Frauen-Segelcrew : Und die Männer gehorchen

Beim Match Race Germany geht mit den Seglerinnen Kathrin Kadelbach und Ulrike Schümann zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Grand Prix eine Frauencrew am Start.

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Ziehen an einem Strang: die Seglerinnen Ulrike Schümann (links) und Kathrin Kadelbach. Foto: AFP
Ziehen an einem Strang: die Seglerinnen Ulrike Schümann (links) und Kathrin Kadelbach.Foto: AFP

Leichte bis mittlere Winde, dazu ein Mix aus Sonne und Wolken: Als sie diese Wetterprognose hörte, da stieg die gute Laune von Kathrin Kadelbach gleich noch mehr. „Da können wir dem einen oder anderen erfahrenen Profi vielleicht ein Bein stellen", sagte die 26 Jahre alte Seglerin selbstbewusst. Dann gab die Berlinerin aber auch zu: „Natürlich bin ich auch aufgeregt.“ Dazu hat sie in Langenhagen am Bodensee auch besonderen Grund: Bei der zweiten Regatta der ISAF World Match Racing Tour, dem zum 13. Mal ausgetragenen Match Race Germany, ist mit ihr und Taktikerin Ulrike Schümann zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Grand Prix eine Frauencrew am Start. Daran ändert auch nichts, dass noch drei Männer mit an Bord des16 Meter langen Boots vom Typ Bavaria 35 Match sind; das Sagen haben die Frauen. „Die Arbeit an Bord ist physisch sehr anstrengend“, sagt die Olympia-Vierte von Peking im Yngling, Ulrike Schümann. Und ein Rennen haben die Frauen auf dem Bodensee auch schon gewonnen.

Mit dem Sieg bei den nationalen Titelkämpfen auf der Hamburger Alster, als Kathrin Kadelbach ebenfalls die Yacht steuerte, hatten sich die Frauen die Wildcard für den Bodensee erkämpft. Damals noch mit olympischen Match-Race-Ambitionen. Doch daraus wird nichts mehr, nachdem die 37-jährige Ulrike Schümann im März ihren Abschied vom olympischen Segeln verkündete. Mit der Einführung der Elliott-6m-Klasse für den Yngling war für sie klar, dass nur noch Vollprofis Medaillenchancen haben.

Der Anschaffungspreis des Bootes beträgt allein schon 80 000 Euro, erklärt die gebürtige Potsdamerin, und für das Match-Race-Training benötige man zwei. Hinzu kommen noch große Ausgaben für Lebensunterhalt, Trainingslager, Reisen und Material. „Wo soll das herkommen?", fragt Ulrike Schümann. Aber das Match-Race-Training war nicht vergeblich, „am Bodensee genießen wir schon sehr große Aufmerksamkeit“. Kathrin Kadelbach hat beobachtet, dass sich „die Segelstars alle sehr professionell geben“.

„Für mich werden die Tage am Bodensee wunderbare Erfahrungen bringen“, sagt Kathrin Kadelbach. Sofort nach Abschluss wird sie wieder in ihr angestammtes olympisches Boot, den 470er, umsteigen. „Mein Ziel ist London 2012“, erzählt die BWL-Studentin. „Bei der Kieler Woche geht es los.“ Das erste große Ziel ist für sie die WM 2011 in Melbourne. „Ulrike wird uns beraten“, sagt sie.

Bei den deutschen Meisterschaften haben sie schon einmal die Männer-Crews bezwungen. Zu Kathrin Kadelbachs Team gehört auch ihr Freund Johannes Polgar, ein Starbootsegler der Weltklasse. Aber selbst der muss diesmal auf das Wort der Steuerfrau hören. Die beiden Frauen haben den Männern den Kampf angesagt. Erfolgreich bis jetzt.

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