Sport : Frische Energie

Cottbus atmet nach dem Klassenerhalt auf und hofft trotz 4,5 Millionen Euro Schulden auf bessere Zeiten

Karsten Doneck

Berlin - Im Cottbuser Restaurant „Armando“ schob das Personal Überstunden. Erwartet wurde schließlich in der Nacht zum Montag noch eine geschlossene Gesellschaft. Die traf tatsächlich um halb zwei vor dem Lokal ein – nach rund 700 Kilometern Busfahrt. Die Begrüßung war herzlich. Auch Michael Stein hatte sich noch zu später Stunde auf den Weg gemacht, um Dankesworte an die Ankömmlinge zu richten. Der FC Energie Cottbus und sein Präsident Stein feierten beim Italiener mit einer „kleinen Party“, so Vereinssprecher Ronny Gersch, den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga. Die Lausitzer hatten sich nach ihrer 2:3-Niederlage beim Karlsruher SC mit dem hauchdünnen Vorsprung von nur einem Tor gegenüber Eintracht Trier (1:1 in Saarbrücken) gerade noch gerettet.

Erleichtert, aber keineswegs euphorisch hatten die Energie-Profis nach dem Abpfiff in Karlsruhe in ihrer Kabine gehockt, es wurde „weder getanzt noch gefeiert“, wie Gersch registrierte. Das Finale war letztlich auch nur der Schlussstrich unter eine leidvolle Saison, in der mitunter der Fortbestand des Profifußballs in Cottbus auf der Kippe zu stehen schien. Machtkämpfe um die Führungspositionen im Verein stifteten regelmäßig Unruhe, potenzielle Geldgeber verknüpften ihre finanziellen Zusagen mit der Ablösung gewisser Personen in einzelnen Gremien. Die Querelen wirkten bis tief in den sportlichen Bereich hinein. „Wir haben viele Turbulenzen erlebt. So etwas geht selbst an einer Mannschaft, die mental stärker ist als unsere, nicht spurlos vorüber“, sagt Präsident Michael Stein.

Innerhalb eines halben Jahres verabschiedete Energie nacheinander Eduard Geyer (Trainer), Klaus Stabach (Manager) und Dieter Krein (Präsident). Rund ein Jahrzehnt lang hatte dieses Trio in Cottbus das Selbstwertgefühl der Menschen in einer unter überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit leidenden Region gestärkt. Cottbus spielte von 2000 an drei Jahre lang sogar in der Ersten Bundesliga. Und das Beispiel des FC Energie zeigte, wie sich auch mit kleinem Geldbeutel Großes erreichen lässt.

Der Erstligaabstieg 2003 und das knappe Scheitern am sofortigen Wiederaufstieg 2004 läutete bei Energie Cottbus das Ende der Beschaulichkeit ein. Verantwortliche für den schleichenden Niedergang wurden gesucht – und gefunden. Geyer, Stabach und zuletzt auch Krein mussten gehen. „Für eine Neuausrichtung müssen alte Zöpfe auch mal gestutzt werden“, sagt Michael Stein. Geyer, Stabach und Krein zählten am Ende ihres Schaffens für den FC Energie bereits zur Generation der „Über 60-Jährigen“.

Geblieben sind die alten Sorgen: Energie drücken 4,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten, davon 1,5 Millionen kurzfristig. Die Deutsche Fußball Liga verknüpfte die Lizenzvergabe mit Bedingungen. „Das ist durch Kreditinstitute jetzt abgefedert“, sagt Stein. Die Planung der nächsten Saison basiert auf einem Etat in Höhe von 9,7 Millionen Euro, wie gehabt also. Hohe Ziele peilt der Klub eher vorsichtig an. Ralf Lempke, der neue Manager, sagt: „Erstmal müssen wir jetzt wieder in ruhigere Gewässer kommen. Aber wir wollen irgendwann auch mal wieder ein bisschen nach oben schnuppern.“

Trainer Petrik Sander, unter Geyer Assistent, soll bleiben. „Ich schätze ihn sehr, die Spieler stehen zu 100 Prozent hinter ihm. Dabei ist es nicht leicht, aus dem Schatten eines Ede Geyer herauszutreten. Ihm ist das gelungen“, lobt Stein. Einige Energie-Anhänger beäugen indes die neue Führung weiter skeptisch. Und drohen im Falle von Stillstand mit Ungehorsam. Im Internetforum zeigte einer, der sich Apollo nennt, dass seine Geduld durchaus ein Verfallsdatum hat. Er riet den anderen Fans: „Warten wir zwei Monate ab. Wenn sich dann nichts geändert hat, stürmt die Geschäftsstelle.“

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