Füchse-Nachwuchs : Verwende deine Jugend

Die Füchse Berlin setzen jetzt auf Talente aus dem eigene Nachwuchs wie Jonas Thümmler – er ist ein Vorgeschmack auf die nächsten Jahre.

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Im Anflug auf die Bundesliga: Jonas Thümmler ist einer von zwei Nachwuchsspielern, die in der kommenden Saison einen Profivertrag bei den Füchsen erhalten. Foto: dpa
Im Anflug auf die Bundesliga: Jonas Thümmler ist einer von zwei Nachwuchsspielern, die in der kommenden Saison einen Profivertrag...Foto: dpa

Jonas Thümmler lächelt verlegen, wenn man ihn auf diese Geschichte anspricht. „Natürlich kenne ich die Anekdote“, sagt der Sportschüler. Bob Hanning hat sie ja erst kürzlich wieder öffentlichkeitswirksam erzählt, als die Füchse Berlin im Fernsehturm ihre Zu- und Abgänge für die neue Saison bekannt gaben. Vor viereinhalb Jahren, berichtete der Manager des Handball-Bundesligisten, sei ihm beim Spiel einer Berliner Auswahlmannschaft ein junger Kerl aufgefallen: groß gewachsen, kräftige Statur, gute Anlagen. Nur eben unter taktischen Gesichtspunkten ziemlich planlos. „Der weiß gar nicht, was er da macht“, habe Thümmlers damaliger Trainer zu Hanning gesagt. Heute würde dieses Urteil so niemand mehr fällen, der den 19-Jährigen auf dem Handball-Feld gesehen hat. Thümmler ist neben Fabian Wiede einer von zwei Nachwuchsspielern, die ab der kommenden Saison im Profi-Kader der Füchse stehen werden. „Vor uns liegt ein aufregendes Jahr“, sagt Thümmler, „aber wir wissen auch, dass der Schritt zum Bundesligaspieler ein gewaltiger ist.“

Die Berufung von Thümmler und Wiede ins Männerteam ist ein Vorgeschmack darauf, was Berlins Handball-Fans in den nächsten Jahren erwartet. Die A-Jugend der Füchse, die von Hanning selbst trainiert wird und zuletzt drei Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft gewann, dürfte in absehbarer Zeit weitere Kandidaten für den Kader von Trainer Dagur Sigurdsson hervorbringen. Mit Johannes Sellin und Colja Löffler haben sich zwei Talente von gestern längst als Stammspieler im Team etabliert – jetzt stehen die nächsten Jahrgänge bereit. Und Hanning lässt im Moment kaum eine Gelegenheit aus, um über die Perspektiven jener Spieler und seine Idee von Nachwuchsförderung zu sinnieren. „Ich stehe nicht seit Jahren mehrmals in der Woche morgens um viertel vor Acht in der Halle, um die Jungs später an andere Vereine zu verlieren“, sagt der Manager, „natürlich setzen wir auf unseren Nachwuchs“. Dosiert, aber ebenso regelmäßig durften die Talente zuletzt Einsatzminuten in Bundesliga und Europapokal sammeln. „Wir spüren das Vertrauen, das man uns entgegenbringt – ein gutes Gefühl“, sagt Thümmler. Am Sonntag bestreiten die „Jungfüchse“, wie die A-Jugend im Vereinssprech genannt wird, ab 12.30 Uhr sogar das Vorspiel der Männer, die auf den TuS Nettelstedt-Lübbecke treffen (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Sportlich birgt der angekündigte Trend zur Jugend allerdings auch ein gewisses Risiko, insbesondere auf der Position von Jonas Thümmler. Mit Kapitän Torsten Laen und Evgeni Pevnov verlieren die Berliner am Saisonende nämlich gleich zwei exzellente Kreisläufer und Abwehrstrategen. „Es ist wirklich schade, dass beide gehen“, sagt Thümmler, „weil man von ihnen unheimlich viel lernen konnte.“ Andererseits wird durch die Personalrochade eben eine Planstelle für Thümmler selbst frei. Gemeinsam mit dem Schweden Jesper Nielsen, der im Sommer zu den Füchsen wechselt, soll der gebürtige Berliner in Zukunft das Kreisläufer-Gespann bilden. Im Moment spielt der 19-Jährige noch in der zweiten Mannschaft, darüber hinaus ist er mit einem Zweitspielrecht für den VfL Bad Schwartau ausgestattet. Um für den Zweitligisten spielen zu können, pendelt Thümmler am Wochenende via ICE zwischen Berlin und Hamburg. „Spielpraxis ist für mich jetzt einfach elementar, wenn ich mich in den nächsten Jahren durchsetzen will“, sagt Thümmler, „da nehme ich ein paar Stunden Zugfahrt gern in Kauf“. Immerhin könne man da noch etwas für die Schule machen, ergänzt der Abiturient.

Um sich perspektivisch als Kreisläufer Nummer eins in Stellung zu bringen, muss Thümmler vor allem im körperlichen Bereich zulegen. „Zehn Kilo Muskelmasse mehr könnten sicherlich nicht schaden“, sagt er. Dazu genügt ein Blick auf die Gardemaße seines künftigen Konkurrenten. Jesper Nielsen bringt bei einer Körpergröße von zwei Metern fast 120 Kilogramm auf die Waage. Thümmler ist 1,92 Meter groß und hat nicht ganz 100 Kilo. „Um diesen Rückstand aufzuholen, habe ich einen neuen Trainingsplan bekommen“, sagt Thümmler, „der Schwerpunkte liegt jetzt auf dem Krafttraining“. Soll künftig keiner mehr sagen, Thümmler wisse nicht, was er tut.

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