Sport : Frank Rost

Wie Schalkes Torhüter das Spiel in Berlin erlebte

Mathias Klappenbach

Der erste Schuss ist drin. Frank Rost braucht 20 Sekunden, bis er das verarbeitet hat und seinen Mitspielern Mut zuklatscht. Ein paar Minuten später will er schon einen Ball für die Mitspieler aus dem Seitenaus holen, weil es bei seiner Mannschaft nicht läuft. Dafür muss der Torwart an diesem Nachmittag viel laufen. Kurz nachdem er einen gefährlichen Freistoß von Yildiray Bastürk um den Pfosten gelenkt hat, sprintet Frank Rost in die gegnerische Hälfte. Er bremst vor der Spielertraube ab und versucht, die Schalker Spieler von Tätlichkeiten abzuhalten und den Tumult aufzulösen.

Fünf Minuten später muss er sich schon wieder um seine Mannschaftskameraden kümmern. Als Christian Poulsen die Gelb-Rote Karte sieht, hält der Kapitän an der Mittellinie die aufgebrachten Schalker von Schiedsrichter Florian Meyer fern. Der 31 Jahre alte Rost ist bekannt dafür, dass er manchmal nach Enttäuschungen selbst ausrastet. Doch dafür hat er keine Zeit. Nach dem Elfmeterpfiff für Hertha wird er kurz gegen seinen Mitspieler Niels Oude Kamphuis handgreiflich, weil dieser wieder zu intensiv protestiert und einen Platzverweis riskiert. „Es gibt Elfmeterschützen, bei denen du weißt, dass du den Ball nicht halten kannst“, hat Frank Rost nach dem Pokalhalbfinale gegen Werder Bremen gesagt, als er drei Elfmeter hielt, dann den unerfahrenen Mike Hanke zur Seite schubste und den entscheidenden Elfmeter selbst verwandelte. Der Strafstoß von Marcelinho ist unhaltbar, in diesem Spiel wird Frank Rost nicht zum Helden. Dafür wendet er von seiner Mannschaft größeren Schaden ab. Und vom neu verlegten Rollrasen im Berliner Olympiastadion, der oft in großen Stücken durch die Gegend fliegt. Immer wieder flickt und repariert Rost das Spielfeld, bis wieder alles so ist, wie es sein soll. Zwischendurch kassiert er den dritten Gegentreffer, sein an Karate erinnernder Sprung gegen Nando Rafael kommt zu spät. Rost trifft Tomasz Waldoch und verletzt sich.

Bevor er sich behandeln lässt, zeigt er noch, warum sich viele darüber wundern, dass er erst vier Länderspiel bestritten hat: Er lenkt einen schönen Heber von Gilberto über die Latte. Rost humpelt leicht, das Spiel ist nach dem 1:4 entschieden, aber mit dem Rasen ist er noch nicht fertig. Als Sven Vermant verletzt liegen bleibt, überstimmt Rost den vorher von ihm beschützten Schiedsrichter und winkt die wartenden Betreuer auf den Rasen. Dann nimmt er ein von Vermant herausgerissenes, handtuchgroßes Stück Rasen und wirft es wütend weg. Bis zum Schlusspfiff passiert nicht mehr viel. Frank Rost geht zur Schalker Kurve, zögerlich folgen ihm einige Mitspieler. Seine Handschuhe und sein Trikot fliegen in die Menge, die Rost trotz der Niederlage feiert.

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