• Frankreichs zweitbestes Fußballteam Der Weltmeister und sein Gegner Senegal ähneln sich sehr

Sport : Frankreichs zweitbestes Fußballteam Der Weltmeister und sein Gegner Senegal ähneln sich sehr

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Von Martin Hägele

Seoul. Patrick Vieira und El Hadji Diouf mussten zehntausend Kilometer fliegen, um sich beim Eröffnungsspiel der Fußball-WM in Seoul zu treffen. Eigentlich müssten der Mann, der nach der Verletzung von Weltfußballer Zinedine Zidane den General der Equipe tricolore spielen soll und der beste afrikanische Kicker in einer Mannschaft auflaufen. Denn beide wurden in Dakar geboren und sind in Senegals Hauptstadt aufgewachsen. Auf den staubigen Straßen und Plätzen in Frankreichs ehemaliger Kolonie kicken viele Talente. Sie spielen barfuß und basteln sich einen Ball, etwa indem sie ein Präservativ aufblasen und geschickt mit Stoff umwickeln.

Vieira hat nicht sehr lange mit dem luftgefüllten Pariser gekickt. Er war fünf, als seine Eltern nach Frankreich zogen. Schon bald landete der ungemein bewegliche Schlaks im Sport-Internat des AS Cannes, der sich nach der Order des französischen Verbandes seine Talente selbst groß zieht. In diesem System hat Vieira alle Stufen durchlaufen, und selbstverständlich bekam er schon bald den Pass seiner Wahlheimat. Als 17-Jähriger gab er sein Debüt in der Premiere Division, seine Entwicklung verlief konstant, drei Jahre später der erste Einsatz im Nationalteam. Kaum 21, durfte er die letzte Viertelstunde im WM-Finale mitmachen – sein Pass brachte damals Emanuel Petit auf den Weg zum 3:0 gegen Brasilien.

Der vier Jahre jüngere Diouf musste länger warten, ehe ein französischer Scout die außergewöhnliche Begabung des Teenagers in einem Hinterhof entdeckte. Es war nicht einmal eine richtige Mannschaft, es waren Jugendliche aus Dioufs Nachbarschaft, die täglich gegen andere Teams aus anderen Vierteln spielten. Der Agent brachte sein vermeintliches Juwel nach Lens, nach einwöchigem Probetraining schickte man ihn nach Sochaux weiter. Über Rennes kehrte er schließlich an den Ausgangspunkt seiner Tour de France zurück. Heute würden sie beim Vizemeister RC Lens viele Millionen Euro zahlen, wenn der extravagante Mittelstürmer bleiben würde.

In der Industriestadt im Norden fällt Hadji nicht nur wegen seiner gebleichten Haare auf. Sondern auch, weil er mit seinen Launen und Eskapaden den Klub in Atem hält. Keiner kann gegnerische Verteidiger so verrückt machen wie dieser wilde und unberechenbare Typ. Der 21-Jährige trägt selbst den sonderbaren Spitzn „Serienmörder“ voller Stolz: Den hat er bekommen, nachdem er die WM-Premiere Senegals mit acht Toren quasi auf eigene Faust ermöglicht hatte.

Diouf hat sich auf dem zweiten Bildungsweg in die Fußball-Elite im Weltmeisterland gespielt. Wie 20 andere der Kollegen, die mit nach Südkorea geflogen sind. Dass er noch immer deren Trikot trägt und kein blaues Hemd wie Vieira oder die ebenfalls vom schwarzen Kontinent stammenden Champions Marcel Desailly (Ghana) und Claude Makelele aus Zaire, hängt mit der Vergangenheit von Dioufs Vater zusammen. Dass der früher auch für Senegals Nationalteam gestürmt hatte, betrachtete der junge Diouf schon früh als sein Erbe. Zudem hatte er erkannt, dass einer in seiner echten Heimat leichter zum Superstar hochgejazzt wird als im knallharten Konkurrenzbetrieb einer Republik, die sich mittlerweile als Mutterland dieses Sports aufführt.

Gerade deshalb wird der Auftakt des WM-Turniers für die Titelverteidiger zu einer solch brisanten Angelegenheit. „Es ist fast wie ein Spiel in der französischen Liga“, sagt der Coach des Titelverteidigers Roger Lemerre. Und er ist sich schon bewusst, dass ihnen jede andere Mannschaft der Welt mit größerem Respekt begegnen würde als Senegal. Denn die südliche Filiale der Premiere Division gilt inzwischen als Frankreichs zweitbeste Fußballmannschaft.

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