Fragen an den Bundesliga-Spieltag : Darmstadt sieht alt aus

Bei Darmstadt 98 setzten sie weiter auf Erfahrung auf der Trainerbank, Bayer hasst Elfmeter und Ralf Rangnick kapiert es weiterhin nicht.

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Reif für den Job. Ramon Berndroth, Interimstrainer des SV Darmstadt 98.
Reif für den Job. Ramon Berndroth, Interimstrainer des SV Darmstadt 98.Foto: dpa/Dedert

Wer trifft endlich mal eine strategische Entscheidung? Beim Hamburger SV scheint in Kürze mal wieder eine wichtige Personalie anzustehen. Schon seit Wochen ist ein deutliches Grummeln im Aufsichtsrat gegen den Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer zu vernehmen. Offenbar herrscht inzwischen weitgehende Einigkeit, dass Beiersdorfer gehen soll; und mit Heribert Bruchhagen scheint sogar schon ein Nachfolger identifiziert worden zu sein. Ein 68-Jähriger also, der erst im Sommer in Rente gegangen ist. Man kann sich – wie eigentlich über alle Entscheidungen des HSV – natürlich auch über diese Idee herrlich lustig machen. Aber sie zeugt wenigstens von strategischem Weitblick: Bruchhagen, der mit Eintracht Frankfurt zweimal abgestiegen ist, bringt immerhin Zweitligaerfahrung mit. Für den HSV ist diese Liga ja immer noch Terra incognita. Noch.

Wer hat es immer noch nicht kapiert? Ralf Rangnick hat mit einiger Verspätung nun auch endlich zugegeben, dass Timo Werner sich am vergangenen Wochenende mit einer Schwalbe Leistungen erschlichen hat, die ihm eigentlich nicht zustanden. Dass sich Leipzigs Sportdirektor so lange dem Offenkundigen widersetzt hat, hat er mit seiner Sorgfaltspflicht gegenüber dem Spieler Werner erklärt. Denn, so Rangnick, der große Schalker Manager Rudi Assauer hätte mit Sicherheit genauso gehandelt, wenn einem seiner Spieler „eine solche Szene widerfahren wäre“. Nur noch mal zum besseren Verständnis, lieber Rolf: „Diese Szene“ ist Timo Werner nicht widerfahren; er hat die Schwalbe aus freien Stücken und zum eigenen Vorteil begangen!

In Leverkusen wundert sich schon lange niemand darüber, dass Elfmeter auch Strafstöße heißen

Welche Regel gilt nicht in Leverkusen? Fußballer – das zeigt langjährige Erfahrung – kennen sich mit den Regeln ihres Spiels weit weniger gut aus, als man das eigentlich von erwarten sollte. Vielleicht ist das auch bei den Profis von Bayer Leverkusen so. In Regel 14 steht zum Beispiel folgender Satz: „Aus einem Strafstoß kann ein Tor direkt erzielt werden.“ Schwer vorstellbar, dass die Leverkusener je davon gehört haben, geschweige denn es schon einmal gelesen haben. Fünf Elfmeter wurden ihnen in dieser Saison zugesprochen, keiner führte zu einem direkt erzielten Tor. Am Mittwoch, im Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco, schaffte es Wendell immerhin, den Ball mit dem Rücken des gegnerischen Torhüters als Bande ins Tor zu befördern. In Leverkusen wundert sich jedenfalls schon lange niemand, warum Elfmeter auch Strafstöße heißen.

Wer kann über den Fußball hinaus als Vorbild dienen? Darmstadt 98 hat in dieser Woche seinen Trainer Norbert Meier entlassen, einen Mann mit einer stattlichen Biografie als Trainer. Doch anstatt nun dem neusten Trend zu folgen und einen Jüngling aus der Nachwuchsabteilung zum Cheftrainer zu befördern, hat der SVD den Posten erst einmal einem gestandenen Mann von 64 Jahren angetragen. Ramon Berndroth heißt dieser Mann, der noch nie in der Bundesliga auf der Bank gesessen hat. Rente mit 63? Vergiss es, Andrea Nahles!

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