Sport : Frankreich und Holland: EM-Favoriten gehen kein Risiko ein

Das Aufeinandertreffen der beiden großen EM-Favoriten wird zum Gipfel zweiter Klasse. "Es ist kein entscheidendes Spiel, sondern eher ein Prestige-Duell", beschrieb der französische Abwehrspieler Marcel Desailly die Situation vor dem abschließenden Gruppenspiel zwischen Weltmeister Frankreich und Gastgeber Niederlande am heutigen Mittwoch in der Amsterdam ArenA (20 Uhr 45 /live in der ARD). Nach dem sich beide Titelaspiranten mit zwei Siegen über Tschechien und Dänemark vorzeitig den Einzug in die nächste Runde gesichert haben, werden beide Trainer von der Möglichkeit Gebrauch machen, den ein oder anderen angeschlagenen oder mit einer Gelben Karte belasteten Spieler zu schonen. "Das wichtigste ist, kein Risiko für das Viertelfinale einzugehen", sagte Bondscoach Frank Rijkaard.

Für die Gastgeber steht immerhin der Fortbestand des Heimvorteils bei der Europoameisterschaft 2000 auf dem Spiel. Der Gruppensieger trägt seine weiteren Spiele in Rotterdam (Viertelfinale) und Amsterdam (Halbfinale) aus, der Gruppenzweite spielt zunächst in Brügge, dann in Brüssel. "Natürlich bleiben wir lieber hier. Die Unterstützung durch das Publikum wirkt stimulierend, für uns ist das natürlich ein Vorteil", sagte Rijkaard, der als Zweiter der Gruppe D mit seiner Mannschaft das Trainingslager in Hoenderloo verlassen und zunächst nach Knokke umziehen müsste. Dann hätten die Holländer frühestens im Finale in Rotterdam wieder Heimvorteil.

Von den drei möglichen Viertelfinal-Gegnern aus der Gruppe C hat das "Oranje"-Team mit den Norwegern die unangenehmste Erfahrung gemacht. Die Norweger ließen sich in vier Qualfikationsspielen zur WM 1994 und 1998 nur einmal von den Niederländern bezwingen.

Bondscoach Rijkaard bewegt sich vor seinem 20. Länderspiel im Aufstellungs-Poker auf einem schmalen Grad. Mit Torhüter Edwin van der Sar (Oberschenkel-Zerrung) und Giovanni van Bronckhorst (Sperre) werden zwei Spieler auf jeden Fall ersetzt, zwei oder drei andere könnten folgen. "Wir wissen, dass die Kritik an unserer Mannschaft noch nicht verstummt ist. Darum wollen wir uns gegen Frankreich gut präsentieren. Wir wollen unsere Fans und unsere Kritiker überzeugen, das sind wir ihnen schuldig. Blessuren, Gelbe Karten, das sind Faktoren, die bei der Aufstellung eine Rolle spielen", sagte Rijkaard.

Für Frankreich ist die Situation nicht ungewohnt. Schon vor zwei Jahren beim WM-Titelgewinn im eigenen Lande standen die Franzosen nach den ersten beiden gewonnen Vorrundenspielen gegen Südafrika und Saudi-Arabien vorzeitig als Achtelfinal-Teilnehmer fest. Der damalige Nationaltrainer Aime Jacquet schickte im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark in Lyon eine auf acht Positionen veränderte Elf ins Rennen, die am Ende auch noch 2:1 siegte. Rijkaard: "Jede Mannschaft, die sie ins Rennen schicken, wird versuchen, zu gewinnen." Für die Franzosen geht es schließlich auch um die Ehre. Sie sind Weltmeister, sie haben einen Ruf zu verteidigen. Diesem Umstand fühlen sie sich verpflichtet.

Auch Jacquet-Nachfolger Roger Lemerre, dessen Elf nach den starken Vorstellungen gegen Dänemark (3:0) und Tschechien ihren Favoriten-Status unterstrich, wird heute voraussichtlich bis zu acht Stammspielern eine Pause gönnen. Auch die jungen Stürmer Thierry Henry und Nicola Anelka, der als Egozentriker immer wieder auffällt, sollen eine Ruhepause bekommen. Lemerre: "Wir haben nicht elf, sondern 22 Spieler, und die wollen alle gewinnen". Kaiserslauterns Bundesliga-Profi Youri Djorkaeff, Kandidat für die Anfangs-Elf gegen die Niederlande, denkt schon über das Duell am Mittwoch hinaus. "Gegen die Niederländer könnte es im Finale ein zweites Spiel geben. Gewinnen wir das erste, haben wir sie beeindruckt und sind im Vorteil."

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