Frauenfußball : Feuerwerk bei Tageslicht

Deutschlands Juniorinnen besiegen Nigeria 2:0 und werden als Weltmeister überschwänglich gefeiert

Meisterin der Welt. Alexandra Popp hat mit zehn Toren das deutsche Team zum Titel geführt. Foto: dpa
Meisterin der Welt. Alexandra Popp hat mit zehn Toren das deutsche Team zum Titel geführt. Foto: dpaFoto: REUTERS

Bielefeld - Kim Kulig hörte gar nicht mehr auf, sich hüpfend um sich selbst zu drehen. In der Nachspielzeit hatte sie das 2:0 geköpft, sie wusste, damit war der Titel sicher: Deutschland war U-20-Weltmeister. Nach dem hart erkämpften Finalsieg gegen Nigeria warfen sich die Spielerinnen an der Mittellinie aufeinander und herzten sich. Brüllend tanzten danach Spielerinnen, Trainerinnen und Betreuerinnen im Kreis, auf der Tribüne der Bielefelder Arena schwenkten viele der fast 25 000 Fans Deutschland-Fahnen. Alexandra Popp, die zehn der 20 deutschen Turniertreffer erzielt hatte, kamen die Tränen, so dass die Wimperntusche verlief. „Es war unser Traum, den Titel zu holen, ich bin stolz auf uns“, jubelte sie später in die zahlreichen Kameras.

Popp, die bei ihrem Verein FCR Duisburg Außenverteidigerin ist, hatte nach dem Abpfiff viel zu schleppen: Zunächst nahm sie den Goldenen Schuh als beste Torschützin in Empfang. Sie war die überragende Akteurin der WM, was ihr gleich noch Trophäe Nummer zwei, den Goldenen Ball, einbrachte. DFB-Präsident Theo Zwanziger nahm Popp samt riesigem Goldenen Ball in den Arm, erst dann war das gesamte Weltmeisterteam an der Reihe.

Zwanziger, Fifa-Chef Joseph Blatter und Franz Beckenbauer gratulierten dem deutschen Nachwuchs auf der Tribüne, ehe Spielführerin Marina Hegering den WM-Pokal in den Himmel über Bielefeld reckte. Dichter Konfettiregen ging auf die Siegerinnen nieder, die mit einem Feuerwerk bei Tageslicht gefeiert wurden. Szenen bei einem Frauen-Nachwuchsturnier, die sich selbst die Organisatorinnen vor drei Wochen wohl kaum so auszumalen gewagt haben. „Es ist Wahnsinn, vor vollem Haus Weltmeister zu werden. Das ist einfach geil“, sagte Marina Hegering.

18 Tore hatten die DFB-Juniorinnen in den fünf Spielen auf dem Weg ins Finale erzielt, jedes Mal waren sie als Siegerinnen vom Platz gegangen. Doch nach einem weiteren Selbstläufer für das Team von Trainerin Maren Meinert sah es gestern nur in der Anfangsphase aus, als die Deutschen aufs nigerianische Tor drängten. Alles schien nach Plan zu laufen, als nach acht Minuten das 1:0 fiel. Alexandra Popp erzielte im Fallen die Führung. Die 19 Jahre alte Bundesligaspielerin gehört wie Kim Kulig zum A-Nationalteam von Bundestrainerin Silvia Neid; beide sollen auch im nächsten Jahr bei der WM 2011 in Deutschland auflaufen.

Doch nach Popps Führungstor verloren die Deutschen ihre Überlegenheit. Die kampfstarken und technisch versierten Nigerianerinnen, die im Viertelfinale überraschend Titelverteidiger USA im Elfmeterschießen geschlagen hatten, kamen besser ins Spiel – ohne sich große Torchancen zu erspielen. Die DFB-Elf tat sich im Spielaufbau schwer und wurde erstmals bei der WM richtig gefordert. Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurden die Gastgeber wieder stärker und drängten auf ein weiteres Tor. Zunächst scheiterte Marina Hegering mit einem Distanzschuss, dann vergaben Popp und Svenja Huth gute Chancen. Einen Schuss von Stefanie Mirlach konnte Nigerias Torhüterin Alaba Jonathan nur mit Mühe abwehren, anschließend prallte der Ball nach einem Schuss von Kim Kulig vom rechten Pfosten zurück. Doch wenig später hatte Kulig mehr Glück, der Ball war drin, Deutschland Weltmeister.

Nicht nur das Stadion in Bielefeld war voll, die gesamte WM wurde gut angenommen. Fast 400 000 Zuschauer sahen die 32 Spiele, im Durchschnitt kamen 12 418 Fans zu den Partien in Bochum, Bielefeld, Augsburg und Dresden. „Die Generalprobe ist gelungen, ich bin überzeugt, dass die WM 2011 noch besser wird“, sagte Joseph Blatter. „Auf einem Kontinent wie Europa, auf dem der Männer- Fußball dominiert, wird die Frauen-WM ein Meilenstein.“ Auch Steffi Jones, Chefin des Organisationskomitees der WM 2011, war begeistert. „Besser kann man es sich nicht vorstellen, ich hatte Tränen in den Augen“, gestand sie. „Ich glaube, dass die Vorfreude anhält.“ Auf die begeisterten Zuschauer in Bielefeld wird das zutreffen. Auf die Spielerinnen sowieso. Tsp

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