Sport : Formel 1: Kein Vergleich

Karin Sturm

Im Kreise seiner Ferrari-Familie, bei Live-Musik und mit eigenen Gesangseinlagen, feierte Michael Schumacher. Hatte es noch beim dritten Titelgewinn des deutschen Formel-1-Stars im vergangenen Jahr eine zumindest halb öffentliche und sehr laute WM-Feier im berühmt-berüchtigten "Log Cabin", einer Karaoke-Bar an der Rennstrecke von Suzuka, gegeben, so bot der vierte Triumph den Anlass für eine andere Szene. Diesmal war der Rahmen dem traditionsreichen, eher gediegenen k.u.k.-Schauplatz Budapest angemessen. Deutlich edler und ruhiger ging es zu.

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Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! In einer schwarzen Alfa-Limousine fuhren Michael und Ralf Schumacher, Manager Willi Weber und Ferrari-Rennleiter Jean Todt am Sonntag gegen 20.30 Uhr vor dem Kempinksi-Hotel in der Budapester City vor. Sie wurden dort von über 400 Fans empfangen. Diese hatten sich schon kurz nach der Zieldurchfahrt von Michael Schumacher, als ihm der erneute Weltmeistertitel nicht mehr zu nehmen war, dort versammelt und stundenlang ausgeharrt. Ihr Glück war das Pech von etwa 5000 Fans in Bologna, die dort zur selben Zeit am Flughafen die Ankunft der Ferrari-Truppe erwarteten. Sie hatte nicht erfahren, dass der Heimflug der Roten auf Montag verschoben worden war.

Im Hotel wartete schon Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Das Rennen hatte er noch daheim am Fernseher verfolgt, dann war er auf die Schnelle eingeflogen, um sein erfolgreiches Team zu beglückwünschen. Michael Schumacher hatte vorher privat schon gesagt, dass er eigentlich keine ganz große Trubel-Feier wollte, sondern lieber eine im etwas kleineren Kreis, "mit den Menschen, die mir wirklich viel bedeuten."

Allen voran mit Ehefrau Corinna, die extra für den Sonntag noch an die Strecke gekommen war, "für den Fall, dass es eben doch schon mit dem WM-Titel klappt." Sie konnte es noch lange nicht fassen, dass der größte Stress für dieses Jahr tatsächlich schon vorüber sein sollte: "Michael und ich haben viel darüber gesprochen, wie es wohl laufen würde, wann und wo es mit dem Titel denn klappen könnte. Jetzt, nachdem es passiert ist, ist es für mich wie ein Film, der da immer wieder abläuft."

Viel Zeit, den Erfolg zu genießen und auszukosten, blieb Michael Schumacher nicht. Bis vier Uhr morgens hatte das Fest in Budapest gedauert, am Ende waren auch noch Mercedes-Sportchef Norbert Haug und Motorenchef Mario Illien zu der Ferrari-Truppe gestoßen, danach war erst einmal Ausschlafen angesagt. Aber schon ab Donnerstag stehen wieder Testfahrten in Mugello auf dem Programm. Die jetzt abzusagen, hielte er für absolut abwegig: "Schließlich müssen wir es ausnutzen, dass wir uns schon auf die Arbeit für nächstes Jahr konzentrieren können." Bis 2004 läuft der Vertrag, den Weber für Schumacher mit Ferrari ausgehandelt hatte.

Mit vier WM-Titeln und 51 Grand-Prix-Siegen gehört Schumacher inzwischen zu den Allergrößten in der Formel 1. Trotzdem tun sich einige immer noch schwer damit, ihn in diese Kategorie einzuordnen, Schumacher tut zumindest nach außen so, als wenn ihn das nicht sonderlich störe: "Wenn ein Politiker zur Wahl steht, dann sind auch meistens ungefähr 50 Prozent der Leute für ihn und für seine Partei und die anderen 50 Prozent für einen anderen. Menschen haben nun einmal sehr unterschiedliche Meinungen und das sollte meiner Ansicht nach auch so sein. Ich habe ja auch gemischte Gefühle gegenüber manchen Leuten. Das ist ganz normal, so funktioniert die Welt eben."

Ob er denn glaube, den Rekord von Juan-Manuel Fangio mit fünf WM-Titeln einstellen oder gar überbieten zu können, wurde der Champion gefragt, doch er wollte dem Vergleich lieber aus dem Wege gehen: "Das ist kein wirkliches Ziel für mich und ich glaube auch, dass dieser Vergleich nicht ganz fair ist. Was dieser Mann in den Urzeiten der Formel 1 geleistet hat, ist herausragend und unglaublich. Was wir dagegen tun, ist eher wenig, wenn man sich mal die Autos und die Sicherheitsbedingungen von damals anschaut. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man damit so schnell fahren konnte. Ich hätte es jedenfalls nicht gekonnt und ich halte deshalb solche Vergleiche für unfair."

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