Sport : Früherer PDM-Teamleiter bestätigt Geständnisse von Profis

Für den früheren Teamleiter des niederländischen Profi-Radrennstalls PDM, Jan Gisbers, gehört Doping in der Branche praktisch zum Alltagsgeschäft. "Jeder Teamleiter weiß, dass die Rennfahrer in Überlegung mit den Ärzten und Masseuren verbotene Mittel einnehmen", erklärte Gisbers. Deshalb könne er überhaupt nicht verstehen, dass seine ehemaligen Kollegen Jan Raas (Kwantum, Buckler) und Peter Post (Raleigh, Panasonic) die Doping-Bekenntnisse der ehemaligen Rennfahrer Steven Rooks, Peter Winnen und Marten Ducrot dementiert haben. "Als ich die Dementis im Fernsehen hörte, da fiel mir die Hose runter", sagte Gisbers der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Die drei Ex-Profis hatten in einem Film des TV-Senders KRO unabhängig voneinander zugegeben, dass in den 80-er Jahren in ihren Radteams systematisch und regelmäßig Dopingmittel mit Wissen der Rennleitung eingesetzt wurden.

"Die Ärzte melden nicht alle Details an die Teamleitung. Aber im Großen und Ganzen wissen diese, was los ist", betonte Gisbers. Er selbst sei in dem TV-Beitrag nicht vollständig zu Wort gekommen, hätte aber deutlich erklärt zu wissen, dass gedopt wurde. Gisbers betonte, dass der inzwischen pensionierte Mediziner Jacques van Rossum als Leiter des Anti-Doping-Labors an der Universität Utrecht in einer Nebentätigkeit das PDM-Team über den dosierten Gebrauch verbotener Substanzen beriet. "Van Rossum gab die Grenze an, wie weit der einzelne Rennfahrer gehen konnte, ohne erwischt zu werden." Gisbers findet allerdings, dass das Anabolikum Testosteron als Regenerationsmittel und nicht als Doping eingestuft werden sollte.

Nach Berichten der Tageszeitung "De Limburger" stand auch der Ausstieg des kompletten PDM-Teams 1992 aus der Tour des France im Zusammenhang mit Doping. Das Team gab damals wegen einer kollektiven Magenverstimmung auf. Nicht verdorbene Lebensmittel, sondern ein misslungenes Experiment mit verbotenen Substanzen wird in der Zeitung als Grund angesehen. Noch 1992 wurde die PDM-Mannschaft aufgelöst.

Der ehemalige Profi Peter Winnen kritisierte inzwischen den Präsidenten des niederländischen Radsportverbandes (KNWU), Joop Atsma, der die Geständnisse als zu spät kommend und historisch überholt bezeichnet hatte. "Noch während meiner Karriere habe ich dem Verband meine Besorgnis über die Methoden mitgeteilt. Niemand wollte das damals hören."

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