Frauenfußball : Mammutprogramm vor der WM

Nach dem Pokalfinale wird der gesamte deutsche Frauenfußball auf die WM getrimmt – nicht alle Vereine sind darüber glücklich.

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Nur innerlich verletzt. Potsdams Star Fatmire Bajramaj hat nun die WM vor sich.
Nur innerlich verletzt. Potsdams Star Fatmire Bajramaj hat nun die WM vor sich.Foto: dpa

Bundestrainerin Silvia Neid hatte allen Grund, sich Sorgen zu machen. Da hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die ganze Saisonplanung darauf ausgerichtet, seine Frauen-Auswahl auf den Punkt fit für die Heim-WM im Sommer zu bekommen – und jetzt traten sich die Nationalspielerinnen aus Ehrgeiz gegenseitig um.

Beim Pokalfinale am Sonnabend zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt standen elf für die WM nominierte deutsche Spielerinnen auf dem Platz, alle paar Minuten musste eine von ihnen behandelt werden. Erst ging Anja Mittag zu Boden, dann prallte die Angreiferin aus Potsdam mit Frankfurts Abwehrchefin Ariane Hingst zusammen, die ihrerseits vom Platz geführt werden musste. Noch vor der Pause erwischte es Turbines Fatmire Bajramaj und Frankfurts Torhüterin Nadine Angerer, die im Kampf um den Ball ineinanderrutschten. Als Silvia Neid nach 90 intensiven Minuten und dem 2:1 (1:1)-Sieg der Frankfurterinnen zur Medaillenvergabe schritt, konnte sie sich aber freuen: Niemand hatte sich ernsthaft verletzt.

Die kurze nationale Saison ist mit dem Pokalfinale beendet, die lange WM-Vorbereitung beginnt. Turbine und der FCR Duisburg treffen noch im Halbfinale der Champions League aufeinander, der Rest der Bundesligisten geht viele Wochen früher als in einer normalen Spielzeit in die Sommerpause. Aber was ist schon normal im deutschen Frauenfußball vor dieser WM? Zu sieben Lehrgängen und vier Testspielen zieht Neid ihre Spielerinnen bis zum WM-Auftakt am 26. Juni zusammen, für dieses Mammutprogramm und das große Ziel der Titelverteidigung wurden die 22 Bundesliga-Spieltage im Schnelldurchlauf absolviert. „Ich stehe nach wie vor dazu, dass diese Lösung nicht optimal ist“, sagt Turbines Trainer Bernd Schröder. Seine fünf Nationalspielerinnen sowie die sieben nominierten Duisburgerinnen sind wegen der Champions League für den Auftaktlehrgang freigestellt, deswegen kann Schröder irgendwie doch mit dem DFB-Programm leben. „Im Moment stört uns das nicht so sehr“, sagt der 68-Jährige. „Das könnte aber passieren, falls wir in das Finale der Champions League kommen.“ Auch weil im Training des Nationalteams naturgemäß andere Schwerpunkte gesetzt würden.

Auch Frankfurts Manager Siegfried Dietrich bezeichnet das frühe Saisonende als „ein bisschen unglücklich“, ein finanzieller Schaden sei seinem Klub aber kaum entstanden. „Im April oder Mai wären sicher mehr Fans zu unseren Heimspielen gekommen, dann hätten wir wohl einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt“, sagt Dietrich. Diese Einbuße werde durch die Abstellhonorare des DFB aber wettgemacht.

Da nicht alle Klubs in dieser glücklichen Situation sind – 19 von 26 Spielerinnen im WM-Kader stammen aus Potsdam, Frankfurt am Main oder Duisburg – hat der DFB eine Art Beschäftigungstherapie für die Bundesligisten geplant. Ab Ostern spielen die zwölf Vereine in einer Nord- und einer Südstaffel noch einmal gegeneinander. „Es geht um die goldene Ananas“, sagt Bernd Schröder. „Aber die Mannschaften müssen ja beschäftigt werden.“

Nadine Angerer freut sich nicht wirklich auf die Schinderei im Nationalteam, sieht sich aber auch noch nicht in der Verfassung, wie bei der vergangenen WM ganz ohne Gegentor zu bleiben. „In Topform bin ich noch nicht, aber ich bin gut drauf“, sagte die 32-Jährige. Angerer hat jetzt immerhin Zeit für einen zweiwöchigen Tauchurlaub, danach sollte der Trainingshunger bei der 94-maligen Nationalspielerin wieder erwacht sein. Und die blauen Flecken aus dem Pokalfinale sind dann wohl auch verschwunden.

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