Sport : Formel-1: Mika, Michael und Frank Sinatra

Karin Sturm

Zum erstenmal seit 1995 wurde die Formel-1-WM-Entscheidung nicht bis zum letzten Rennen vertagt - und Michael Schumacher kann sich rühmen, beide Male der Protagonist gewesen zu sein, der sich den Titel vorzeitig sicherte. Aber nicht nur er gehört zu den Gewinnern nach dem Großen Preis in Suzuka. Viele, wenn auch nicht alle, waren mit diesem Finale zufrieden.

Die Nummer 1 unter den Siegern waren natürlich Schumacher und Ferrari, die den ersten Titelgewinn seit 21 Jahren feiern durften - und das auch ausgiebig taten. Bis Mitternacht saß die gesamte Truppe bei Bier, Wein, Spaghetti und Käse zusammen und gab sich dem Siegesrausch hin. Der strömende Regen, der dabei aufs Dach plätscherte, störte keinen - auch nicht auf dem folgenden Weg ins "Log Cabin", jene Karaoke-Bar an der Strecke, die schon viele WM-Partys bis in den Morgen gesehen hat.

Gewonnen haben auch die Fernsehzuschauer in Europa. Nicht nur, weil sie diesmal bis zum Start eineinhalb Stunden länger schlafen durften, sondern auch, weil sie ein wirklich spannendes Rennen geboten bekamen. Beeindruckend war die Größe, mit der Mika Häkkinen seinem Nachfolger Michael Schumacher gratulierte, die Herzlichkeit der Umarmung. Später standen Schumacher und Häkkinen Arm in Arm auf der Bühne. Frank Sinatras "I did it my way" wurde zum würdigen Abschluss eines denkwürdigen Tages.

Gewonnen hat auch die gesamte Formel 1, weil nach den offensichtlichen Manipulationen, vor allem im letzten Jahr mit der Malaysia-Flügelaffäre, diesmal doch der Eindruck entstehen konnte, dass die WM ohne Einflüsse von außen entschieden wurde. Die Dominanz von Schumacher und Häkkinen sorgte dafür, dass speziell ausgedachte Neuinterpretionen von Regeln, wie das Verbot von Teamarbeit, gar nicht erst zum Tragen kommen konnten.

Als Verlierer fühlen sich wahrscheinlich Bernie Ecclestone und die Veranstalter des Großen Preis von Malaysia in zwei Wochen in Kuala Lumpur. Formel-1-Boss Ecclestone hatte vor dem Rennen von Suzuka keinen Hehl daraus gemacht, dass er aus kommerziellen Gründen eine Entscheidung im letzten Rennen vorzieht. Aber man kann eben nicht alles haben - genauso wie die Malaien, die im letzten Jahr schon alles dransetzten, diesmal aber wirklich das letzte Rennen der Saison zu bekommen, in der Hoffnung auf ein spannendes Finale. Der Schuss ging nach hinten los - viel mehr als ein Urlaubsrennen wird es in Kuala Lumpur nicht geben.

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