.

Haben sich bei Ihnen die Wertevorstellungen in den zurückliegenden Jahren geändert?

Verändert hat sich nur das Verantwortungsgefühl, das jetzt größer ist.

Wirklich nur das?

Na ja, ich kann mir, im Gegensatz zu Gleichaltrigen, alle Wünsche erfüllen. Da muss ich fair sein. Aber, wenn das dann passiert ist, ist es auch nicht mehr so interessant.

Sie erzählen immer, dass Ihre Freunde auch die von früher sind. Erwarten sie von Ihnen, dass Sie alles bezahlen?

Nein, die bezahlen auch mal für mich. Ich habe aber das Glück, dass meine Freunde finanziell auch gut auskommen.

Es gab ja Fahrer, die ließen sich sogar einen Teil der Flugkosten erstatten.

Wenn wir mit meinem Flieger unterwegs sind, passiert das nicht. Ich mach das sehr gerne, auf der anderen Seite bezahlen meine Freunde mal das Abendessen.

Gegenseitigkeit macht eine Freundschaft aus.

Genau, darauf lege ich auch Wert.

Setzen Sie als erfolgreicher Formel-1-Fahrer andere Prioritäten?

Zu Hause denke ich nur an die Familie, aber auf den Rennstrecken konzentriere ich mich auf meinen Job. Irgendwelche Spinnereien oder Spielereien, ein neues Auto oder ein neues Motorrad, sind für mich jetzt sekundär. Lieber würde ich mir einen Bus kaufen, als einen Sportwagen. Das ist halt so.

Verhalten Sie sich außerhalb des Jobs risikobewusster?

Das war schon immer so. Das hat mich von meinem Bruder unterschieden. Ich bin schon früher nicht gern über Zäune gesprungen oder habe viele andere banale Dinge aus Angst nicht gemacht.

Was würden Sie denn nie machen?

Nie würde ich nie sagen. Aber freiwillig würde ich nicht Bungee-Jumping, Fallschirmspringen, Paragliding oder solche Sachen machen.

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