Sport : Formel 1: Mit Routine und leeren Kassen

Karin Sturm

Mit 51 Grand-Prix-Siegen und vier Weltmeistertiteln ist Alain Prost immer noch der erfolgreichste Fahrer in der Formel-1-Geschichte. Von jenem Tag im Jahre 1994 an, als der Lockenkopf zurücktrat, begann für die Franzosen in der Formel 1 eine neue Zeitrechnung. Im Jahr eins nach Alain Prost waren sie aber immer noch zu zehnt. Zwar nicht alle gleichzeitig bei den WM-Läufen, aber über die komplette Saison verteilt. Beim zehnten Saisonlauf 2001 in Magny-Cours sind noch zwei übrig geblieben: Olivier Panis, der bei BAR nach einem Zwischenjahr als Testfahrer bei McLaren-Mercedes ein beeindruckendes Comeback gab, und Jean Alesi, der 1989 in Frankreich sein Formel-1-Debüt hatte. Alesi ist heute mit 193 Rennen der mit Abstand dienstälteste Fahrer. Ende September in Indianapolis könnte er zum 200. Mal starten.

Die beiden Routiniers verdecken das Nachwuchsproblem im Land der Trikolore. Starke Franzosen in der Formel 3000, ein überragender Mann in der Formel 3, die gibt es nicht. "In der Nachwuchsförderung liegt bei uns einiges im Argen", sagt Panis, "speziell, seitdem das Tabakwerbeverbot in Frankreich konsequent durchgezogen wird, ist es für die jungen Fahrer sehr schwierig geworden. Unser Motorsportverband muss neue Förderkonzepte finden." Durch die fehlenden Gelder aus der Tabakindustrie hat es der Nachwuchs schwer, die erforderlichen Millionen aufzutreiben. Ohne dieses Mitbringsel geht kaum noch etwas im Motorsport.

Viele hatten selbst Olivier Panis schon abgeschrieben, als er 1999 nicht beim schwachen Prost-Team blieb, sondern den Schritt wagte, als Testfahrer bei McLaren anzuheuern. "Der kommt nie zurück", prophezeiten viele. Doch Panis, bei McLaren permanent im gleichen Leistungsbereich wie die Stammfahrer Mika Häkkinen und David Coulthard, kam wieder. Bereits in der Mitte der vergangenen Saison konnte er unter verschiedenen Angeboten auswählen. Das bei McLaren-Mercedes erlangte Wissen war für viele Teamchefs eine besondere Mitgift.

Jean Alesi, der zweite Franzose, schien kürzlich schon einmal nahe dran, sich zu verabschieden: Erst in den zurückliegenden Wochen fand der 37-Jährige wieder Spaß an seinem Job. Plötzlich plant er sogar für 2002. Vom ursprünglich geplanten Wechsel in die amerikanische Cart-Serie ist keine Rede mehr. Die gewonnen Punkte von Monaco und Kanada, vom Prost-Team und von Alesi selbst wie Siege gefeiert, gaben den Ausschlag dafür.

Die Frage ist, welche Perespektiven er haben könnte? Wegen massiver Finanzproblemen musste bereits das Testprogramm drastisch reduziert werden. Außerdem ist Prost gezwungen, sich nach einem neuen Motorenpartner umschauen, weil er 2002 die 30 Millionen Dollar, die Ferrari für die Triebwerke bekomen möchte, nicht besitzt. Mit seinem Partner Pedro Paulo Diniz, der im vergangenen Winter mit seinem Einstieg das Team schon einmal aus einer tiefen Krise gerettet hatte, soll sich Prost zudem zerstritten haben. Gerüchte besagen, dass der Brasilianer mit dem Familienvermögen der größten brasilianischen Supermarktkette im Rücken aus dem Team ab 2003 eine Art brasilianisches Nationalteam machen möchte. Ohne Prost. Das wäre dann der schlimmste Schlag für die einstige Grande Nation.

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