Sport : Frankfurt-Kaiserslautern: Eintracht im freien Fall

Oliver Trust

Trainer eines solchen Abstiegskandidaten zu sein, ist keine erstrebenswerte Sache. Vor allem, wenn einer statt Siegen nur Weisheiten verkünden kann. Friedel Rausch wird bei Eintracht Frankfurt langsam zum erfolglosen Dichter und Denker. Da saß er, die Mundwinkel angestrengt nach oben gezogen, den Blick ins Leere und redete. "Was nützt der schönste Teller, wenn nichts zu essen drauf liegt", sagte er. Frust schwang mit. "Es hätte unser Spiel werden können", sagte er nach dem 2:4 beim 1. FC Kaiserslautern. Sein zweites Spiel als Retter, seine zweite Niederlage. "Was kann ein Trainer da tun?", fragte er ratlos. Die Antwort hätte jeder einzelne der 41 500 Zuschauer geben können: nicht viel.

Eine Pfälzer Abwehr, in der sich Mario Basler und Hany Ramzy gegenseitig mit dilettantischen Fehlpässen übertrafen, hatte ihnen drei Punkte als Ostergeschenk angeboten. Mit 2:1 gingen sie in Führung. Zur Halbzeit hatten sie ein Wunder, ohne das es im Abstiegskampf nicht geht, dicht vor Augen. Dann schlug Friedel Rausch immer öfter die Hände vors Gesicht, er wollte gar nicht mehr hinschauen. "Das darf nicht passieren", stöhnte er. "Ich kann doch nicht die Fehler abschaffen, die Tore schießen und hinten welche verhindern."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? So verpassten die Frankfurter die Chance und rutschten noch tiefer in den Abstiegsschlamassel. Als Basler nach 48 Minuten den 2:2-Ausgleich per Foulelfmeter (Kracht an Djorkaeff) schaffte, konnte sich Kaiserslauterns Trainer Andreas Brehme wieder beruhigen. "Der hat in der Pause eine kräftige Ansprache gehalten", berichtete Basler beeindruckt. Nach Lokvencs frühem Kopfballtor war nämlich lange Zeit gar nichts mehr gegangen. "Nach so einem Tor hätte bei uns eine Last von den Schultern fallen müssen", schimpfte Brehme. Seine Spieler ergriff wieder eine seltsame bleierne Schwere. Guie-Mien schoß nach Ramzys Fehler zum 1:1 ein, Kryszalowicz gelang nach 35 Minuten die 2:1 Führung.

Es wurde erst besser, als Youri Djorkaeff ins Spiel kam. Der Franzose verteilte die Bälle wie ein Weltmeister, die Lauterer "nutzten eine Schwächephase von fünf Minuten", schimpfte Frankfurts Kapitän Torsten Kracht. Es ging weiter bergab. 52. Minute: Lokvencs zweiter Treffer. 89. Minute: Miroslav Klose trifft zum 4:2. Ende. Aus für die Eintracht. "Der Trainer hat gesagt, wir sollen an uns glauben", erzählte Horst Heldt, "es sei zwar schwierig, aber nicht hoffnungslos." Was bleibt Rausch übrig? Er spielt den Optimisten und macht, was von einem Retter erwartet wird. "Wir werden morgen wieder trainieren", sagte er. "Es sind noch fünf Spiele, 15 Punkte." Nächste Woche spielen sie daheim gegen Bayern München. "Vielleicht", sagte Rausch in einem schwachen Moment "hilft jetzt nur noch beten."

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