Sport : Formel 1: "Mika ist an mir vorbeigeflogen"

Karin Sturm

Bis vier Runden vor Schluss konnte Michael Schumacher vom fünften Sieg in Spa-Francorchamps und der erneuten WM-Führung träumen - dann wurde er von Mika Häkkinen auf den Boden der Realität zurückgeholt: Mit einem Überholmanöver, das selbst Schumacher später als "sensationell, für mich überraschend und absolute Klasse" bezeichnete, presste sich der Finne an dem Kerpener vorbei und gewann damit noch einen Grand Prix, den er schon fast verloren zu haben schien. Häkkinen hat damit sechs Punkte Vorsprung in der WM auf Schumacher, der aber noch nicht aufgibt: "Wir sind im Moment ein bisschen zu langsam, aber in vier Rennen kann noch viel passieren."

Ein sichtlich aufgekratzter Häkkinen meinte nach dem Rennen zu dem brillanten Überholmanöver: "Ich war in der ganzen Passage zuvor schon schneller als Michael und hatte mich im Windschatten angesaugt, als vor uns ein Überrundeter auftauchte." Es war der Brasilianer Ricardo Zonta, und Michael Schumacher freute sich sogar zunächst. "Ich war ja auf dieser Geraden im Top-Speed immer deutlich langsamer als Mika und dachte, ein bisschen Windschatten könnte mir nur helfen." Aus diesem Windschatten heraus entschied sich Schumacher, links an Zonta vorbeizufahren. Im Bruchteil einer Sekunde wählte Häkkinen den anderen Weg: "Ich wusste, dass es keinen Sinn hätte, hinter Michael herzufahren, denn er würde mir vor der nächsten Kurve nie den Raum zum Überholen geben. Also blieb ich noch einen Moment länger dahinter, nutzte dadurch noch ein bisschen mehr Windschatten, stach dann rechts innen durch - und war damit an Beiden vorbei." Schumacher musste neidlos anerkennen: "Mit so etwas hatte ich wirklich nicht gerechnet, aber es war stark. Mika ist ja förmlich an mir vorbeigeflogen."

Dass Häkkinen überhaupt in die Situation kam, eine derartige Attacke reiten zu müssen, lag an einem Ausrutscher in der verflixten 13. Runde. Bis dahin hatte Häkkinen das auf nasser Strecke hinter dem Safety-Car gestartete Rennen sicher kontrolliert: "Dann bin ich an der gleichen Stelle, wo heute morgen Fisichella abgeflogen ist, wohl auf den weißen Randstreifen gekommen, und die sind hier in Spa bei Nässe unglaublich glatt. Das Heck ist ausgebrochen, ich war völlig überrascht, konnte nichts mehr machen - zum Glück blieb bei dem Ausrutscher der Motor an, sodass ich weiterfahren konnte."

Doch Michael Schumacher, der vom vierten Startplatz auf Rang zwei vorgefahren war, war erst einmal vorbei - und fuhr in den folgenden Runden seinem WM-Rivalen um elf Sekunden davon. Als Schumacher dann sehr früh zum zweiten Stopp an die Box kam - er war den zweiten Turn offensichtlich mit sehr wenig Benzin an Bord gefahren -, startete Häkkinen eine extreme Aufholjagd. Acht Runden vor Schluss war er dran, ein erster Überholversuch ging noch schief. Häkkinen hatte sich direkt nach der Zieldurchfahrt bei Schumacher über das Manöver beschwert, "aber das war ein bisschen emotional. Lasst uns erst einmal das Video anschauen."

Mehr als Michael über seinen zweiten freute sich Ralf Schumacher über seinen ungefährdeten dritten Platz: "Es war ein ziemlich einsames Rennen für mich. 15 Sekunden vor dem Nächsten, das ist doch okay. Ich brauche den Druck von hinten nicht. Wir haben jetzt wohl eindeutig unsere dritte Position in der WM für BMW-Williams gefestigt, damit kann ich sehr zufrieden sein." Der zweite Podiumsplatz nach dem Auftakt in Australien war auch ein besonderes Geschenk für Gerhard Berger - der BMW-Rennleiter feierte in Spa seinen 41. Geburtstag: "Zwei Punkte habe ich mir erhofft, jetzt sind es vier für Ralf und auch noch zwei für den Fünften, Jenson Button, geworden, super!" Heinz-Harald Frentzen setzte sein Duell mit David Coulthard aus dem Training fort. Erst beim zweiten Boxenstopp kam der Schotte vorbei, wurde dann noch Vierter,Frentzen Sechster. "Ich war beim Anhalten ein bisschen zu weit über meinen Haltepunkt hinausgefahren", kommentierte Frentzen. Nick Heidfeld schied nach einem Dreher aus.

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