French Open : Federer dreht die Zeit zurück

Roger Federer beendet im Halbfinale von Roland Garros die beeindruckende Siegesserie von Novak Djokovic und erreicht damit das Endspiel gegen seinen alten Rivalen Rafael Nadal.

Petra Philippsen
Gut gebrüllt I. Roger Federer bejubelt seinen Halbfinalsieg gegen Djokovic.
Gut gebrüllt I. Roger Federer bejubelt seinen Halbfinalsieg gegen Djokovic.Foto: dpa

Dass die französischen Fans in Roland Garros ein besonderes Faible für Roger Federer haben, zeigen sie ihm, so oft sie nur können. Der Applaus, den sie dem Schweizer schon beim Betreten des Platzes schenken, ist tosender und zugleich liebevoller als bei jedem anderen Spieler. Selbst als der für ihre Landsleute. Die scheinbar so leichte und filigrane Spielweise Federers hat es ihnen angetan, seine sportsmännische Art ohnehin, und so verkörpert er für sie den Inbegriff der ästhetischen Tenniskunst.

Aber dass nun während des Halbfinales der French Open auf einmal „Nole, Nole“-Rufe durch den Court Philippe Chatrier hallten, hatte nichts mit einem Liebesentzug für ihren Maestro zu tun. Vielmehr bedeutete es, dass es für Federer so gut lief, dass sie Novak Djokovic motivieren wollten, doch nicht gleich aufzugeben. Das Duell des derzeit besten Spielers der Tour und dem wohl besten der Geschichte, hatte gehalten, was man sich davon erhofft hatte. Auch, weil sich der 29 Jahre alte Federer beim 7:6, 6:3, 3:6 und 7:6 in einer so starken Form befand, wie sie ihm viele nicht mehr zugetraut hatten. Im Finale am Sonntag trifft er auf Rafael Nadal, der zuvor Andy Murray 6:4, 7:5 und 6:4 bezwungen hatte.

Gut gebrüllt II. Rafael Nadal berauscht sich an seinem Sieg in drei Sätzen.
Gut gebrüllt II. Rafael Nadal berauscht sich an seinem Sieg in drei Sätzen.Foto: AFP

Dabei ist Sand der schwächste Belag Roger Federers. Doch es schien, als habe Federer an diesem Abend die Zeit ein Stück zurückgedreht. Seit den Australian Open 2010 stand er in keinem Grand-Slam-Finale mehr, es war der letzte seiner 16 großen Titel, und dass seine Ära abgelaufen sei, hatte Federer schon überall lesen können. Nach Paris war Federer erstmals angereist, ohne als echter Titelkandidat zu gelten. Die Schlagzeilen beherrschten die Rivalen Rafael Nadal und Novak Djokovic.

Federer aber spielte solide in den ersten Runden und gab bis zum Halbfinale nicht einen Satz ab. Dennoch schien klar, dass er wohl keine Chance gegen Djokovic haben würde, der bis Freitag in dieser Saison noch unbesiegt war. Doch Federer begann die Partie so furios wie vor vier Jahren, als er das Herrentennis beherrscht hatte. Federer zauberte mit seiner einhändigen Rückhand Gewinnschläge nach Belieben, oft genug konnte Djokovic nur selbst applaudieren.

Er selbst vermochte sich aber auch zu steigern, und so bekamen die Zuschauer eine der hochklassigsten Partien der letzten Jahre zu sehen. Djokovic holte den 0:2-Satzrückstand noch auf, doch Federer gab die Kontrolle nicht mehr aus der Hand. „Roger, Roger“ skandierten die Fans am Ende. „Die Fans wollen wohl, dass ich dieses Jahr noch einmal gewinne“, sagte Federer gerührt.

Im Endspiel wartet einmal mehr Rafael Nadal auf ihn. Die Zeit der Federer-Nadal-Ära ist offenbar noch nicht abgelaufen. Nadal konnte sich das packende Halbfinale entspannt bei einem Stück Torte anschauen, denn der Spanier hatte an seinem 25. Geburtstag gleich doppelt Grund zu feiern. Gegen Andy Murray musste er allerdings hart arbeiten, bevor der fünfmalige Paris-Champion in sein zwölftes Grand-Slam-Finale einzog. Zu gerne hätte der Murray dieses Kunststück als erster Brite geschafft, doch Nadal hatte seine Form gerade zur rechten Zeit wiedergefunden. Murray bot ihm einen hochklassigen Kampf, doch es reichte nicht.

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