Füchse : Abschiedsgeschenk für den Trainer

Die Berliner schließen die Saison in der Handball-Bundesliga mit einem 40:33 gegen Melsungen ab. Jörn-Uwe Lommel wird herzlich verabschiedet.

Hartmut Moheit

Berlin - Hände wurden geschüttelt, Blumensträuße überreicht. Selbst Jörn-Uwe Lommel, den scheidenden Coach, sah man im lockeren Gespräch mit Bob Hanning, dem Geschäftsführer, mit dem er sich zuletzt so sehr überworfen hatte. Die Füchse Berlin verabschiedeten vor dem Bundesligaspiel gegen die MT Melsungen nicht nur sechs Profis und den Trainer aus ihren Reihen, sie taten das vor allem professionell. Und mit einem Versprechen, das Konrad Wilczynski für die Berliner formulierte: „Wir geben alles für einen Sieg mit mindestens sechs Toren.“ Das sollte auch ein Dank an Lommel sein, der in diesem Fall, bei 30 Punkten und Rang zehn in der Abschlusstabelle, noch eine vertraglich zugesicherte Prämie im unteren fünfstelligen Bereich erhalten sollte. Und wie sie alle Wort hielten: Mit 40:33 (22:16) übererfüllten die Füchse vor 6700 Zuschauern ihren Plan sogar. Lommel, der erstmals im Anzug zur Pressekonferenz erschien und Emotionen nicht erkennen ließ, sagte: „Ich bin sprachlos, kann mich beim Team nur bedanken.“ Dann nahm er seine Sporttasche und verschwand aus der Schmeling-Halle.

Im Spiel hatten die Füchse mit Tempoangriffen und schnellen Abschlüssen den Gegner beeindruckt. Die Melsunger Deckung konnte sich auf keinen Berliner speziell einstellen, die Gefahr kam von allen Positionen. Sechs Tore, sechs verschiedene Werfer – bis zum 6:3 (sechste Minute) wurde das auch in der Statistik deutlich. Hinzu kam, dass sich im Tor Jens Vortmann in einen wahren Rausch steigerte und Würfe der Melsunger aus freien Positionen gleich in Serie hielt. Der nach Dormagen wechselnde Berliner zeigte das mit Abstand beste Spiel seiner noch jungen, hoffnungsvollen Karriere. „Vielleicht hätte ich öfter zu ihm Vertrauen haben sollen“, sagte Lommel zu dessen Leistung.

Es war zu spüren, dass die Füchse unbedingt einen geglückten Saisonabschluss haben wollten. Derart motiviert traten sie zu selten in der zweiten Saisonhälfte auf, sonst hätten sie gestern gegen Melsungen nicht nur um Platz zehn gespielt. Der Lohn: beim 21:15 hatten sie erstmals die Sechs-Tore-Führung erreicht.

Aber die Füchse legten noch etwas drauf. In der zweiten Halbzeit geriet der Vorsprung, der zwischenzeitlich sogar auf acht Tore (30:22) angewachsen war, noch einmal in Gefahr. Vergebene Siebenmeter (Bult und Wilczynski) und ein paar Nachlässigkeiten in der Deckung ließen den Gegner hoffen. Beim 34:30 für die Füchse wähnte sich Melsungen wieder im Soll. Aber Vortmanns Taten möbelten alle Füchse auf – und plötzlich trafen sie auch wieder. Mark Bult (acht Tore), Rico Göde, Michal Kubisztal (je sieben) und der ebenfalls sein letztes Spiel für Berlin bestreitende Rene Böse (sechs) waren am Ende die erfolgreichsten Werfer für das Team, das nach dem Schlusspfiff mit nicht enden wollenden Gesängen gefeiert wurde. In sich gekehrt stand nur einer am Rand: Jörn-Uwe Lommel. Einen solchen Abschluss hatte er sich gewünscht, wenn er auch den Abschied aus Berlin eigentlich nicht gewollte hatte. Sein letzter Satz lautete: „Das Kapitel Füchse ist für mich beendet.“

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