Formel 1 : Sebastian Vettel – der große Meister auf der Strecke der Champions

Sebastian Vettel hat gezeigt, dass er schon zu den Großen der Formel 1 gehört. Er lieferte am Wochenende auf der schwierigen Strecke von Suzuka einen perfekten Start-Ziel-Sieg ab und hält das Titelrennen weiterhin offen.

Karin Sturm
AUTO-PRIX-JPN-F1
Number one. Sebastian Vettel schreit die Freude über seinen Triumph hinaus.Foto: AFP

Suzuka Es ist die der Strecke der Meister und der Meisterschaften, der großen WM-Finals, der Idole, von Ayrton Senna bis zu Michael Schumacher – und sie hatte in diesem Jahr nur einen Meister: Sebastian Vettel zeigte in Suzuka, dass er mit seinen 22 Jahren schon zu den wirklich Großen in der Formel 1 gehört. Auf dem äußerst anspruchsvollen Kurs, unter schwierigen, am Samstag im Qualifying durch viele Unfälle und Abbrüche auch chaotischen Bedingungen zauberte er ein perfektes Wochenende auf den Asphalt, holte sich nach der Pole Position dann auch einen souveränen Start-Ziel-Sieg – und hielt damit den WM-Titelkampf weiter offen, da seinen WM-Konkurrenten Jenson Button und Rubens Barrichello nur die Ränge acht und sieben belegten.

Dementsprechend überschwänglich fiel dann auch der Jubel des Heppenheimers aus, direkt nach der Zieldurchfahrt, noch im Auto, beide Fäuste schwenkend, nach dem Aussteigen im Parc Fermé, dann beim Sprung auf das Siegerpodest, beim kurzen Mitsingen der Hymne, mit leicht entrücktem Blick gen Himmel. „Ich fühle mich gut - was für ein Rennen“, strahlte er – die kritischste Phase hatte er ja schon wenige Sekunden nach dem Start hinter sich: „Nach der Pole Position gestern war ich schon der Favorit, aber man muss erst einmal den Start hinbekommen“ - nicht immer die besondere Stärke Vettels und besonders problematisch mit Lewis Hamilton in einem KERS-Auto hinter sich. „Da war ich vorher zwar sehr zuversichtlich, aber dann war es enger, als ich gedacht hatte. Ich hatte einen guten Start und bin dann in der Mitte geblieben. Dann sah ich in der ersten Kurve plötzlich einen Silberpfeil neben mir anfliegen. Zum Glück hatte ich dann einen Vorteil in die Kurve hinein. Abgesehen davon hatte ich dann kein richtiges Duell mehr.“

Von allen Seiten Komplimente

So konnte er den Rest der fast eineinhalb Stunden einfach nur genießen: „Das Auto war fantastisch und diese Strecke ist einfach fantastisch, wie von Gott gemacht. Ich habe das Rennen sehr genossen und vor der letzten Runde fast sogar etwas bedauert, dass es schon zu Ende ist." Selbst eine Safety-Car-Phase wenige Runden vor Schluss, nach einem heftigen Abflug des jungen Spaniers Jaime Alguersuari im Toro Rosso, brachte ihn nicht aus dem Konzept, „obwohl einen so etwas natürlich nie freut, wenn man schon einen sicheren Vorsprung hat, der dann plötzlich wieder weg ist. Aber ich konnte beim Neustart leicht vorne bleiben und hatte ja auch noch einen guten Puffer durch den Renault von Romain Grosjean" – der war als Überrundeter zwischen Vettel und seinen Verfolger Jarno Trulli im Toyota und Lewis Hamilton geraten, die am Ende auch die Ränge zwei und drei belegten.

Kein Wunder, dass Vettel, der erstmals von seinem Renningenieur Guillaume Rocquelin aufs Podium begleitet wurde, nach seinem Triumph von allen Seiten Komplimente bekam – allen voran von seinem Teamchef Christian Horner: Das war eine tolle Leistung. Er war sehr gut, nicht nur heute, sondern schon gestern. Ich bin sehr begeistert, wie er an diesem Wochenende gefahren ist. Er hatte eine fantastische Form, blieb fehlerfrei und fuhr absolut brillant.“ Auch RTL-Experte Christian Danner war begeistert: „Genau so macht man das. Er ist sehr souverän durch das Qualifying gegangen. Q1, harte Reifen, ein Run, Ende. Q2, ein Run. Q3, kein Fehler, Pole. Da gehört etwas dazu – speziell bei dem Chaos, das da gestern herrschte. Dann der Start: Er hatte ein KERS-Auto hinter sich und wusste eigentlich genau: Der bekommt ihn. Das ist ein riesiger Druck. Den hat er cool weggesteckt, ist in der Mitte gefahren und hat ab dann das Rennen dominiert. Aber der Weg bis in die erste Kurve war für ihn schwieriger als der Weg von der ersten Kurve bis zur Zielflagge.“

Rosberg und Heidfeld in den Punkten

In der Weltmeisterschaft verkürzte Vettel den Rückstand auf Jenson Button von 25 auf 16 Punkte, Rubens Barrichello liegt sogar nur noch zwei Zähler vor ihm. Da leiht er sich schon mal das Motto der Konkurrenz von Toyota aus – nichts ist unmöglich.“ Es sieht jetzt wieder besser aus für uns und es wäre schön, wenn wir noch ein paar Rennen mehr hätten. Aber ich werde bis zum letzten Atemzug kämpfen und versuchen, auch die letzten beiden Rennen zu gewinnen. Das ist alles, was ich tun kann.“ Worauf er hofft – auf ein Wunder wie 2007: „Es kann noch viel passieren, fragen Sie mal den Mann hier neben mir“, grinste er bei der Pressekonferenz – mit Blick auf Lewis Hamilton, der 2007 in den letzten beiden Rennen einen 17-Punkte-Vorsprung verspielt hatte. „Bei ihm hatten damals auch alle gedacht, es sollte kein Problem sein, den Titel zu holen."

Mit Nico Rosberg als Fünften und Nick Heidfeld als Sechsten landeten zwei weitere Deutsche in den Punkterängen. Um Rosberg hatte es nach dem Rennen noch einige Diskussionen gegeben, weil er in der Safety-Car-Phase angeblich zu schnell an die Box unterwegs gewesen war. Hätte er eine Strafe kassiert, wäre die Konstrukteurs-WM bereits zugunsten des Brawn-Teams entschieden gewesen, da Barrichello und Button um einen Platz aufgerückt wären. Doch obwohl Rosberg „etwa eine Sekunde unter dem erlaubten Zeitrahmen“ geblieben war, verzichteten die Sportkommissare auf eine Bestrafung: „Weil ich durch einen technischen Fehler auf dem Display den Zeitrahmen nicht angezeigt bekam, ihm also nicht folgen konnte, alle Daten aber bewiesen haben, dass ich in der ganzen Runde sehr wohl umsichtig und vorsichtig gefahren bin.“ Heidfeld, genau in dieser Situation von Rosberg überholt, hatte ein bisschen auf eine Strafe für den Williams-Piloten gehofft, ärgerte sich aber vor allem über seinen missglückten Boxenstopp, bei dem eine Radmutter geklemmt hatte und durch den er schon hinter Kimi Räikkönen zurückgefallen war: „Ich hätte sicher Vierter werden können, wenn man dann nur Sechster ist, ist das einfach enttäuschend.“ Adrian Sutil landete nach einer Kollision mit Heikki Kovalainen, „der mich umgedreht hat“, auf Platz 13, Timo Glock hatte nach seinem Trainingsunfall am Samstag ja nicht starten können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar