Formel 1 : Punktsieg für Vettel am Nürburgring

Sebastian Vettel wird beim Red-Bull-Doppelerfolg auf dem Nürburgring Zweiter hinter Mark Webber. Trotz der Niederlage war es ein guter Tag für den Deutschen - denn er macht WM-Zähler auf Jenson Button gut.

Christian Hönicke[Nürburg]
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Bei der anschließenden Sektdusche für den Sieger hat Sebastian Vettel (l.) trotz der Niederlage allen Grund zur Freude. -Foto: dpa

Für eine knappe Runde durften Sebastian Vettel und seine Fans unter den 100 000 Zuschauern das herrliche Gefühl auskosten. In der 43. von 60 Runden übernahm der 22 Jahre alte Heppenheimer beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring begleitet von lautem Jubel die Führung, doch nicht einmal fünf Kilometer später war der schöne Traum vom Heimsieg auch schon wieder vorbei. Der Red-Bull-Pilot bog ab zu seinem letzten Boxenstopp und musste den Triumph beim Großen Preis von Deutschland am Sonntag seinem australischen Teamkollegen Mark Webber überlassen. „Ich würde lügen, wenn ich mit dem zweiten Platz glücklich wäre“, bekannte Vettel hernach. „Ich wollte mein Heimrennen eigentlich gewinnen.“

Immerhin kam der Deutsche als Zweiter vor dem Ferrari-Piloten Felipe Massa ins Ziel und verkürzte damit den Rückstand auf den diesmal fünftplatzierten WM-Führenden Jenson Button im Brawn-Mercedes auf 21 Punkte. In der WM-Wertung schob sich Vettel an Buttons Teamkollegen Rubens Barrichello vorbei auf Rang zwei, liegt aber auch nur noch eineinhalb Zähler vor Webber.

Noch vor Button wurde der von Position 15 gestartete Williams-Fahrer Nico Rosberg nach einem nicht nur seiner Meinung nach „fantastischen Rennen“ als Vierter abgewinkt. Timo Glock verfehlte im Toyota als Neunter dagegen knapp die Punkte, genauso wie Nick Heidfeld (BMW-Sauber) direkt hinter ihm. Noch größeres Pech hatte Adrian Sutil. Der Force-India-Pilot lag lange auf Punktekurs, wurde aber am Ende nur 15. Wie schon vor einem Jahr in Monaco scheiterte Sutils Traum von WM-Punkten an Kimi Räikkönen. Er touchierte den früheren Weltmeister im Ferrari bei der Boxenausfahrt und musste umgehend zum Nasenwechsel wieder abbiegen. Dass Räikkönen danach ausschied, vermochte Sutil nur wenig zu trösten. „Es ist ein bisschen wie ein Fluch, dass es immer Kimi ist“, sagte er. Dennoch sprach er den Finnen von der Schuld frei. „Ich habe ihm zwar genug Platz gelassen, aber es war ein normaler Rennunfall. Trotzdem schade, denn ich wäre definitiv in den Punkten gelandet.“

Auch Sebastian Vettel war nicht ganz glücklich. „Aber ich muss mir auch selbst die Schuld geben“, räumte er ein. „Am Samstag hätte ich die Poleposition haben können und nicht nur Startplatz vier, wenn ich meine Runde besser hingekriegt hätte.“ So sei er aber zufrieden, „ein paar Punkte mitzunehmen. Denn Mark war heute einfach unschlagbar, er hat den Sieg absolut verdient.“ Das fand auch der Gewinner nach seinem ersten Grand-Prix-Erfolg. „Der einzige, der mich heute hätte schlagen können, war der Regen“, sagte Webber. „Aber sogar der hat sich nicht blicken lassen.“

Tatsächlich war es trocken geblieben am Nürburgring, sogar die Sonne hatte sich am Sonntag sehen lassen und 18 Grad in die Luft gezaubert. Ein zeitweise chaotisches Rennen wurde der Grand Prix von Deutschland aber auch ohne den befürchteten Eifelregen. Vettel erwischte zu Beginn der turbulenten ersten Runde einen schlechten Start. „Ich wurde ein bisschen überrumpelt und war plötzlich mitten in der Scheiße“, sagte er sauer lächelnd. „Ich habe viele Plätze verloren.“ Zwar erkämpfte er sich ein paar davon zurück, doch auf Rang sechs hing er schließlich hinter Massa fest. „Ich hätte schneller fahren können, aber ich kam nicht an Felipe vorbei", sagte Vettel.

Zum Glück des Deutschen fand jedoch auch Jenson Button seinerseits in Heikki Kovalainens McLaren seinen Bremsklotz und blieb als Vierter in Sichtweite.Vorne enteilten dank Kovalainens Abschirmhilfe in der Zwischenzeit die beiden Teamkollegen der eigentlichen Hauptdarsteller. Aus dem Duo wurde jedoch bald ein Solist: Weil Webber Barrichello beim Start berührt hatte, musste der Australier eine Boxendurchfahrtsstrafe antreten. „Die Strafe war ziemlich hart“, sagte Webber. „Ich wollte Rubens nicht ins Auto fahren, das ist nicht mein Stil. Ich wusste einfach nicht, wo er war.“

Trotz seiner Strafe übernahm der 32-Jährige danach die Führung, da die Brawns auf einer Drei-Stopp-Strategie unterwegs waren und Barrichello zeitgleich zum Tanken kam. Vettel fuhr wie Webber nur zweimal zum Nachfüllen ab und konnte sich nach dem ersten endlich vor Massa schieben. Auf ähnliche Weise quetschte sich Button nach seinem letzten Stopp gegen Rennende im internen Brawn-Kampf mit einer schnellen Runde noch an Barrichello vorbei.

Ganz vorne war Mark Webber an diesem Tag nicht zu stoppen. Als er nach acht Jahren in der Formel 1 erstmals als Erster über die Ziellinie gerast war, brüllte er so oft „Yes!“ in sein Funkgerät, bis er beinahe anfing zu schluchzen. Beim Genuss der seit 1981 in der Formel 1 nicht mehr abgespielten australischen Hymne hatte sich Webber schon wieder etwas unter Kontrolle und bekannte schließlich glücklich: „Ich wollte diesen Sieg unbedingt. Das ist ein unglaublicher Tag für mich.“ Auf die eigene Nationalhymne und das Gefühl eines Sieges mussten die deutschen Fans aber doch nicht ganz verzichten: Die wurde nach Nico Hülkenbergs Erfolg in der Nachwuchsklasse GP2 eingespielt.

Mark Webber schlenderte nach seinem Triumph schließlich beschwingt zur Party seines Rennstalls und öffnete dort mit einem lauten Knall den Siegerschampus. Direkt daneben stand Sebastian Vettel. Er schaute ein bisschen, als hätte ihm jemand sein Bier vom Tresen geklaut.

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