Füchse als Entwicklungshelfer : Auf nach Kalifornien

In den USA weiß man so gut wie nichts über Handball - sollte der große Favorit Chicago den Zuschlag für Olympia 2016 bekommen, sollen die Füchse Berlin Aufbauarbeit leisten.

Hartmut Moheit
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Bob Hanning

Berlin - Es geht sehr schnell, dass Bob Hanning beim Stichwort USA ins Schwärmen gerät. „Mindestens einmal im Jahr muss ich da hin“, sagt der Geschäftsführer der Füchse Berlin, „vor allem San Francisco und San Diego sind meine Lieblingsstädte.“ Hanning nennt es aber einen Zufall, dass ausgerechnet Kalifornien in den Zuständigkeitsbereich des Erstligisten fallen soll, wenn es im Handball um Entwicklungshilfe für die Vereinigten Staaten geht. „Im Moment gibt es ohnehin nur Absichtserklärungen, der US-Handballpräsident Dieter Esch wird seine Vorstellungen bei der Bundesliga-Tagung noch einmal vortragen“, sagt Hanning und vermutet: „Nicht jeder Bundesligaklub wird zur Hilfe in der Lage sein.“ Ob sie überhaupt in der geplanten Form notwendig sein wird, entscheidet sich erst am 2. Oktober in Kopenhagen: An diesem Tag entscheidet die 121. Session des Internationalen Olympischen Komitees, wo die Sommerspiele 2016 stattfinden werden. Chicago gilt als hoher Favorit, und im Falle des Zuschlags wäre Handball in den USA plötzlich ein wichtiges Thema.

Was man in den Vereinigten Staaten bisher über diesen Sport weiß? So gut wie nichts, obwohl auch bei Olympia 1996 in Atlanta Handball gespielt wurde. Diesmal will man die Chance offensichtlich besser nutzen, um dem Handball zu mehr Popularität zu verhelfen. Dass der deutsche Unternehmer Esch deswegen sehr schnell bei den Füchsen vorstellig geworden ist, ist nicht ganz so überraschend. Mit Berlin können in den USA die meisten Menschen etwas anfangen.

In Hamburg und auch in Berlin hat Hanning mit der Akquirierung von Millionen-Etats funktionierende Handballstrukturen aufgebaut. Finanzielle Hilfe aber könnten die Füchse nicht leisten, hat Hanning Esch in einem vierstündigen Gespräch klargemacht. Erst müssten die Amerikaner die Grundlagen selbst schaffen, dann könnten auch die Füchse helfen. „Wir könnten Trainer in die USA schicken, Camps mit aufbauen, selbst dort spielen und auch logistische Hilfe bei der Präsentation der Sportart leisten“, sagt Hanning. An eines glaubt er allerdings nicht: „Von einer Profiliga sind sie dort so weit entfernt – wie etwa das ZDF davon, anstatt Fußball künftig Handball zu übertragen.“ Trotzdem verdiene die Idee viel Unterstützung.

So sieht man das auch in der Bundesliga. In Kooperation mit dem Deutschen Handballbund plant die Handball-Bundesliga bereits für den Juli 2010 in Chicago ein Länderspiel gegen Polen, die Neuauflage des WM-Finales von 2007. Gespielt werden soll dann im United Center, in dem die Basketballer der Chicago Bulls daheim sind und das beim Basketball 21 711 Zuschauern Platz bietet. Verbunden werden soll das Spiel in Chicago, wo mehr als 200 000 Polen und fast 190 000 deutschstämmige Einwohner leben, mit einem Trainingslager.

Dabei wären die Deutschen nicht die ersten Handballer, die sich in den USA engagieren. Die französische Liga hat in der vergangenen Saison ihren Ligapokal in Miami ausgetragen. Große Wirkung wurde damit nicht erzielt. „Wir sind in den Startblöcken, aber jetzt müssen die Amerikaner erst einmal Grundlagen schaffen“, sagt Hanning. „Sie werden von der Bundesliga einen Brief mitbekommen, in dem unsere Grundforderungen stehen.“ Hanning hofft, dass diese Forderungen bald erfüllt werden und aus den vielen klugen Gedanken beiderseits bald Taten werden. Nicht nur, weil ihn Kalifornien reizt – Bob Hanning ist schließlich auch ein Handball- Verrückter.

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