Sport : Friedel Rausch: Einer mag Eintracht

Friedel Rausch soll das dritte Wunder am Main vollbringen. Der 61-Jährige wurde am Dienstagmorgen in einer Blitzaktion vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt bis zum Saisonende unter Vertrag genommen und soll die Hessen nun vor dem zweiten Abstieg in die Zweitklassigkeit nach 1996 retten. In den beiden Jahren zuvor war dieses Kunststück Jörg Berger und Felix Magath gelungen.

Für Eintracht Frankfurt ist Rausch nach dem am 29. Januar entlassenen Magath und Interims-Coach Rolf Dohmen bereits der dritte Trainer in der laufenden Saison. Der bisherige Kotrainer Armin Kraatz soll seine Funktion weiterhin ausüben. "Es ist ein schweres Unterfangen, aber ich stelle mich gerne dieser reizvollen Aufgabe", meinte Rausch, der innerlich schwer an dem Abstieg mit dem 1. FC Nürnberg zu kämpfen hat. "Das Drama nagt noch an mir. Das war vielleicht einer der Gründe für die Rückkehr in die Bundesliga."

Der Verpflichtung von Rausch, dem noch sieben Bundesliga-Spiele für die Rettungstat verbleiben, war ein wahrer Machtkampf in der Frankfurter Führungs-Etage vorausgegangen. Der neue Chef der Fußball AG, Steven Jedlicki, wollte selbst nach der 2:5-Pleite der Eintracht und einer desolaten Vorstellung beim SC Freiburg am vergangenen Samstag weiter an Dohmen festhalten.

Vor allem der Aufsichtsrats-Vorsitzende Reinhard Gödel hatte Konsequenzen gefordert und erhielt dabei Rückendeckung, auch vom Präsidenten des Gesamt-Vereins, Peter Fischer. Sie wollten dem Vorwurf entgehen, dem Absturz tatenlos zugesehen zu haben. "Es ging nicht um Personen, sondern um die Eintracht", sagte Jedlicki. "Es gibt nur ein Ziel für uns alle: Der Verbleib von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga."

In stundenlangen Nachtsitzungen saßen die Vereinsgremien zusammen, um nach einem Ausweg aus dem Dilemma zu suchen, den sie im Engagement von Rausch fanden. Die Eintracht trennt als 15. der Tabelle nur noch die Anzahl der mehr erzielten Treffer von der punktgleichen SpVgg Unterhaching und damit von einem Abstiegsplatz. Nach den Marathon-Verhandlungen stand fest, dass die Eintracht handeln wollte. Dohmen selbst stellte dann sein Amt zur Verfügung. "Das ist das letzte Zeichen, dass von uns zu setzen ist", meinte Dohmen, der sich ab sofort vom Schreibtisch aus um die Planungen für die kommende Saison kümmert. "Jetzt ist die Mannschaft am Zuge." Am Morgen war Rausch aus Luzern in seiner Schweizer Wahlheimat in die Mainmetropole angereist. Er verhandelte mit Sportdirektor Rolf Dohmen in einem Frankfurter Hotel. Am Mittag bestätigte dann Fischer den erfolgreichen Abschluss der Gespräche.

Für die Eintracht, die sich in der vergangenen Saison erst im letzten Moment durch 50 Millionen Mark von dem neuen Partner Octagon vor der Zahlungsunfähigkeit retten konnte, ging damit ein unendliches und blamables Kapitel in Sachen Trainer-Verhandlungen zu Ende. Das Führungs-Duo Dohmen und Jedlicki hatte sich aus den verschiedensten Gründen jeweils einen Korb von Lothar Matthäus, Klaus Toppmöller und Hans-Peter Briegel geholt.

In den letzten Tagen geisterte nun der Name des früheren Frankfurter Profis Werner Lorant durch die Gazetten. Er bestätigte auch sein Interesse an einer Zusammenarbeit und sorgte für noch mehr Verwirrung im Frankfurter Kader. Am Dienstag überschlugen sich die Spekulationen, die durch die Rausch-Verpflichtung nun ein Ende fanden. "Alles, was war, ist ab sofort Schnee von gestern", meinte Routinier Rausch.

Rausch kann auf Erfahrung mit den Hessen zurückblicken. Im Januar 1979 übernahm er das dortige Trainer-Amt und führte 1980 die Eintracht zum Uefa-Pokalsieg. Trotz des größten internationalen Erfolges in der Vereinsgeschichte endete die Zusammenarbeit abrupt. In der Bundesliga stand Rausch zuletzt in Kaiserslautern, Mönchengladbach und Nürnberg unter Vertrag. Vor seiner Verpflichtung durch die Hessen war Rausch ohne Vertrag. Er übernahm sofort das Training bei der Eintracht.

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