Formkrise : Er will doch nur spielen

Bernd Schneider erlebt Fußball zurzeit oft aus einer Perspektive, die trotz seiner langen Karriere weitgehend neu für ihn ist. Im Uefa-Cup-Spiel gegen Zenit St. Petersburg könnte sich der Nationalspieler nur auf der Bank wiederfinden.

Matthias Koch
Schneider
Bernd Schneider befindet sich derzeit in einer Formkrise. -Foto: ddp

BerlinSchon in der vergangenen Woche musste der 34-Jährige sowohl den 4:0-Erfolg der Nationalmannschaft gegen die Schweiz in Basel als auch die 0:2-Heimniederlage seines Klubs Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt 90 Minuten von der Bank aus verfolgen. Am heutigen Donnerstag könnte Schneider im Uefa-Cup-Hinspiel gegen Zenit St. Petersburg (18.30 Uhr/Premiere live) wieder wie gewohnt im Mittelfeld wirbeln. Trainer Michael Skibbe hat seine Aufstellung aber noch nicht bekanntgeben.

„Das ist kein gutes Gefühl. Als Fußballer will man immer spielen“, sagt Schneider, der aber nicht die öffentliche Konfrontation sucht. „Das wäre doch Quatsch. Es gibt eben solche Phasen im Leben. Ich werde mich aus diesem Tief herauskämpfen.“ 65 Tage vor dem Start der Europameisterschaft ist Schneider einfach nicht in Form. Nach einer langwierigen Knieverletzung kann er wieder spielen. Doch Schneider trennen derzeit Welten von jener spielerischen Klasse, die ihm den Ruf des „weißen Brasilianers“ bei der Weltmeisterschaft 2002 einbrachte.

„Ich bin fit. Aber mir fehlt es noch an Sicherheit im Spiel und Selbstvertrauen“, sagt Schneider. „Ich hatte keine Erfahrungen mit einer längeren Verletzung.“ Nur 14 Mal stand er in dieser Saison in der Bundesliga auf dem Platz.

Für die Europameisterschaft ist Schneider aber längst gesetzt. „Ein guter Schneider wird bei der EM sehr wichtig sein“, sagt Bundestrainer Joachim Löw und stellt damit quasi einen Freifahrtschein aus, der trotz der Nichtberücksichtigung gegen die Schweiz seine Gültigkeit behält. Da ist sich auch Schneider sicher: „Ich habe nicht gespielt, weil der Bundestrainer noch etwas testen wollte.“ Wie es nach der EM mit Bernd Schneider weitergeht, weiß er allerdings selbst noch nicht. Bei Bayer steht er noch bis 2009 unter Vertrag. Viel Zeit, um den ersten Titel seiner Karriere zu holen, bleibt Bernd Schneider nicht mehr. In den Endspielen der WM 2002 gegen Brasilien (0:2), der Champions League 2002 gegen Real Madrid (1:2) und des DFB-Pokals 2002 gegen Schalke 04 (2:4) sowie bei zwei Vize-Meisterschaften mit Leverkusen (2000, 2002) scheiterte Schneider jeweils kurz vor dem Ziel. Die Hoffnung hat er noch nicht aufgegeben: „Vielleicht kann ich ja im EM-Finale 2008 zuschlagen.“

Aktuell muss sich Bernd Schneider aber erst mal mit dem Uefa-Cup befassen – im doppelten Sinn. Gegen den Russischen Meister Zenit St. Petersburg beziffert er die Chancen auf 50:50. In der Bundesliga ist noch die Qualifikation für Champions League oder Uefa-Cup möglich – mit einem Bernd Schneider in Topform allemal. Matthias Koch

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